truppen.info: Zur Ausbildung in Pakistan
jüngste Beiträge
Aus den Einsätzen
Sicherheitspolitik
Wir suchen Ihre Fotos
Linkliste
Link eintragen
Laufbahnportraits
Der Weg zum Offizier
Der Weg zum Unteroffizier
Dienstgradabzeichen
truppen.info-Quiz
Spiele
Downloads
Buchtipps
Für Webmaster

Satire bis der Arzt kommt

 Wenn einer eine Reise tut...
 Außergewöhnliche Auslandserfahrung
Major Martin Walter nahm am Generalstabslehrgang in Pakistan teil.
Foto: privat
Itzehoe (uz) [06.12.07]. "Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen", diese uralte Weisheit trifft sicherlich auf jeden Soldaten zu, der von seinem Dienstherrn in ein anderes Land geschickt wird. Ganz außergewöhnliche Erfahrungen kann Major Martin Walter weitergeben. Er hat in den letzten Monaten am Generalstabslehrgang teilgenommen, augenscheinlich eine ganz gewöhnliche Ausbildungsmaßnahme für einen Major.
Er hat seine Ausbildung allerdings am Command and Staff College in Quetta absolviert. Quetta liegt in Pakistan und zwar nahe der Grenze zu Afghanistan. Das geschichtsträchtige Ausbildungsinstitut wurde 1905 von Lord Kitchener noch unter der englischen Herrschaft auf dem indischen Subkontinent gegründet. Jedes Jahr werden neben den besten 300 Offizieren der pakistanischen Streitkräfte auch Gaststudenten aus zahlreichen islamischen und westlichen Nationen eingeladen. Nach rund zehn 10 Jahren war Martin Walter der erste deutsche Stabsoffizier, der für diesen Lehrgang ausgewählt wurde.

