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Hamburg
(uz) [14.05.07]. Bundeswehr
und Zivildienst schließen sich
aus, sollte man meinen, wenn man einmal
davon absieht, dass der Comedian Holger
Müller, alias Ausbilder Schmidt
durchaus mit seinem „Zivi“ auf
Tournee geht. Wer sich für den
Zivildienst entschließt, will
mit Soldaten nichts zu tun haben, oder?
Weit gefehlt:
Das Veteranenheim deutscher Soldaten
in Hamburg ist ein Seniorenheim wie
hunderte andere in Deutschland. Es
bietet Betreuung in unterschiedlichem
Umfang, freundliches Pflegepersonal
und natürlich auch, wie im Pflegebereich üblich,
Zivildienstleistende. Hier treffen
Welten aufeinander sollte man glauben.
Auf der einen Seite ein Heim, dessen
Träger Vereine und Organisationen
aus dem militärischen Bereich
sind – auf der anderen Seite
junge Menschen, die den Dienst an der
Waffe ablehnen.
Doch für die „Zivis“ spielt
das gar keine so große Rolle.
Er habe sich das Veteranenheim sogar
ganz gezielt ausgesucht, erzählt
Sebastian Bütow. Der gelernte
Bürokaufmann ist erst seit diesem
Jahr im Veteranenheim tätig. Mit
vielen Freunden hat er sich unterhalten,
um seine Entscheidung zu treffen. Viele
haben vom "Partyleben" nach
der Allgemeinen Grundausbildung bei
der Bundeswehr
berichtet und einer hat ihm auch das
Veteranenheim als Stelle empfohlen.
Auf Stellensuche war Bütow recht
kurzfristig. „Man hatte mir gesagt,
dass ich nur eine Woche Zeit habe,
um mir eine Stelle zu suchen, sonst
müsse ich die nehmen, die man
mir aussucht und die könnte auch
in München sein“, blickt
er zurück. Er ist froh, dass es
im Veteranenheim geklappt hat.
Ähnlich war es auch bei Alexander
Eberling. Der Abiturient hat sich bei
der Diakonie
nach einer passenden Stelle erkundigt
und eine lange Liste bekommen. Auch
er ist schließlich beim Veteranenheim
hängen geblieben. Auch für
ihn ist es kein Problem im Veteranenheim
seinen Ersatzdienst zu leisten. „Vielleicht
wäre die Bundeswehr sogar besser
gewesen für mich“,
denkt Eberling laut. Allerdings so
gesteht er, ist das frühe Aufstehen
nicht so „sein Ding“ und
außerdem hätte der Wehrdienst
bedeutet, dass er nur am Wochenende
Freizeit gehabt hätte.
Beide sind im Veteranenheim in der
Dementenbetreuung tätig. Dass
sie den Dienst in einem von der Bundeswehr
geprägten Haus leisten, wird den
beiden Zivildienstleistenden im täglichen
Arbeitsalltag kaum bewußt. „Eigentlich
nehme ich das gar nicht so wahr“,
betont Alexander Eberling. Viele der
Patienten haben keine Bundeswehrvergangenheit
und wenn, dann spielt es für die
Aufgabe der beiden jungen Leute keine
Rolle. „Es gibt auch viele andere
Patienten“, ergänzt Sebastian
Bütow.
Im Vergleich zu ihren bisherigen Erfahrungen
ist der Zivildienst im Veteranenheim
eine ganz neue Erfahrung. „Es
ist nicht besser oder schlechter, es
ist einfach anders“, berichtet
Eberling. Der Dienst beginnt für
die beiden Hamburger mit dem Frühstück,
dann sind sie für die Dementen
da, gehen spazieren oder machen Spiele,
je nach dem Wunsch der Patienten. Die
größte Umstellung war für
Sebastian Bütow, dass die Patienten
mehrfach die selben Fragen stellen
und Alexander Eberling musste lernen,
lauter zu sprechen, damit er auch richtig
verstanden wird. Insgesamt sind sechs
Zivildienstleistende im Veteranenheim
deutscher Soldaten beschäftigt.
Sie werden für die ganze Dienstzeit
auf der selben Station eingesetzt.
So zwei bis drei Wochen braucht man,
um sich einzugewöhnen, meinen
die beiden Zivildienstleistenden, dann
aber, so stimmen sie über ein,
ist es „ganz in Ordnung“. |