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 „Man kann sich hier nicht verstecken“
 Lütjenburger Soldaten improvisieren in der Umbauphase
Lütjenburg (uz) [07.01.08]. Im Mai 2007 hat die Stabsbatterie des Panzerflugabwehrkanonenbataillon 6 in Lütjenburg ihr Gebäude geräumt. Die Umbauarbeiten wurden durch das Aufwachsen des Standortes notwendig. Rund 500 zusätzliche Soldaten waren in der Schill-Kaserne unterzubringen. Für die Soldaten der Stabsbatterie hieß das erst einmal: Sachen packen und ausziehen. Die Soldaten sind zur Zeit in den Unterkünften auf dem Truppenübungsplatz Todendorf einquartiert. Für den Batteriechef, Major Tino Kohlmann, eine echte Herausforderung. „Dazu kommt, dass die Begleitumstände etwas ungünstig waren, da sich die Bauarbeiten verzögert hatten“, erzählt der Einheitsführer. Für die Soldaten sei dies nicht gerade motivierend gewesen, wenn sie bereits ausquartiert wurden, am Gebäude aber noch keine Arbeiten zu erkennen seien. „Dennoch“, so ist sich Tino Kohlmann sicher, „tragen die Soldaten das mit hoher Motivation mit, was von ihnen abverlangt wird.“
"Wegen Renovierung geschlossen": Der Block der 1. Batterie in Lütjenburg.
Fotos: Zeitter
Das könnte auch daran liegen, dass man inzwischen erkennen kann, dass es an der Infrastruktur voran geht. Wenn alles gut geht, ziehen die Soldaten am 5. Februar wieder in ihr angestammtes Gebäude. Bis dahin muss man noch mit der Behelfslösung auskommen:
Die Funktionsräume der Batterieführung sind derzeit in einem Lehrsaalgebäude untergebracht. In einem Großraumbüro, provisorisch mit Raumteilern getrennt, werden derzeit alle Aufgaben erfüllt. Für den Chef hat dies einen klaren Vorteil: „Hier kann sich keiner verstecken“, lächelt der Battteriechef. Aber gerade für seine Aufgabe ist es eine besondere Herausforderung. Schließlich geht es nicht selten um personelle oder disziplinarische Maßnahmen. Er hat zumindest für die persönlichen Gespräche einen kleinen Raum, damit nicht jeder im Großraumbüro zuhören kann. Dennoch, die meisten Arbeiten macht der Chef im Moment nach der regulären Dienstzeit, wenn es ruhig geworden ist. „Es ist viel Disziplin in den einzelnen Zellen erforderlich“, betont Kohlmann, der im kommenden Jahr mit seinen Frauen und Männern das Personal für eine Stabskompanie im Auslandseinsatz stellen wird.
Batterieführung im Großraumbüro: Stabsfeldwebel Torsten Heiber und Major Tino Kohlmann (v.l.).
Unter diesen Gesichtspunkten hat die derzeitige Situation für die Batterie sogar so etwas wie einen Trainingscharakter. „Wir müssen im Einsatz die Arbeit in einem Großraumbüro auf jeden Fall nicht mehr üben“, schmunzelt der Chef mit einem Rundblick auf die Zellen im Lütjenburger Unterrichtsraum. Auch viele der Verfahren für die Arbeit in der Einsatzregion werden bereits getestet und geprobt, betont der Chef. Augenscheinlichstes Zeichen dafür ist ein „Meldekopf“ am Eingang des Großraumbüros. Aber auch Übersichten und Meldungen werden PC-gestützt in die richtigen Formalien gebracht. So hat dann auch die unbequeme Zwischenlösung einen Vorteil für die Soldatinnen und Soldaten der Stabsbatterie.
Die Panzerhaubitze M 109 ist aus den Verbänden der Bundeswehr verschwunden.
Foto: GebArtBtl 225
Im Tagesbetrieb bedeutet die Auslagerung der Unterkünfte vor allem eine logistische Meisterleistung – schließlich ist die „Erste“ nicht die einzige Batterie aus Lütjenburg, die ihr Personal derzeit auf einem Übungsplatz unterbringen muss. Morgens und abends bringt ein Bus die Soldaten von der Unterkunft zur Kaserne, beziehungsweise umgekehrt. Für den Batteriefeldwebel, Stabsfeldwebel Torsten Heiber, heißt das auch, dass das Stuben- und Revierreinigen seiner Männer und Frauen und die entsprechenden Aufgaben des „Innendienstes“ einige Kilometer von seinem Schreibtische entfernt durchgeführt werden müssen. Für ihn sind vor allem aber auch die Betreuungsmöglichkeiten auf dem Übungsplatz in Todendorf Grund zur Sorge: „Dort gibt es so gut wie keine Freizeitmöglichkeiten“, musste Heiber feststellen. Es müssen derzeit aber eben auch alle Abstriche machen in der 1. Batterie. So können die Soldaten derzeit auch keine kurzfristigen zusätzlichen Stunden im Dienst bleiben, da sie sonst nicht mehr zurück zur Unterkunft gelangen können.
Problematisch ist es vor allem auch deswegen, weil sich die Soldatinnen und Soldaten auch in den Pausen nicht auf ihre Stuben zurückziehen können. Das bedeutet auch, dass morgens nichts vergessen werden darf. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Soldaten den Dienstplan genau lesen“, stellt Hauptfeldwebel Markus Spitzer fest. Der Batterietruppführer kann in diesen Monaten keine kurzfristigen Änderungen des Dienstplans vornehmen. „Wenn ich beispielsweise Schwimmen ansetze, muss gewährleistet sein, dass die Soldaten auch 'eine Badehose‘ dabei haben.“
Dennoch ist der Batteriechef mit Blick auf die schwierige Situation zufrieden: „Wenn ich betrachte, was ich verlange, können wir das durch kein Angebot kompensieren“, erzählt er und ist um so beeindruckter von der Motivation, die sein Personal an den Tag legt.
„Über mangelnde Herausforderungen können wir nicht klagen!“
„Soldaten gehören zum täglichen Leben“
 
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