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 Praktizierter Umweltschutz in 1600 Metern Höhe
 Studierende Offiziere unterstützen Schutzwaldprojekt

Die "Anlieferung" der Setzlinge übernahme der Hubschrauber.
Fotos: Kai Mörk
München / Garmisch-Partenkirchen (eb) [08.09.10]. Seit 17 Jahren beteiligen sich studierende Offiziere der Fakultät für Maschinenbau von der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München freiwillig und mit großem Einsatz an einem Schutzwaldprojekt im Estergebirge bei Partenkirchen. Allen daran Beteiligten verlangte diese Aktion vollen Einsatz und Muskelkraft ab.
Kniehoch sind die Pflanzen, zu denen sich die Försterin vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten begeistert hinunterbeugt. Sie fotografiert sie liebevoll und erzählt, dass diese Setzlinge nun bereits seit drei Jahren hier wachsen. Bis sie die Funktion eines Schutzwaldes übernehmen können, dauert es noch etwas, doch einen Grund zur Freude gibt es: Sie haben die strengen Winter und die ungünstigen klimatischen Verhältnisse in etwa 1600 Meter Höhe am Rotenkopf im Estergebirge bisher überlebt. Die Chancen stehen gut, dass sie auch weiter durchhalten werden. In dieser Höhenlage dauert es rund 30 bis 40 Jahre, bis die Bäume ausgewachsen sind, erklärt mir Theresia Holzammer, die junge Försterin, die das Schutzwaldprojekt des Instituts für Umwelttechnik und Chemie seitens des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim betreut. Neben ihrem Institut sind GE Healthcare und die Universität der Bundeswehr München am Schutzwaldprojekt beteiligt: Diese Dreierseilschaft hält dem Projekt seit 17 Jahren unverbrüchlich die Treue.

Harte Arbeit in schwindelnder Höhe sind die Rahmenbedingungen des Projekts.
„Dieses Projekt passt eigentlich gar nicht zu GE Healthcare, normalerweise verlangt man schnellstmöglichen Output aus Invest“, sagt der Leiter des Marketings von GE Healthcare, Thomas Forst über das Projekt. Doch bei den Latschen- und Lerchensetzlingen im Estergebirge macht sein Konzern eine Ausnahme: Jährlich werden 5.000 Setzlinge für das Schutzwaldprojekt finanziert. Verwirklicht wird das Projekt allerdings erst durch das große Engagement der Studierenden der Fakultät für Maschinenbau an der Universität der Bundeswehr München.
Aus der Überlegung heraus, den Studierenden die Lehrinhalte seines Lehrgebietes Umwelttechnik praktisch näher zu bringen zu, rief Prof. Karl Koch das Schutzwaldprojekt ins Leben. Mit Enthusiasmus erklärten sich Studierenden zur Mitarbeit bereit. „Die wollten sogar freiwillig mitgehen, ohne dass ihnen etwas für ihr Studium angerechnet worden wäre“, so Prof. Koch. Seither erlebt jedes Jahr eine Gruppe studierender Offiziere an der Fakultät für Maschinenbau in einer Woche Schwerstarbeit, was Umweltschutz in der Praxis bedeutet: 5.000 Setzlinge in den steinigen Boden der Schutzwaldregionen einbuddeln. Jedes Jahr ist es eine rund fünfundzwanzigköpfige Gruppe, die mit Prof. Koch bei jedem Wetter an den Steilhängen arbeitet. Immer am Donnerstag erhalten sie tatkräftige Unterstützung von Mitarbeitern der Firma GE Healthcare. „Der Geist, der am Berg herrscht, die flachen Hierarchien und das gemeinsame Erleben – das macht das Schutzwaldprojekt für die Teilnehmer aus“, findet Forst von GE Healthcare. In einer parallel stattfindenden Lehrveranstaltung erhalten die Studierenden die nötigen Grundkenntnisse über Gewässerschutz und Luftreinhaltung – die beiden Themenschwerpunkte, die in Zusammenhang mit den Anpflanzungen im Gebirge stehen.
Als Schutzwald sind die Regionen im Gebirge definiert, in denen der Wald eine Schutzfunktion gegen Bodenerosion, Lawinen und Hochwasser einnimmt. Normalerweise verjüngt sich der Schutzwald selbst, doch in Bayern gibt es große Fehlflächen, auf denen die Regeneration auf Grund von Umwelteinflüssen oder Schädlingen nicht mehr funktioniert. Wegen Überalterung, Verlichtung, Sturmwurf und Borkenkäfern sind die Schutzwälder teilweise in sehr schlechtem Zustand. Hier muss der Mensch eingreifen und Pflanzungen in den schwer zu erreichenden und steilen Lagen einrichten. Viele Sanierungsflächen sind so stark vergrast, dass Naturverjüngung kaum mehr zu erwarten ist. Dabei wirkt der starke Graswuchs auf den steilen Flächen wie ein Reetdach: Bei Starkregen wird das Wasser nicht mehr vom Boden absorbiert, sondern fließt direkt ab ins Tal.

Der künftige Schutzwald.
Prof. Koch ist gebürtiger Partenkirchner und so fiel die Wahl des Einsatzgebietes auf das nahe gelegene Estergebirge. In diesem Bereich liegen die Ursachen für Naturkatastrophen, mit denen Garmisch-Partenkirchen in der Vergangenheit zu kämpfen hatte, beispielsweise die heftigen Überschwemmungen 1999. Die Anpflanzungen aus den ersten Jahren des Schutzwaldprojekts sind heute schon mit bloßem Auge von Garmisch-Partenkirchen aus zu sehen. Auf den ersten Blick könnte man sagen: Der Erfolg ist etwas mickerig im wahrsten Sinne des Wortes – denn selbst die 17 Jahre alten Pflanzungen sind gerade einmal hüfthoch. Doch kurzfristiges Denken führt nicht zum Erfolg im Fall von Schutzwaldsanierung. Schon bald übernehmen diese Bäumchen ihre Funktion als Schutzwald. Der Erfolg liegt in der Nachhaltigkeit.
Text: Cornelia Habig (WBK IV), Fotos: Kai Mörk (WBK IV)
 
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