truppen.info: Truppe: „European Challenge 2005“ – eine Übung, die „Europa noch nicht gesehen hat“
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 Bundeswehr zeigt ihre Zukunft
 „European Challenge 2005“ – eine Übung, die „Europa noch nicht gesehen hat“
Eckernförde / Bergen / Wildflecken (lb) [22.04.05]. Bürgermeister, Bundestagsabgeordnete, Journalisten, ausändische Militärbeobachter – alle hatte Generalleutnant Bürgener als Befehlshaber Heeresführungskommando und Ideengeber einladen lassen - zu einer Übung, die, wie er sagt, „Europa noch nicht gesehen hat“. „European Challenge“, die einstige „Heeresübung +“, als Show. Und das, was dem staunenden Publikum geboten wird, kann sich in der Tat sehen lassen: die Bundeswehr der Zukunft in Höchstform. Die Szenarien sind real: Evakuierung, humanitäre Hilfe, Gefecht. Die europäische Antwort der verbundenen Teilstreitkräfte ist überzeugend.
Die Botschaft auch: Deutschland kann mehr, als nur Wiederaufbau – die Bundeswehr der Zukunft soll auch für die Interessen des eigenen Landes kämpfen.
Von einer „Interventionsarmee“ will Verteidigungsminister Struck auf Frage von truppen.info dennoch nichts hören, aber selbstverständlich gehöre etwa die Evakuierung von EU-Staatsbürgern aus Krisenregionen zum neuen Auftrag der Bundeswehr. So dargestellt bei der Präsentation in Eckernförde. Erstmals werden in dem Szenario Marine, Luftwaffe, Heer, Streitkräftebasis und Sanitätsdienst in Kombination eingesetzt. 1.700 Soldaten sind an der 90minütigen Show beteiligt – als Teil ihrer Übung, so ein Marinesprecher.
„Laborbedingungen“, urteilt anschließend Oberst a.D. Friedrich Benz – und er sollte 24 Stunden später Recht bekommen, auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Dort will schwerpunktmäßig das Heer beweisen, was es kann - mit Unterstützung der Österreicher. Das Szenario: Überwachung einer entmilitarisierten Zone, Checkpoint - es kommt zu Ausschreitungen und sogar Angriffen. Die EU antwortet letztendlich mit einem vernichtenden Gegenangriff aus der Luft und vom Boden. Doch etwa der Vortags abgekündigte „scharfe Schuss“ des nagelneuen Hubschraubers „Tiger“ fällt aus – selbst General Bürgener mag an die Begründung „Wind“ und „Sicherheitsbestimmungen“ nicht so recht glauben.
Dass die Übung, beziehungsweise Show überhaupt stattfinden konnte, verdankt der in Bergen tagenden Verteidigungsausschuss eh dem Organisationstalent seiner Soldaten: nach Aussage Bürgeners musste man sich die notwendige Computertechnik in der gesamten Armee zusammensammeln. Für den „Kopf“ in Wildflecken gilt nichts anderes.
Eines steht gleichwohl fest: „European Challenge 2005“ zeigt – nachdem der demnächst „von der Fahne gehende“ General Bürgener viele Vorbehalte aus der Welt räumen musste – was der Bundeswehr in den kommenden Jahren bevorsteht. Sie ist dafür, so vermitteln es zumindest die öffentlichkeitswirksamen Termine, grundsätzlich gerüstet. Auch wenn niemand einen Hehl daraus macht, dass die Bewaffnung des „Tigers“ nicht passt, es an der IT hakt und so mache der beteiligten Waffensysteme deutlich älter sind als deren Bediener.
(Lars Bessel)
Perfekte Action: Marinesoldaten in Eckernförde
Vorzeigestück des Heeres:
Der Kampfhubschrauber Tiger
 Knallt, stinkt und raucht:  Panzerhaubitze 2000 im scharfen Schuß
 Zu Wasser, in der Luft und zu Lande: Leistungsschau Bundeswehr
 Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
 Kommentar von Lars Bessel
„European Challenge“ - die Antwort auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Herr General Bürgener, Sie können beruhigt in den Ruhestand gehen. Die Idee ist gut, naheliegend wie überfällig. Vieles wird bereits seit Jahren im stetigen Auslandseinsatz „unserer Jungs und Mädels“ praktiziert – ob die Verzahnung der Teilstreitkräfte oder die internationale Zusammenarbeit. Nur die Übung dessen hat weitgehend gefehlt.
Spannend und neu ist jedoch etwas ganz anderes: mit Hilfe von medienwirksamen Vorführungen wird als scheinbarer Teil der Übung der Bevölkerung ganz unterschwellig mitgeteilt: Pflaster kleben und gut zureden ist nur ein Teil des Soldatenjobs im Ausland - Leute, richtet euch darauf ein, demnächst wird auch geschossen. Und zwar in beide Richtungen.
Ein CDU-Abgeordneter hat es bei der Sudan-Debatte im Bundestag endlich einmal auf den Punkt gebracht: deutsche Soldaten gewährleisten sichere Seewege für den Rohstofftransport wie Öl und erschließen durch ein sicheres Umfeld neue Absatzmärkte für deutsche Konzerne. Natürlich gibt es da auch noch den internationalen Terrorismus. Die Definition deutscher (Auslands-) Interessen ist längst überfällig – ebenso wie die Beschreibung der Rolle der Bundeswehr in diesem Zusammenhang.
Was nach dieser Übung, „die Europa noch nicht gesehen hat“, bleibt, sind Fragen: Welchen Auftrag hat die deutsche Armee künftig tatsächlich? Wie setzt man diesen Auftrag um – mit Freiwilligen oder Berufssoldaten? Und mit wie vielen Menschen? Wie viel Geld muss wofür ausgegeben werden? Die beteiligten Soldaten an „European Challenge“ haben bewiesen, dass man sie ernst nehmen muss – tun wir es!
 
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