Füssen
(eb) [06.08.07].
Das Gebirgspanzerartilleriebataillon 225 aus
Füssen war das letzte Artilleriebataillon
der Bundeswehr, das mit der Panzerhaubitze
M 109 schießt und seit 1993 das letzte
Artilleriebataillon, das den Feuerkampf
im Gebirge führte. Zum 1. Juli 2007
wurde es aufgelöst und wird derzeit
in das Gebirgsaufklärungsbataillon
230 umgegliedert. Die Füssener Artilleristen
haben deshalb unter Führung des Bataillonskommandeurs,
Oberstleutnant Jürgen Pauker, zu ihrem
letzten scharfen Schuss am 14. Mai 2007
auf dem Gebirgsübungsplatz „Seetaler
Alpe“ in Österreich zahlreiche
Gäste eingeladen.
Das Gebirgspanzerartilleriebataillon 225 hat
in den 45 Jahren seines Bestehens eine wechselvolle
Geschichte erlebt. Nach der Aufstellung
1962 in Sonthofen wurde es 1970 nach Füssen
im Allgäu verlegt. Mehrere Male wurde
es umgegliedert und das Waffensystem gewechselt.
Das Bataillon hat in seiner Anfangszeit
mit der Gebirgshaubitze 105 mm („Alpenrevolver“)
geschossen, danach mit der Panzerhaubitze
M 109 mit kurzem Rohr. Später wurde
das Bataillon mit der Feldhaubitze 70 (Kaliber
155 mm) und der Feldhaubitze 105 mm ausgerüstet,
bevor im Jahr 2002 erneut die Panzerhaubitze
M 109 in neuerer Ausführung mit langem
Rohr geschossen wurde. Einer der Höhepunkte
der Geschichte des Bataillons war die Übernahme
des NATO Composite Force (NCF)-Auftrages,
bei dem das Bataillon in Norwegen die Flanke
der NATO artilleristisch zu verstärken
hatte.
Im Vorfeld der Vorbereitungen auf den letzten
Schuss wurden zunächst in einer einwöchigen Übungsphase
die im Gebirgsschießen benötigten
Erfahrungs- und Korrekturwerte ermittelt.
So ist es erforderlich, beim Schießen über
einen Berggipfel die dort herrschenden Wetter-
und Windverhältnisse einschätzen
zu lernen. Bereits nach kurzer Zeit konnten
die Füssener Artilleristen ihren hohen
Ausbildungsstand unter Beweis stellen.
Nachdem die ersten Schießvorhaben erfolgreich
absolviert waren und auch die in die Jahre
gekommenen Panzerhaubitzen M 109 wacker durchhielten,
wurde am Samstag als einer der Schießhöhepunkte
im direkten Richten geschossen. Dazu wurden
an einem Berghang Ziele aufgebaut, die über
eine Entfernung von etwa 800 Metern zu bekämpfen
waren. Der Bataillonskommandeur zeigte sich
sehr erfreut über die Leistungen seiner
Soldaten. Das direkte Richten war auch für
alte Artilleristen ein beeindruckendes Erlebnis.
Am Montag, den 14. Mai 2007 war es dann soweit:
Zahlreiche Gäste, darunter der Kommandeur
der 10. Panzerdivision, Generalmajor Markus
Bentler, waren erschienen. Die Gäste
konnten neben den Fähigkeiten des Bataillons
im Rahmen eines Bataillonsschießens
im Gebirge ausserdem die Geschützstellungen,
die Operationszentrale (ca. 1700 m ü.
NN) und eine Artilleriebeobachterstelle
(ca. 1950 m. ü. NN) im laufenden Feuergefecht
sehen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen
ging es dann zurück in die Feuerstellung,
wo die dritte Batterie des Bataillons mit
nahezu allen Soldaten des Verbandes auf
dem goldenen Schuss entgegenfieberte.
Um 14:00 Uhr bereiteten die eingeteilten Ladeschützen
die vier Geschütze der letzten Gruppe
für das allerletzte „Zugleich“.
Die Geschosse waren eigens präpariert
und liebevoll vorbereitet. Damit jeder Dienstgrad
des Bataillons daran teilnehmen konnte, wurden
die Abzugsleinen verlängert. Der Kommandeur
zählte mit feuchten Augen den „finalen
Alpendonner“ ein. Auf das Kommando „Feuer“ um
14:05 Uhr zog das Bataillon gemeinsam die
Abzugsleinen und ein letztes Mal rollte der
Geschützknall durch die Alpenregion.
Mit der vom Divisionskommandeur im Anschluss
vorgenommenen Entbindung vom Auftrag ist
aber nicht nur eine Ära beendet, sondern
gleichzeitig ein neuer Verband geboren worden.
Zukünftig werden die Füssener
Soldaten zur Heeresaufklärungstruppe
gehören. Zusammen mit dem aufzulösenden
Panzeraufklärungsbataillon 5 aus Sontra
wird das Gebirgsaufklärungsbataillon
230 geformt. „Es gilt also, nicht
die Hände in den Schoß zu legen,
sondern mit Energie und Tatkraft an die
neuen Aufgaben heran zu gehen!“, forderteo
General Bentler.
Aufmunternde Worte fand auch der österreichische
General der Artillerie, Brigadier Rainer Karasek: „Auch
wenn ich tief bewegt bin, ich freue mich,
dass die Soldaten des Bataillon eine neue,
herausfordernde Aufgabe bekommen. Die Aufklärung
ist auch in Österreich eine aufwachsende
Truppengattung und ich bin sicher, dass es
auch in Zukunft eine gemeinsame Übungstätigkeit
geben wird.“
[Alexander Kovacevic, Gebirgsartilleriebataillon
225] |