truppen.info: Truppe: Die Transformation der Bundeswehr
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 „Mangelnde Herausforderungen können wir nicht beklagen!“
 Transformation bringt 500 zusätzliche Soldaten nach Lütjenburg

Die Flugabwehr ist zur Zeit in Lütjenburg eher nebensächlich...
Fotos: Zeitter
Lütjenburg (uz) [06.08.07]. Transformation bringt für die meisten Standorte die bittere Gewißheit, dass die Tage der Garnison gezählt sind. Ganz anders ist es in Lütjenburg: Die Transformation bringt der Region rund 500 neue militärische Dienstposten. In den drei Standorten Lütjenburg, Todendorf und Putlos, letztere beherrbergen für die Flugabwehr des Heeres wichtige Übungsplätze, findet ein neues Flugabwehrregiment seine Heimat. Zum 1. Juli begann die Umgliederung des Lütjenburger Panzerflugabwehrkanonenlehrbataillon 6. Zugleich wurde der Verband der 1. Panzerdivision in Hannover unterstellt und damit den Eingreifkräften zugeschlagen. Für das neue Regiment bedeutet dies innerhalb kürzester Zeit nicht nur die Qualifikation des Personals für die Eingreifkräfte herzustellen, sondern zugleich auch Soldaten für vielseitige Einsatzaufträge in Afghanistan, Bosnien-Herzegowina und der Region Kosovo bereitzustellen.
Der Zeitplan ist eng und die Umgliederung ist nicht nur mit den personellen Veränderungen und den neuen Qualifizierungsaufgaben verbunden, sondern auch mit unzähligen baulichen Maßnahmen. Oberstleutnant Hans-Jürgen Beutler, der ehemalige Bataillonskommandeur, ist nun Regimentskommandeur ohne versetzt worden zu sein. Er kann die Veränderungen und damit die Herausforderungen für seine Männer und Frauen ohne lange Überlegenszeit aber keinesfalls in einem Atemzug auflisten. „Ich denke Tag und Nacht daran“, versichert er und die Liste läßt durchaus den Glauben zu, dass die eine oder andere schlaflose Nacht für den Kommandeur dazwischen liegt.
Die meisten Gebäude in der Lütjenburger Schill-Kaserne wurden zu Beginn der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erbaut. Eine Sanierung blieb den meisten bislang verwehrt. Eine Vorschrift aus dem Jahre 1958, die den geforderten Raum pro Kopf festlegt, bildet eine zusätzliche, unbequeme Grundlage für großangelegte Baumaßnahmen. Baumaßnahmen, die derzeit den Alltag in der Kaserne bestimmen. „Wir leben und arbeiten auf einer riesigen Baustelle“, bemerkt der Kommandeur. Neben der Sanierung einiger Unterkunftsgebäude müssen manche „Stuben“ auch in Arbeitsflächen umgewandelt werden, um der betagten Vorschrift Folge zu leisten. In gleich vier Gebäuden gleichzeitig sind Handwerker zu Gange. Die Soldaten aus den Gebäuden mussten zum Großteil ihre Unterkünfte räumen. Sie pendeln zur Zeit von den Übungsplatzunterkünften in Putlos täglich nach Lütjenburg. „Das fordert von den Soldaten schon einiges“, weiß Oberstleutnant Beutler um die Belastung, die er seinen Männern und Frauen auferlegt. „Jeder hat mehr Arbeit und wir müssen alle aufeinader aufpassen, damit keiner auf der Strecke bleibt“, erklärt der Kommandeur. Er hat aber auch ein Motiviations-Ass im Ärmel: „Die meisten tragen die Belastung geduldig mit, weil wir wissen, wir bauen auf und bereiten keine Auflösung vor.“ Wer etwas in der Unterkunft vergißt, hat Pech, auch die Rückzugsmöglichkeiten für eine Pause „auf Stube“ steht den Angehörigen nicht zur Verfügung. Im Drei-Standorte-Konzept wurde die leichte Flugabwehrbatterie bereits nach Putlos ausgelagert. Platz ist knapp derzeit in der Schill-Kaserne. Die meisten Unterrichtsräume in der Kaserne sind zweckentfremdet. Sie wurden zu Funktionsbereichen für die ausgelagerten Batterien eingerichtet. Allen voran betreibt die Stabs- und Versorgungsbatterie, die mit ausgelagert wurde, ihre Funktionsbereiche in einem Großraumbüro, das in einem Unterrichtsraum Platz gefunden hat. Um die Zahl der Unterkünfte für zuversetzte Soldaten in den Griff zu bekommen, hatte der Kommandeur bereits vor dem vergangenen Weihnachtsfest schlechte Nachrichten für einige seiner Männer. „Wir mussten die Soldaten, die nicht kasernenpflichtig sind, also alle, die älter als 25 Jahre alt und ledig sind, ausladen und haben sie gebeten, bis zum 31. März die Unterkünfte zu räumen“, berichtet der Kommandeur. Den Soldaten die bereits zuversetzt werden, um das neue Regiment zu befüllen, geht es ähnlich. Auch hier steht für eine maximale Übergangszeit von drei Monaten eine Unterkunft zu Verfügung. „Bis dann müssen die Soldaten hier in der Gegend eine Wohnung gefunden haben“, ergänzt Beutler. Bereits vor der offiziellen Umgliederung zum Regiment tauchten im Standort reichlich neue Gesichter auf. Weit mehr als 100 Begrüßungsschreiben für die „Neuen“ hat der Kommandeur in den letzten Tagen vor dem 1. Juli unterzeichnet.