Im Interview mit truppen.info sprach er über seine Erfahrungen:
Herr Major, Sie wurden für einen Generalstabslehrgang in Pakistan ausgewählt. Welche Gedanken gingen Ihnen zuerst durch den Kopf, als Sie mit dieser Neuigkeit konfrontiert wurden?
Ich hatte nur einen Tag Zeit, mich zu entscheiden. Ich bin sofort ans Internet geeilt, um herauszufinden, wo Quetta sich überhaupt befindet. Ein paar Bilder habe ich auch im Internet gefunden: eine staubige und einsame Stadt in der Bergwüste. Da dachte ich mir, da lockt das asiatische Abenteuer, das musst du hin.
Als nächstes habe ich an meine Frau gedacht und ein schlechtes Gewissen bekommen.
Eine Ausbildung in Pakistan ist eher ungewöhnlich. Viele deutsche Soldaten konnten diese Erfahrungen in den letzten Jahren nicht sammeln. Wie bereitet man sich auf einen solchen Auslandsaufenthalt vor?
In der Tat gab es nahezu keine Information. Die letzten Teilnehmer an diesem Lehrgang haben den vor etwa zehn Jahren gemacht, seitdem hat sich ziemlich viel geändert. Ich wusste nicht, ob ich dort Zahnpasta und Duschgel bekomme oder in welcher Unterkunft ich leben würde. Am Schluss habe ich mir gedacht, dass dort ja schließlich auch Menschen leben und überleben, so dass man das Nötigste schon bekommen wird. Und siehe da: so war es auch.
Noch schwieriger als Informationen über das Land zu bekommen, war es allerdings, alle Verwaltungsangelegenheiten zu regeln. Das war am Schluss so zum Verzweifeln, dass ich froh war, als ich im Flugzeug saß. Dabei waren die Leute von der Wehrverwaltung sehr nett und hilfsbereit.
Die Neuigkeit, dass Sie nach Pakistan kommandiert werden, wie wurde diese von Ihren Freunden, von Ihrer Familie aufgenommen?
Meine Eltern standen der Sache sehr aufgeschlossen gegenüber. Ich komme aus einer Weltenbummlerfamilie.
Für meine Frau war es schon schwieriger, weil sie sehr an ihrer Heimat hängt. Ich bewundere sie sehr dafür, dass sie schließlich sagte: Wenn du gehst, gehe ich mit. Sie hat ein ganzes Jahr unbezahlten Urlaub bekommen und ist mir hierher gefolgt. Ich kann ihr gar nicht dankbar genug dafür sein.
Wie muss man sich die Bedingungen für Lehre und Leben in Pakistan vorstellen?
Das Leben in Pakistan ist für Ausländer in den letzten Monaten schwierig geworden. Aus Sicherheitsgründen durften wir das Kasernengelände ohne bewaffnete Patrouille nicht mehr verlassen. Das Warenangebot in dem einzigen kleinen Einkaufskomplex war nicht berauschend. Nehmen Sie einen Gemischtwarenladen in einem Dorf in Südosteuropa, dann haben sie so etwa einen Vergleich.
Andererseits hat gerade das die Gaststudenten zu einer tollen Gemeinschaft zusammengeschweißt – es war eine sehr spannende und bereichernde Erfahrung, regelmäßig die Familien aus Jordanien, Saudi Arabien, Ägypten, Iran, der Türkei oder Kasachstan zu besuchen. Auf diese Weise lernten wir nicht nur Pakistan, sondern halb Arabien und Zentralasien kennen. Und insbesondere die Selbstverständlichkeit, mit der die Moslems aus all den verschiedenen Ländern uns als Gäste aufgenommen haben, war beeindruckend.
Die Infrastruktur für die Lehre war recht ordentlich. Pakistan hat in den letzten zehn Jahren technologisch einen weiten Sprung nach vorne getan. Vor zehn Jahren gab es in der Armee nicht einmal vernünftige Telefone, heute wird jeder Lehrgangsteilnehmer mit einem relativ modernen Laptop ausgestattet.
Die Lehrkräfte allerdings sind etwas raubeiniger als bei uns und die Lehrgangsteilnehmer haben einen Heidenrespekt vor ihnen – wenn nicht gar Angst. Wir Ausländer dagegen wurden sehr zuvorkommend behandelt.
Stichwort Sprache. Sehr viele Soldaten, die an internationalen Lehrgängen teilnehmen haben langjährige Erfahrungen mit den Sprachen des jeweiligen Landes, wie war es bei Ihnen mit der sprachlichen Vorbildung und wie klappt die Verständigung im Alltag?
Ich habe drei Monate Urdu am Bundessprachenamt gelernt. Das reicht gerade, um Brot zu kaufen und nach dem Weg zu fragen. Pakistan hat aber als ehemalige britische Kolonie Englisch als Verwaltungssprache eingeführt. Der Lehrgang war komplett auf Englisch. Also gab es sprachlich keinerlei Schwierigkeiten. In Englisch sind die Pakistanis richtig gut.
Welche augenscheinlichen Unterschiede gibt es zwischen den Dienstabläufen in Ihrem Gastland und der Bundeswehr?
Ganz eindeutig: Der pakistanische Vorgesetzte verfügt gnadenlos über die Zeit der Untergebenen. Samstags bekomme ich beispielsweise ohne Vorwarnung einen Anruf und muss mich umgehend in einer Arbeitsgruppe im College melden. Dort wartet man dann zwei Stunden, bis der Vorgesetzte tatsächlich kommt.
Und die pakistanischen Studenten haben ihre gesamte Zeit in den Lehrgang investiert. Sie arbeiten bis nachts um drei oder vier in Arbeitsgruppen und treten am nächsten Morgen um halb acht wieder zum Dienst an. Das geht so jeden Tag. Einmal habe ich das probeweise mitgemacht. Ich weiß gar nicht, wie die Pakistanis das ein ganzes Jahr durchstehen konnten.
Was ist das Wichtigste, was ein deutscher Stabsoffizier von einem Lehrgang in Pakistan mitbringen kann?
Einen handgeknüpften Teppich aus Afghanistan. Aber im Ernst: nicht die taktische Ausbildung war für uns entscheidend, sondern die Erkenntnis, wie es diesem Land hier zur Zeit des islamisch motivierten Terrorismus ergeht, wie sich die Menschen hier fühlen, was sie von den Deutschen oder den Amerikanern halten, mit anderen Worten: interkulturelle Kompetenz. In dieser Hinsicht haben wir hier unbezahlbare Erfahrungen gemacht – und insbesondere solche, die man sich in Deutschland nicht anlesen kann.
Aus Mitteleuropäischer Sicht blickt man oft eher kritisch in diese Region. Haben die letzten Monate Ihre Sichtweise verändert?
Ja und nein. Ich verstehe jetzt vieles sehr viel besser als früher. Manche Dinge kann man einfach nicht aus Büchern oder aus der Zeitung lernen. Mit anderen Worten: mein kritischer Blick ist jetzt sehr viel fundierter als früher. Aber er ist kritisch geblieben. Dieses Land steckt viel tiefer in Schwierigkeiten, als wir ahnen. Meine pakistanischen Mitstudenten wissen das ganz genau und man spürt ihre Verzweiflung darüber. Hier werden sich vermutlich in den nächsten zehn Jahren weichen stellen, die die gesamte Weltpolitik nachhaltig beeinflussen.
In wieweit hatten Sie die Möglichkeit das Land zu sehen, ein wenig zu reisen, Eindrücke zu sammeln?
Gegen Mitte des Jahres hielt es das pakistanische Militär für angezeigt, uns mitzuteilen, dass wir nicht nur die Kaserne nicht verlassen dürfen, sondern dass auch touristische Urlaubsreisen in Pakistan verboten seien. Zum Glück hat unser Militärattaché in Islamabad sich ab und zu unser angenommen und uns doch ein bisschen etwas vom Land gezeigt: unvergesslich wird eine Übernachtung in einer Blockhütte auf 3500m Höhe am Fuße des Nanga Parbat bleiben.
Gibt es ein Ereignis oder ein Erlebnis, das Ihnen ganz sicher besonders in Erinnerung bleiben wird?
Vielleicht die Bombenexplosion, die uns gegen Mitternacht aus den Betten gerissen hat. Eine Rakete war irgendwo auf dem Kasernengelände eingeschlagen und hat vier Polizisten getötet. Oder der Arbeiter, der meinen Toilettenabfluss mit der Hand gereinigt hat und mir diese Hand dann freundlich zum Abschied reichte. Oder der Gartenarbeiter, der mich fragte, ob ich ihm einen Reisepass für Afghanistan beschaffen könne – dort wolle er mit seinem Bruder gegen die Amerikaner kämpfen. Oder vielleicht der unvergessliche Moment, als wir nach unserer Rückkehr wieder deutschen Boden unter den Füßen spürten.
(Das Gespräch führte Uwe Zeitter)
 Die Ausbildungseinrichtung
Anzeigen
120x240allschecks.jpg
Racheshop - Europas witzigster Online-Shop!
flugle.de - Billigflüge kombinieren
Ihre Werbung hier?
   Diese Seite empfehlen     
Sitemap    Archiv    Impressum    Kontakt 
  (c) 2005 by www.truppen.info
Anzeige