Bereits in den ersten
Statements gaben sich beide Politiker übereinstimmend. Während
Helmut Schmidt darauf aufmerksam machte, dass die
Taliban stärker
als noch im Jahr 2001 in Afghanistan auftreten,
vertrat er die These: „Jemand,
der einen Krieg nicht gewinnen kann, muss rechtzeitig
in Verhandlungen treten“. Dabei hielt er den Blick auf das
Staatengebilde Afghanistans, in dem mindestens zwölf Bevölkerungsgruppen
zusammengewürfelt
seien und dessen Grenzen am Kartenbrett gezogen
worden seien. Der Staat habe nie länger als eine Generation
in Frieden bestanden, verwies Schmidt, der es widerwillig hinnahm,
von seinen Gesprächspartnern
ehrfurchtsvoll und konsequent mit „Herr Bundeskanzler“ angesprochen
zu werden. Deswegen, so führte er weiter aus, „spricht
historisch nicht viel für einen Erfolg!“ Auch zu Guttenberg äußerte
die klare These, dass die Errichtung einer „Vorzeige-Demokratie“ in
Afghanistan illusionär sei.
Er nannte die Daten, die derzeit für einen Abzug der internationalen Soldaten
gehandelt werden, hilfreich, um auch die afghanische Regierung und die alliierten
Truppen gleichermaßen etwas unter Druck zu setzen. Er habe, so sagte der
Verteidigungsminister so eine Ahnung, dass es ein deutscher Soldat sei, der 2014
oder 15 in Afghanistan das Licht „ausknipse“. Schmidt nannte die
Abzugspläne eher „leichtfertig“ und ergänzte: „Wenn
Obama den Abzug ankündigt, kann man nicht sagen 'wir bleiben’.“ Außerdem,
so sagte Schmidt nochmals deutlich, sei das Problem kein afghanisches oder pakistanisches
sondern ein viel größeres Problem. Eine Sichtweise, die auch sein „Nach-Nach-Nachfolger“ teilte.
Nicht nur durch den Irak-Krieg hätte der Westen Ansehen in der islamischen
Welt verloren, führte Schmidt aus. Klar sagte er: „Aus Sicht der Islamisten
benimmt sich der Westen ziemlich mies!“ |