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 „Zukunft und Vergangenheit sind verknüpft“
 Volkstrauertag: Deutschland gedenkt der Opfer zweier Weltkriege
Martina Meyer sprach bei der Veranstaltung zum Volkstrauertag in Breitenberg.
Fotos: Bessel
Breitenberg (lb) [19.11.06]. „Mir ist durchaus bewußt, dass auch ich in einem Auslandseinsatz sterben kann“, sagt die Hauptgefreite Martina Meyer (24) immer noch sichtlich bewegt im Anschluß an ihre Rede zum Volkstrauertag. So wie in der kleinen Gemeinde Breitenberg gedachte heute ganz Deutschland der Opfer zweier Weltkriege. Für die Unteroffiziersanwärterin ist dieser Gedanktag wichtig, erklärt sie gegenüber truppen.info, gelte es doch aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen. Zwar seien Kriege vermutlich nie ganz zu verhindern, „aber so etwas wie im 2. Weltkrieg darf sich nie wiederholen“. Und dazu diene auch ihr ganz persönlicher Dienst an der Waffe, um Gewalt so gut es ginge weltweit einzudämmen.
(Lars Bessel)




Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist November, der stille, der traurige Monat im Jahr. Ein Monat, in dem ein teil der Natur stirbt und auch der Mensch nicht umhin kommt, sich seiner eigenen Endlichkeit bewusst zu werden.

Ich stehe heute vor Ihnen teils als Soldat, der seine Pflichten treu zu erfüllen versucht, teils aber auch als Mensch, der versucht aus den Geschehnissen der Vergangenheit seine Lehren zu ziehen.
Wir begehen Mitte November eines jeden Jahres den Volkstrauertag. Aus diesem Anlass haben wir uns heute hier versammelt.

Wir gedenken an diesem Tag der Opfer der Kriege, der Opfer der Gewaltherrschaft. Wir gedenken der zahllosen Soldaten, mehrere Millionen, die im Kampf ihr Leben gelassen haben, innerhalb und außerhalb der deutschen Grenzen.
Wir gedenken der Opfer des Bomben- und Luftkrieges.
Wir gedenken auch der Opfer unter den Flüchtlingen und Vertriebenen aus Ostdeutschland, die mit den Folgen eines verbrecherischen Krieges belastet wurden.
Wir gedenken auch der Opfer unter der einheimischen Bevölkerung der anderen Staaten, die vom Kriegsgeschehen betroffen wurden.
Wir gedenken der Opfer politischer Verfolgung, die ein Regime durchführte, dass verbrecherisch war – sie starben in Konzentrationslagern oder Gefängnissen oder wurden dort ermordet.
Schließlich gedenken wir der Opfer des Massenmordes an den europäischen Juden, auch der Sinti und Roma, an ihnen wurde ein entsetzliches, unvorstellbares Verbrechen begangen, auch und gerade an den deutschen Juden, die deutsche Staatsbürger und unsere Mitbürger waren.
Nicht zuletzt gedenken wir der Behinderten, der Geisteskranken und allen anderen vom Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Menschen.

Wir trauern um diese Menschen als Opfer des Krieges, als Opfer von Gewalt und Verbrechen. Wir denken an das unendliche Leid und den Schmerz, die dadurch entstanden sind. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht unmittelbar, weil der Vater, der Großvater, der Ehegatte oder ein sonstiger Verwandter zu diesen Opfern gehörte. Wir alle sind aber davon betroffen, einesteils, weil es Angehörige unseres Volkes waren, die auf diese Weise umgekommen sind, anderenteils, weil diese Menschen von Angehörigen auch im Namen unseres Volkes getötet oder gar ermordet wurden.

Mit Recht sprechen wir daher vom Volkstrauertag.

Aber ist es noch an der Zeit, rund 60 Jahre danach an dieses Geschehen und an die Opfer zu gedenken, sich an all dieses in Mittrauer zu erinnern? Gehört dies nicht der Vergangenheit an, einer Epoche, die Gott sei Dank überwunden ist? Muss unser Blick nicht nach vorne in die Zukunft gehen und deren Herausforderung aufnehmen? Einige Jüngere unter uns werden das vielleicht so fragen.