Zu den infrastrukturellen Maßnahmen gehören aber auch noch die Sanierung der Wirtschaftsgebäude. Im eigentlichen Wirtschaftsgebäude sind bereits viele Räume aus hygienischen Gründen gesperrt. Dringend wäre eine langfristige Lösung notwendig, um fast doppelt so viele Soldaten verpflegen zu können. Durch eine Erhaltungssanierung kann das Gebäude noch für fünf bis sechs Jahre genutzt werden. Allerdings gibt es bislang noch keine Entscheidung, welche Lösung als Ersatz realisiert werden soll. „Unzählige Beratungen haben bereits stattgefunden und der Baubeginn verzögert sich immer mehr“, beklagt der Kommandeur. Er hält eine einfache Rechnung entgegen. Elf Varianten waren ursprünglich in der Untersuchung, die Entscheidung zwischen zweien steht noch aus. Mit der endgültigen Planung kann der Bau nicht vor 2009 beginnen, mit einer dreijährigen Bauzeit würde das neue Gebäude nicht fertig, bevor die Nutzungszeit des derzeitigen Wirtschaftsgebäudes abläuft. Für den Kommandeur ein inakzeptabler Zustand, in den er sich vom Infrastrukturstab Ost, der zuständigen Behörde, gebracht sieht. Auch um die Betreuungsmöglichkeiten Offizierheim, Unteroffizier- und Mannschaftsheim steht es ähnlich. Das jüngst wiedereröffnete Offizierheim wurde von den Mitgliedern in Eigenleistung renoviert. „Eine Möglichkeit, die ohne eine sehr gute Unterstützung durch das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in Plön undenkbar gewesen wäre“, lobt Oberstleutnant Beutler die Zusammenarbeit mit den regional zuständigen Verwaltungen, besonders auch die mit dem Sachgebiet 3 der Wehrbereichsverwaltung Nord.

Baustelle Schill-Kaserne: Vor aber auch in der Kaserne verändert sich derzeit einiges.
Doch in Lütjenburg stehen nicht nur die Bauabschnitte zur Unterbringung der Soldaten an. Von den aktuellen Bauvorhaben hängt sogar noch eine Standortschließung ab: Aus Fuldatal soll in diesem Halbjahr die Aufklärungsbatterie nach Putlos kommen. Dafür müssen vorhandene Fahrzeughallen umgebaut werden. Das empfindliche Radarsystem „Lür“ darf ausschließlich innen abgestellt werden. Die in Putlos vorhandenen Hallen haben aber keine ausreichende Einfahrtshöhe. Sollte dies nicht rechtzeitig verändert werden, könnte dies sogar Auswirkungen auf die Schließung des Standorts Fuldatal haben, da das Gerät nicht zeitgerecht neu untergebracht werden könnte.
Auch die beiden Fla-Kampfverbände, die Flugabwehrkampfverbände, die in Lütjenburg aufgestellt werden, haben nur wenig Zeit für eine Selbstfindungsphase. „Eigentlich kann ich den beiden Kommandeuren nur noch ein wenig Resturlaub zugestehen und dann geht es richtig los“, kündigte Hans-Jürgen Beutler schon an, bevor die beiden Oberstleutnante ihre Aufgaben übernommen hatten. An das Personal der beiden aufwachsenden Verbände in Bataillonsstärke werden vom ersten Tag an hohe Anforderungen gestellt. Einer von beiden Kampfverbänden wird zum 1. Januar einsatzbereit und zertifiziert als Eingreifkraft der 1. Panzerdivision in Hannover zur Verfügung stehen müssen, der andere Kampfverband hat einen Großteil seines Personals im kommenden Jahr für Einsatzaufträge in Afghanistan und auf dem Balkan zu stellen. „Wir werden bereits im September einen Durchgang im Gefechtsübungszentrum Altmark haben. Da werden die neuen Kommandeure richtig ins kalte Wasser geworfen“, beschreibt Oberstleutnant Beutler die weiteren Herausforderungen.
Herausforderungen, die er, wie er betont, ohne seine Soldaten nicht meistern könnte: „Ich lebe von den Soldaten und ihren Ideen“, lobt er das Miteinader in der Schill-Kaserne. Hier liegt die Tücke in den vielen Kleinigkeiten, die es zu beachten gilt. Eine Arbeitsgruppe beispielsweise kümmert sich um das neue Personal, das im Standort aufläuft. So kann rechtzeitig geplant werden, wer wo ein Dienstzimmer erhält und notfalls auch, wann nochmals umgezogen werden muss.
Ä hnlich wird auch seit einigen Monaten das ankommende Material für die neuen Verbände aufgenommen. „Wir haben einen Materialpool eingerichtet, in dem beispielsweise auch die Fristen für die Materialerhaltung zentral gesteuert werden“, erläutert Oberstleutnant Beutler nur einige der vielen Kleinigkeiten, um die sich die Soldaten nebenbei zu kümmern haben. Er hofft, dass sich das Bataillon zu Beginn des kommenden Jahres wieder in „ruhigeren Fahrwassern“ befindet. Auch wenn es dann an die Auslandseinsätze und den Aufbau und Betrieb einer Familienbetreuungsstelle gehen muss. Um Langeweile brauchen sich die Soldaten jedenfalls nicht zu sorgen.
Das „böse Wort“ aus der Politik
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