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 „Aus Sicht der Islamisten benimmt sich der Westen mies!“
 Alt-Kanzler und junger Minister beleuchten Afghanistan-Fragen

Gut aufgelegte Gesprächsrunde: Helmut Schmidt, Friedrich Merz und Karl-Theodor zu Guttenberg (v.l.).
Fotos: Zeitter
Hamburg (uz) [20.03.10]. Dem Verein „Atlantik Brücke“ war es gelungen, eine recht außergewöhnliche Gesprächsrunde zum Konflikt in Afghanistan zu organisieren. Neben dem Vorsitzenden Friedrich Merz, der als Moderator fungierte, hatten der frühere Bundeskanzler und Verteidigungsminister Helmut Schmidt und der amtierende Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg auf dem Podium Platz gefunden. Die Distanz zwischen den Gesprächspartnern hätte auffälliger kaum sein können: Der Sozialdemokrat mit etwas mehr als 90jähriger Lebenserfahrung und der politische Aufsteiger aus der CSU waren sich aber in vielen Punkten einig. Eifrig hatte Merz errechnet, dass zu Guttenberg bei Schmidts Ernennung zum Verteidigungsminister (1969) „minus zwei Jahre“ alt gewesen sei, was zu Guttenberg prompt in ein „noch nicht annähernd geplant“ korrigierte. Während sich der amtierende Minister zu Beginn noch über die Bezeichnung „roter Platz“ des zentralen Veranstaltungspunktes in der Hamburger Bundeswehr-Universität mokierte, hatte er am Ende ganz andere Sorgen zur Rechtfertigung: Nachdem mit Rudolf Scharping ebenfalls ein ehemaliger Verteidigungsminister aus dem Publikum gesprochen hatte und Helmut Schmidt seine Ausführungen bestätigt hatte, scherzte zu Guttenberg: „Ich bin mir nicht sicher, was passiert, wenn ich jetzt zwei 'alten’ Genossen Recht gebe.“

Aufmerksame Zuhörer, egal ob in Uniform oder nicht, folgtem dem Gespräch.
Bereits in den ersten Statements gaben sich beide Politiker übereinstimmend. Während Helmut Schmidt darauf aufmerksam machte, dass die Taliban stärker als noch im Jahr 2001 in Afghanistan auftreten, vertrat er die These: „Jemand, der einen Krieg nicht gewinnen kann, muss rechtzeitig in Verhandlungen treten“. Dabei hielt er den Blick auf das Staatengebilde Afghanistans, in dem mindestens zwölf Bevölkerungsgruppen zusammengewürfelt seien und dessen Grenzen am Kartenbrett gezogen worden seien. Der Staat habe nie länger als eine Generation in Frieden bestanden, verwies Schmidt, der es widerwillig hinnahm, von seinen Gesprächspartnern ehrfurchtsvoll und konsequent mit „Herr Bundeskanzler“ angesprochen zu werden. Deswegen, so führte er weiter aus, „spricht historisch nicht viel für einen Erfolg!“ Auch zu Guttenberg äußerte die klare These, dass die Errichtung einer „Vorzeige-Demokratie“ in Afghanistan illusionär sei.
Er nannte die Daten, die derzeit für einen Abzug der internationalen Soldaten gehandelt werden, hilfreich, um auch die afghanische Regierung und die alliierten Truppen gleichermaßen etwas unter Druck zu setzen. Er habe, so sagte der Verteidigungsminister so eine Ahnung, dass es ein deutscher Soldat sei, der 2014 oder 15 in Afghanistan das Licht „ausknipse“. Schmidt nannte die Abzugspläne eher „leichtfertig“ und ergänzte: „Wenn Obama den Abzug ankündigt, kann man nicht sagen 'wir bleiben’.“ Außerdem, so sagte Schmidt nochmals deutlich, sei das Problem kein afghanisches oder pakistanisches sondern ein viel größeres Problem. Eine Sichtweise, die auch sein „Nach-Nach-Nachfolger“ teilte. Nicht nur durch den Irak-Krieg hätte der Westen Ansehen in der islamischen Welt verloren, führte Schmidt aus. Klar sagte er: „Aus Sicht der Islamisten benimmt sich der Westen ziemlich mies!“

Der Verteidigungsminister am "roten Platz".
In der folgenden Fragerunde aus dem Publikum wurde der Vorwurf laut, dass die Bundeswehr durch die USA in den Afghanistan-Krieg hineingezogen wurde. Dem widersprachen der damalige Verteidigungsminister Scharping und auch Helmut Schmidt. Der damalige Kanzler Schröder habe nach einigen Abstimmungsgesprächen den Vereinigten Staaten die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands zugesagt. „Das 'uneingeschränkt’ hätte ich gerne gestrichen“, warf Schmidt ein und ergänzte: „Wer weiß wie der nächste 'Bush-Junior’ heißt…“
In seinem Abschlussstatement brach Schmidt eine Lanze für sein Gegenüber: „Herr zu Guttenberg hat die Afghanistan-Problematik geerbt und muss sie nun vertreten – und das tut er auch!“ Der wiederum nannte die Veranstaltung bereichernd und impulsgebend. „Es breche“, so betonte zu Guttenberg, „keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er etwas von älteren Genossen lernen könne.“
 
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