truppen.info: Truppe: Die Transformation der Bundeswehr
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 „Soldaten gehören zum täglichen Leben!“
 Lütjenburgs Bürgervorsteher im Gespräch mit truppen.info
Herr Ocker, Sie sind der Bürgervorsteher in Lütjenburg und zugleich auch Soldat. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Bundeswehr für die Stadt Lütjenburg?
Die Bundeswehr, genauer, die hier stationierten und wohnenden Soldaten und ihre Familien sind aus dem täglichen Leben unserer Stadt nicht mehr wegzudenken. Neben dem alltäglichen Verrichtungen engagieren sich Soldaten bzw. Angehörige von Soldaten überproportional in unseren Vereinen und Verbänden und erfüllen sie mit Leben. Ohne dieses Engagement wären viele Aktivitäten von Vereine und Verbän-den nicht möglich.
Derzeit wächst das Panzerflugabwehrkanonenlehrbataillon 6 zu einem Regiment auf. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für die Region?
Der Wandel vom Bataillon zum Regiment bringt ein Aufwachsen der hier stationierten Soldaten mit sich. Ich hoffe, dass viele unserer Neubürger auch ihre Familien mitbringen, hier ihren Lebensmittelpunkt finden, und ein ebensolches soziales Engagement zeigen wie es die Bundeswehrangehörigen bisher getan haben. Daneben darf der wirtschaftliche Aspekt nicht unberücksichtigt bleiben. Die Soldaten und ihre Familien werden, so hoffe ich nach Lütjenburg oder in die nähere Umgebung ziehen und ihren Bedarf an Konsumgütern hier decken.

Lothar L. Ocker
Bürgervorsteher in Lütjenburg
Foto: privat
Gemeindevertretern treiben die regelmäßigen Umstrukturierungen der Bundeswehr ebenso regelmäßig einen kalten Schauer auf dem Rücken. Wie haben Sie die Standortdiskussionen in den letzten Jahren für Lütjenburg miterlebt?
Wir haben hier in Lütjenburg in dieser Frage immer den direkten Kontakt zu den hier stationierten Soldaten gesucht. In vielen Gesprächen wurden zu den möglichen Entscheidungen des Bundesministeriums der Verteidigung die Auswirkungen auf Lütjenburg und die Region betrachtet. Die Stadtvertretung wurde seitens der Bataillonsführung über die aktuellen Entwicklungen immer auf dem Laufenden gehalten. Hier hat sich wiederum bewährt, das die Soldaten unserer Garnison in das tägliche Leben unserer Stadt voll integriert sind.
Neben der Lütjenburger Kaserne bringen auch die beiden benachbarten Übungsplätze für die Flugabwehr in Todendorf und Putlos Soldaten in die Region, kann Lütjenburg auch vom dortigen Übungsbetrieb profitieren?
Möglicherweise. Lütjenburg ist der „Zentrale Ort“ für diese Region. Es ist daher an-zunehmen, das sich Soldaten mit ihren Familien in oder in der Nähe von Lütjenburg ansiedeln um, im Falle einer Versetzung, innerhalb dieses Dreiecks (Lütjenburg, Todendorf, Putlos) nicht umziehen zu müssen und im gewohnten sozialen Umfeld bleiben zu können.
Wie schätzen Sie die Akzeptanz der Einwohner für die Bundeswehr in Ihrer Stadt ein?
Ich erwähnte bereits, dass sich die Soldaten zusammen mit ihren Angehören in vielfältiger Weise in unserer Stadt engagieren. Dadurch entstanden und entstehen sehr viele persönliche Beziehungen. Lütjenburg versteht sich als Garnisonsstadt in der Soldaten selbstverständlich zum täglichen Leben gehören.
Welchen Faktor macht die Bundeswehr für einen eher ländlichen Ort wie Lütjenburg aus?
Neben den bereits erwähnten sozialen Gesichtspunkten ist die Bundeswehr als größter Arbeitgeber in der Region natürlich auch ein Wirtschaftsfaktor, den man nicht unterschätzen darf.
Was hat Lütjenburg seinen Soldaten zu bieten?
Unsere Stadt bietet zunächst einmal Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf, medizinische Grund- und Notfallversorgung und, was besonders für junge Familien wichtig ist, ausreichende Kindergartenplätze und alle Schularten. Daneben sind in Lütjenburg über 50 Vereine und Verbände ansässig, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen und in denen man sich seinen Neigungen entsprechend engagieren kann
Wie beteiligen sich die Soldaten am Leben in der Stadt und welchen Einfluß kann die Stadt und ihre Bewohner auf die Bundeswehr ausüben?
Neben dem Engagement einzelner Soldaten und/oder ihrer Familien in Vereinen und Verbänden tritt die Bundeswehr natürlich auch öffentlich auf. Ich denke da an die öffentlichen Gelöbnisse der Rekruten des Panzerflugabwehrkanonenlehrbataillons 6 auf dem Marktplatz und auch an die Präsenz durch Informationsstände bei Veranstaltungen in und um Lütjenburg.
Einfluss auf die Bundeswehr in ihrer Gesamtheit kann seitens der Stadt und ihrer Einwohner natürlich nur in ganz geringen Umfang ausgeübt werde. Hier sehe ich allerdings auch das Zusammenleben vor Ort im Vordergrund. Durch eine Vielzahl von persönlichen Kontakten ist ein Gemeinwesen entstanden, das sich gegenseitig im positiven Sinn beeinflusst.
Sehen Sie auch Probleme und Sorgen, die ein Aufwachsen der Soldatenzahl für die Stadt mit sich bringen?
Zunächst einmal stehe ich dem Aufwachsen unserer Garnison positiv gegenüber. Ich freue mich auf neue Mitbürger und damit auch auf neue Erfahrungen und Herausforderungen. Die Soldaten der Bundeswehr sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und bringen damit alle positiven und negativen Eigenschaften mit, die in dieser nun einmal zu finden sind. Probleme und Sorgen sehe ich, bedingt durch zukünftig verstärkte Auslandseinsätze unserer Soldaten, in erster Linie bei den Familienangehörigen dieser im Einsatz befindlichen Soldaten. Auf diese müssen wir verstärkt eingehen und hier zu einer intensiven Betreuung finden.
Sie haben ja schon von Berufswegen ein eher gutes Verhältnis zur Bundeswehr - haben Ihre Erfahrungen als Soldat auch Einfluß auf Ihre Amtsführung als Bürgervorsteher?
Über dreißig Jahre Erfahrungen als Soldat der Bundeswehr haben natürlich Einfluss auf jede andere ausgeübte Tätigkeit. Wenn ich diese Frage auf den Umgang mit den Soldaten unserer Garnison beziehe, so gestaltet sich der für mich einfacher, als für jemanden, dem die Abläufe innerhalb der soldatischen Gemeinschaft vollkommen fremd ist. Beziehe ich ihre Frage aber auf die allgemeine Amtführung, so hoffe ich, das ich nicht zu sehr den Soldaten/den Vorgesetzten hervorkehre. Ich bemühe mich meine Amtführungen an den demokratischen Grundregeln des Miteinander auszurichten und bei Entscheidungen über wichtige Themen Einvernehmlichkeit herbeizuführen.
(Das Gespräch führte Uwe Zeitter) [06.08.07]
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