truppen.info: Veteranenheim Deutscher Soldaten Freie und Hansestadt Hamburg
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 „Ich sehe uns junge Soldaten in der Pflicht“
 Die Patenschaft ohne dienstliche Anordnung
Studenten der Helmut-Schmidt-Universität bei einer Veranstaltung im Veteranenheim.
Hamburg (uz) [14.05.07]. Es ist für die Bewohner des "Veteranenheims deutscher Soldaten Freie und Hansestadt Hamburg" immer ein ganz besonderer Tag, wenn sie Besuch von den Studentinnen und Studenten der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität bekommen. Seit der Gründung der Universität wird hier eine ganz besondere Patenschaft gepflegt. Eine Patenschaft für deren Schluss es keinen großen militärischen Appell gab und für deren Pflege keine langen Befehle geschrieben werden müssen: In unregelmäßigen Abständen besuchen die Soldaten der Helmut-Schmidt-Universität die Bewohner des Veteranenheims oder laden sie ein. Federführend für diese Patenschaft sind seit dem vergangenen Jahr Oberleutnant Nina Probst und Leutnant Mario Müller. Diese Verantwortung wird immer direkt übergeben, sie wurden damals von ihrem Vorgänger angesprochen, ob sie nicht Lust hätten, das Amt zu übernehmen, erzählt Mario Müller. Das gesamte Engagement ist dabei ohne jeglichen Zwang. "Wenn es eine Veranstaltung gibt, verschicken wir Bulletins per eMail und hängen Listen aus", erzählt Müller. "So kann sich jeder freiwillig eintragen", ergänzt Nina Probst. Die "Neuen" können so vom Projekt erfahren, ohne unter Druck gesetzt zu werden. "Es wäre wohl völlig falsch die Neuen sofort damit zu überfallen. 'He, schön, dass du da bist, wir haben da was für dich' - man muss erst einmal fehlerfrei von einem Hörsaal zum Nächsten kommen", betont die Studentin.
Einer der sich seit Jahren regelmäßig in diese Listen einträgt, sprich bei den gemeinsamen Veranstaltungen der Studierenden für die Senioren dabei ist, ist Leutnant Steven Groß. "Es gibt fast schon so etwas wie einen harten Kern und 20 Soldaten bekommen wir eigentlich immer zusammen", betont er. Neben den Studentinnen und Studenten sind es aber auch deren militärische Vorgesetzte, die sich am Engagement beteiligen. Sie erhalten vom Organisationsduo jeweils eine persönliche Einladung. "Der Eine nimmt dann regelmäßig teil, der Andere hat vielleicht nicht das private Interesse und nimmt dann nicht teil. Das wird auch nicht eingefordert", beschreibt Leutnant Müller die Reaktion der Vorgesetzten, die der Teilnahme ihrer Soldaten zustimmen müssen. Die Meisten stehen aber zumindest dem Engagement offen gegenüber, wie die Studenten betonen. Dennoch würden sie eine Festlegung durch die Führung der Universität begrüßen: "Per se würde ich mir schon wünschen, dass festgelegt würde, dass diese Veranstaltungen Vorrang vor anderen haben, wenn jemand teilnehmen möchte", betont Mario Müller. Und die Zahl der Veranstaltungen bleibt auf Jahressicht auch überschaubar.
Mario Müller und Nina Probst sorgen für die Kontaktpflege.
Drei bis vier Mal sind die Soldaten vor Ort mit allen Dienstgraden vom Fähnrich bis zum Oberleutnant vertreten, meistens auch in Begleitung von Oberstleutnanten und Fregattenkapitänen aus den Fachbereichsführungen.
Eine Regelmäßigkeit in den Veranstaltungen gibt es nicht: "Wir feiern die Feste, wie sie fallen", berichtet Oberleutnant Probst und ergänzt: "Adventskaffee und Osterfrühstück sind fast schon obligatorisch - wir haben uns aber auch etwas für die Sommermonate vorgenommen." Steven Groß hat bislang nur gute Eindrücke mit aus dem Veteranenheim gebracht: "Meistens werden wir am Ende schon gefragt, wann wir uns wieder sehen", erzählt er.
Mit Rücksicht auf das Lebensalter der Bewohner im Veteranenheim ist eine Veranstaltungsdauer von 1-2 Stunden eigentlich völlig ausreichend.
Warum aber engagieren sich die Soldaten in dieser Patenschaft? Leutnant Müller bringt die ausschlaggebenden Faktoren auf den Punkt: "Es gibt einen militärgeschichtlichen Aspekt, denn hier kann ich Erfahrungen aus erster Hand erhalten; einen sozialen Aspekt, die Damen und Herren sollen merken, dass sie akzeptiert sind, wir uns um sie kümmern und natürlich einen persönlichen Aspekt, weil es mir Freude macht, den Dank in den Augen zu sehen", fasst er zusammen. Seine beiden Kameraden bestätigen diese Aspekte. Leutnant Groß hat die Erfahrung gemacht, dass viele der Bewohner kaum noch Kontakt zu Angehörigen haben oder die Familien kein offenes Ohr für Themen der Alten besäßen, das hat seine persönlichen Beweggründe geprägt: "Deshalb sind auch viele der Senioren froh, wenn sie Gesprächspartner in uns finden, lassen sich vielleicht das eine oder andere Geheimnis entlocken. Das bringt dann auch mir als jungem Offizier etwas, zu erfahren, wie wurde in verschiedenen Lagen reagiert."
Für Nina Probst, die sich schon als Schülerin in einem Altenheim engagiert hat, gibt es noch einen weiteren Gesichtspunkt: "Bei mir haben beide Großväter im Krieg gekämpft. Die Soldaten haben nach dem Krieg niemals einen - Dank ist das falsche Wort in diesem Zusammenhang - aber niemals einen Respekt gespürt. Ich denke, dass wir dieser Generation den Respekt schuldig sind und wir als Soldaten können ermessen, welche Leistungen erbracht wurden, auch wenn es in einer anderen Armee war. Ich sehe uns junge Soldaten da in der Pflicht." Dazu kommt auch für Nina Probst, dass sie neben eigenen Einsatzerfahrungen auch von den Erlebnissen der Kriegsteilnehmer lernen kann:
"Man merkt bei vielen Menschen, wenn sie erzählen, dass sie einen gar nicht ansehen, sie schauen durch einen hindurch und sehen mit Tränen in den Augen das Erlebte vor sich“, bestätigt auch Steven Groß.
Doch nicht nur die pauschalen Veranstaltungen für alle Bewohner gehören zum Programm der Studenten. "Im Veteranenheim lebt ein ehemaliger Fähnrich zur See, der auf dem Weg zur Universität verunglückte und seit dem schwerstbehindert ist. Weil er sich immer so freut, wenn er Uniformen, besonders die der Marine, in seinem Umfeld sieht, haben wir ihm zu Weihnachten einen Truppenbesuch bei der Flotte geschenkt. Die Heimleitung hat vorher bestätigt, dass er transportfähig ist und das werden wir in den nächsten Monaten machen," erzählt Nina Probst.
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Fotos: Zeitter.
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