truppen.info: Panzer ins Tor? Bundeswehr-Einsatz bei WM 2006 umstritten
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 Panzer ins Tor?
 Bundeswehr-Einsatz bei der WM 2006 umstritten
Itzehoe [08.12.05]. Die Fußball-Weltmeisterschaft kommt 2006 nach Deutschland, das steht fest – dass die Bundeswehr mitmischt auch. Etwa in den Bereichen Transport, Verpflegung, Unterbringung, Sanitätsdienst, Pressearbeit und Protokoll ist eine Unterstützung durch die Truppe quasi ausgemachte Sache, auch wenn die konkreten Anforderungen aus dem Bundesinnenministerium noch auf sich warten lassen. Streit gibt es auf dem politischen Spielfeld dagegen bei der Frage nach sicherheitsrelevanten Aufgaben für Soldaten, sprich zum Beispiel der Bewachung von Fußballstadien. Dennoch ist dem neuen Bundes-Innenminister das Scherzen nicht vergangen: der deutschen Abwehr täte es vielleicht ganz gut, wenn zusätzlich ein Panzer im Tor stünde, frotzelte Schäuble.
Bundeswehreinsatz bei der WM 2006
32 Jahre nach der WM von 1974 trägt Deutschland diese - neben den Olympischen Spielen - größte Sportveranstaltung der Welt erneut aus: 32 Mannschaften werden 64 Spiele in zwölf Stadien austragen. 3,2 Millionen Fußballfans können die Spiele live in den Stadien verfolgen, eine Million Gäste aus aller Welt werden erwartet. Auch aus Sicherheitsgesichtspunkten eine riesige Herausforderung. Eine Koordinierungsgruppe bastelt – auch unter Beteiligung der Bundeswehr – seit geraumer Zeit an entsprechenden Konzepten. Weitgehend klar scheint neben der genannten logistischen Unterstützung auch, dass die NATO um die Luftraumüberwachung mit ihren AWACS-Flugzeugen gebeten werden wird. Einzelheiten sind allerdings, auch aufgrund der Bundestagswahl und dem damit verbundenen Wechsel an der Spitze des federführenden Innenministeriums, noch nicht bekannt. Bei der heutigen Innenministerkonferenz in Karlsruhe wird es deshalb auch noch einmal um dieses Thema gehen.
Während der ehemalige Bundesinnenminister Schily (SPD) einen Einsatz der Bundeswehr ausschloss, hält sein Amtsnachfolger Schäuble (CDU) einen solchen Einsatz für „überlegenswert“. Entscheidend ist dabei das Grundgesetz, das einen Einsatz von Soldaten „im Innern“ nur im Zuge einer „Hilfeleistung“ zulässt, das die Übernahme etwa von Polizeiaufgaben jedoch klar ausschließt. Gleichwohl fragt man sich im Innenministerium was passieren soll, wenn bei diesem Großereignis die personellen Kapazitäten von Länder- und Bundespolizei erschöpft sind?
Mehrere führende Unions-Politiker haben sich deshalb für einen Einsatz der Bundeswehr zum Schutz der Fußball-Weltmeisterschaft ausgesprochen. „Im Ausnahmefall müssen wir zur Gefahren- und Terrorabwehr auf die Fähigkeiten der Bundeswehr zurückgreifen können“, sagte Schäuble etwa der in Hannover erscheinenden „Neuen Presse“. Wenn Kräfte der Polizei nicht ausreichten, „müsste es möglich sein, die Bundeswehr unterstützend einzusetzen“. Ähnlich äußerte sich der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Der „Netzzeitung“ sagte er: „Wenn wir eine Gefährdung durch islamistischen Terror haben, wäre es gut, wenn wir zumindest die verfassungsrechtliche Möglichkeit hätten, die Bundeswehr einzusetzen.“ Schünemann plädiert deshalb dafür, das Grundgesetz noch vor der WM entsprechend zu ändern. „Das wäre machbar.“ In dieselbe Richtung gehen auch die Vorstellung von Bayerns Innenminister Beckstein (CSU) und dessen Polizeipräsidenten Schmidbauer. Nach Schünemanns Vorstellungen soll die Bundeswehr allerdings nicht etwa Kontrollen vor den Stadien durchführen. „Das wäre der völlig falsche Weg und ist auch nicht Aufgabe der Bundeswehr.“ Anders verhalte es sich aber bei einer „ganz besonderen Bedrohungslage“ und wenn die Polizei nicht ausreiche. „In einer Extremsituation macht es sehr wohl Sinn die Bundeswehr beispielsweise für Objektschutz einzusetzen.“
Auch Schäuble wies darauf hin, dass derzeit die verfassungsrechtlichen Grundlagen für einen Bundeswehreinsatz im Innern nicht ausreichen. „Das Bundesverfassungsgericht wird im Frühjahr bei seiner Entscheidung über das Luftsicherheitsgesetz Klarheit darüber schaffen“, so der Minister. Sobald das Urteil vorliege, wolle die große Koalition „gegebenenfalls die erforderlichen Änderungen des Grundgesetzes vornehmen“.
Dort ist der Streit aber bereits vorprogrammiert: die SPD lehnt einen entsprechenden Einsatz von Soldaten nämlich als „hochgradig gefährlich“ ab. „Ich sehe keine Chance, mit meiner Fraktion aus Soldaten Hilfspolizisten zu machen“, sagte etwa der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rainer Arnold, der „Netzzeitung“. „Das wäre politisch falsch und außerdem hochgradig gefährlich, weil Soldaten eine völlig andere Ausbildung als Polizisten haben.“
Auch der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz wies den CDU-Vorstoß zurück. „Da machen wir nicht mit“, sagte er der Online-Ausgabe der „Financial Times Deutschland“. Die Bundeswehr könne allenfalls logistisch helfen. „Sie wird sicherlich nicht hoheitlich eingreifend tätig werden können“, betonte der SPD-Politiker, es gebe dafür auch kein Erfordernis. „Wir haben genug Polizei in Deutschland.“ Bayerns Landtags-Vizepräsident Prof. Peter Paul Gantzer (SPD) stellt fest: „Deutschland ist kein Militärstaat. Und die Bundeswehr ist keine Hilfspolizei.“ Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) lehnt den Einsatz der Bundeswehr zum Schutz der Fußball-Weltmeisterschaft ab. „Wir wollen nicht, dass deutsche Soldaten Aufgaben der Polizisten übernehmen“, sagte er in Düsseldorf. Polizei und Bundeswehr müssten grundsätzlich getrennt bleiben. Wolf steht auch einem Einsatz der Bundeswehr beim Objektschutz skeptisch gegenüber.
Panzer im Tor
Nicht ganz ernst gemeinte Idee von Wolfgang Schäuble: "Der deutschen Abwehr täte es vielleicht ganz gut, wenn zusätzlich ein Panzer im Tor steht"
Ablehnung auch beim Deutschen Bundes-wehrverband (DBwV). Dessen Bundesvorsitzender Gertz erklärte gegenüber truppen.info: „Die Blütenträume etwa des Herrn Beckstein werden nicht in Erfüllung gegen, das heißt, es werden keine Soldaten zivile Objekte bewachen, weil sie dafür nicht ausgebildet sind. Man darf die Menschen nicht überfordern.“ Gleichwohl will auch Gertz die Polizeikräfte ergänzen – allerdings nur „mit Instrumenten, die nur wir zur Verfügung haben“, etwa bei der Luftraumüberwachung also.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) war wie dessen WM-Komitee zu keiner Stellungnahme bereit.
(Torsten Rissmann)
 
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