Zukunft und Vergangenheit sind jedoch, so denke ich, eng miteinander verknüpft.
Millionen von Toten und Verwundeten, Trümmer und Zerstörung, Hunger, Not und Elend waren Ergebnisse der Weltkriege. Aber als Erkenntnis daraus folgte nicht der Friede.

Noch immer werden Menschenrechte missachtet, noch immer werden Bomben geworfen und Gewalttaten aus politischen Gründen verübt. Traurige, aktuelle Beispiele aus den letzten Jahren sind die Balkankriege, Kriege in Afrika, die Nichtbewältigung der Konfliktsituation zwischen Israelis und Palästinensern, sowie der unvergessene Terrorakt am 11. September 2001 in den USA und der anschließende Krieg im Irak.

Wir sollten deshalb den Volkstrauertag als Gedenk- und Mahntag aller Gewaltopfer, der Opfer von Tyrannei und Gewaltherrschaft in aller Welt bis in unsere heutige Zeit verstehen.

Unsere Erinnerung an die Opfer des Krieges, die Opfer von Gewalt und Verbrechen hat auch noch eine andere Bedeutung. Eine alte jüdische Weisheit sagt: Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung!

Nicht verschweigen oder verdrängen, sondern die Erinnerung an das Geschehene bereitet den Weg zur Versöhnung, die Erinnerung an das, was an Unheilvollem geschehen ist, die Erinnerung auch an das, was nie hätte geschehen dürfen.
Es ist einmal gesagt worden, dass nur derjenige eine Gegenwart, vor allem aber eine Zukunft hat, der auch eine Vergangenheit hat und aus dieser Vergangenheit lernt. Und vor allem darin sehe ich den aktuellen Sinn des Volkstrauertages:
Nur wenn wir aus den Fehlern unsrer Geschichte lernen, werden wir diese Fehler heute und morgen nicht wiederholen. So schlägt der Volkstrauertag, dieser besondere Tag zum Gedenken an die Opfer menschlichen und staatlichen Fehlverhaltens, einen weiten Bogen. Er steht für die ganz persönliche Trauer von Hinterbliebenen, er steht für die Erinnerung an fürchterliche Greuel, er bietet aber auch die Chance, Geschichte aufzuarbeiten, aus ihr zu lernen und insofern – nach vorne gerichtet – die einzig mögliche Schlussfolgerung zu ziehen, die da heißen muss:

Nie wieder Krieg, nie wieder Gewaltherrschaft, sondern Versöhnung, Verständigung und Frieden!

Wir brauchen gar nicht über die Grenzen schauen. Auch in unserem eigenen Land zeigt sich, dass das Gedenken an unsere Toten mit ihrer Mahnung, Frieden zu halten, noch längst nicht überholt ist.

Mit Sorge beobachten wir, dass die Gewalt auch in unserer Gesellschaft zunimmt, vor allem unter jungen Menschen.

Auch wir brauchen immer wieder den Anstoß, zur Vernunft zu kommen. Das fängt bei jedem von uns an: Wie wir mit unserer Familie umgehen, mit unseren Nachbarn, mit denen, die als Flüchtlinge in der Not zu uns kommen.

Auch wir müssen uns immer wieder selbst mahnen: Abzulassen von Vorurteilen, die blind machen für die Wirklichkeit und taub für den Aufschrei des Nächsten.
Es muss heißen: Feindbilder abzubauen und uns klarzumachen, dass im Grunde alle Menschen, egal wo sie leben nur ein wenig Glück verwirklichen wollen.
Verpflichten wir uns, uns gegen Gewalt zu wehren.
Verpflichten wir uns, Toleranz zu üben, gegenüber anderen, auch wenn sie verschieden sind von uns, aber keine Toleranz gegen Gewalt und Intoleranz.

Helfen Sie alle mit, durch Achtung der Menschenrechte und durch Erfüllung der Menschenpflichten eine bessere, friedlichere Welt zu schaffen und zu sichern.
Ich möchte abschließen mit einem Satz von Martin Luther King, der einfach und doch richtig ist:
„Wir haben gelernt,
wie die Vögel zu fliegen,
wie die Fische zu schwimmen,
doch haben wir die Kunst verlernt,
wie Brüder zu leben.




Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
Hauptgefreite (UA) Martina Meyer


Das Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege führt auf die örtlichen Friedhöfe.
Laufbahn: Martina Meyer im Portrait
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