truppen.info: Veteranenheim Deutscher Soldaten Freie und Hansestadt Hamburg
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 „Haben Sie gedient“ ist keine Standardfrage mehr
 Heimleiter Josef Sicka im Gespräch mit truppen.info
Stellen Sie mir bitte einmal das Veteranenheim vor:
Man kann natürlich stundenlang über das Veteranenheim erzählen... Letztendlich sind wir eine ganz normale Pflegeeinrichtung, die damals vom Bund deutscher Soldaten gegründet wurde. Es ist aber nicht so, dass wir nur Soldaten aufnehmen dürfen, wir sind gemeinnützig. Vorrang haben aber natürlich Soldaten oder deren Angehörige.
Es fing mit diesem Haus so an, dass die Bewohner entweder hier Miete für eine Wohnung entrichtet haben und sich dann zusätzliche Leistungen einkaufen konnten oder man konnte mit einem Pflegesatz im Bereich des Alten- und Pflegeheims aufgenommen werden. Es führte dann schnell zu Unstimmigkeiten, dass die Mieter die selben Leistungen haben wollten wie Pflegepatienten, aber ohne zusätzlich zu bezahlen. Das wurde inzwischen vereinheitlicht: Wir sind ein Wohn-, Alten- und Pflegeheim, wie es heute üblich ist. Wenn heute jemand kommt, der sagt: ‚ich möchte meine Blumen nicht weggeben, ich möchte ins Veteranenheim, dort mein Frühstück haben und morgens stramm stehen‘, dann wird es das so hier nicht geben, seit wir keine Wohnungen mehr haben. Damals hatte man sich wirklich mit Dienstgrad und Titel angesprochen und ein General hatte im Speisesaal das Sagen, egal ob er gut war oder nicht, er war eben ein General. Wie gesagt, heute wird man das so nicht mehr finden.

Josef Sicka
Foto: Uwe Zeitter
Wie viele Ihrer Bewohner sind wirklich aus dem Bereich der Bundeswehr?
Wir erleben derzeit quasi ein Vakuum. Die ehemaligen Soldaten der Bundeswehr sind noch nicht so alt, dass sie bei uns sein müssen und die Mitglieder des Verbandes Deutscher Soldaten sind am aussterben. Wir sind in dem „Loch“ das zwischen Kriegsende und der Gründung der Bundeswehr war. Derzeit liegen wir mit den Menschen, die den Krieg miterlebt haben, als Soldaten oder als Rot-Kreuz-Personal, bei einem Anteil von rund 20%. Wobei natürlich in der Generation, die jetzt hier lebt, fast alle jemanden durch den Krieg verloren haben. Allein dadurch sind wir der Satzung gerecht. Es sind auch schon die ersten Bundeswehrangehörigen da, wobei die noch relativ jung für uns sind. Also, jung heißt für uns so 65 bis 70 Jahre. Das geht aber wirklich erst langsam los.
Gibt es vergleichbare Einrichtungen in Deutschland?
Es gab mal ein Offiziersheim in Berlin vom Deutschen Bundeswehrverband, der dort eine Villa geerbt hatte. Das ist aber mittlerweile geschlossen. Diese Einrichtung ist, so wie wir sie hier haben, eigentlich einmalig in Deutschland.
Welchen Kontakt gibt es zu den Soldaten der Bundeswehr?
Es gibt zum einen sehr regen Kontakt zur Universität der Bundeswehr. Zum anderen gab es, das ist leider etwas eingeschlafen, einen guten Kontakt zu den Sanitätern in Breitenburg, die dann auch mit Bussen gekommen waren, so dass wir Patienten liegend zu den Ausflügen transportieren konnten. Das wurde immer sehr gut angenommen. Es waren Leute dabei, die kaum noch einen Schritt gehen konnten. Das war so toll, ich bekomme eine richtige Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Sie beschäftigen Zivildienstleistende hier im Haus, verträgt sich das mit der Zielgruppe des Soldatenheims?
Die meisten unserer Bewohner bekommen das kaum mit, ob sie es mit Pflegepersonal oder mit Zivildienstleistenden zu tun haben. Es gibt da heute kaum Probleme. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass Mitglieder der Vorstandschaft fast ohnmächtig wurden, als wir den Vorschlag gemacht haben, dass wir im Pflegebereich Zivildienstleistende einsetzen wollen.
Die Frage „Haben sie gedient“, war durchaus verbreitet bei uns im Haus. Ich selbst war auch nicht bei der Bundeswehr und es gab, als ich hier angefangen habe, durchaus auch Stimmen, die sagten, dass ich niemals hier Heimleiter werden könne. Ich wurde es trotzdem und es hat sich auch vieles hier verändert in dieser Richtung.
(Das Gespräch führte Uwe Zeitter) [14.05.07]
An das Altern gedacht
„Ich sehe uns junge Soldaten in der Pflicht“
„Das fällt gar nicht auf“
Das Veteranenheim im Internet
 
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