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Militärseelsorge
beim Ökumenischen Kirchentag |
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Verteidigungsminister unter den Besuchern des Gottesdienstes
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München (eb/uz) [15.05.10]. Unter dem Leitgedanken „Damit
Ihr Hoffnung habt“ trafen sich
Christen aus der ganzen Welt
in München um gemeinsam
ihren Glauben zu feiern, Informationen
auszutauschen und in zahlreichen
Begegnungen und Veranstaltungen
aufeinander zuzugehen.
Eingebettet in diese Veranstaltungen
war auch der „Tag der Militärseelsorge“,
der am Freitag, mit einem Ökumenischen Gottesdienst
unter dem Gedanken „Gerechtigkeit – Friede – Heiliger
Geist“ eröffnet wurde. Verteidigungsminister
Karl-Theodor zu Guttenberg nahm
die Gelegenheit wahr, den Gottesdienst in der Pfarrkirche
St. Gertrud in München
zu besuchen.
Ein Gottesdienst mit vollen Kirchenbänken – was
an den Sonntagen außerhalb eines Kirchentages wie
ein Anachronismus erscheint – in diesen Tagen ist
es überall in München zu erleben. So auch am Freitag
in der Pfarrgemeinde St. Gertrud, wo sich Kirchentagsbesucher,
Soldatinnen und Soldaten und deren Angehörige zu einem
gemeinsamen Gottesdienst einfanden. Und es war wirklich
ein Ort der Begegnung, wo gemeinsam mit dem Gebirgsmusikkorps
und dem Evangelischen Gospelchor der Militärseelsorge,
gefeiert und gesungen wurde, wo aber auch nachdenkliche
Töne, was beispielsweise die Glaubwürdigkeit der
Kirche in diesen Tagen, aber auch die Frage der militärische
Verantwortung und ihr Beitrag zu einem „Gerechten
Frieden in der Welt“ thematisiert wurden.
Die Liturgie wurde durch den
Evangelischen Militärbischof, Dr. Martin Dutzmann,
und dem Katholischen Militärgeneralvikar, Walter Wakenhut,
zelebriert. Dieser thematisierte
in seiner Predigt die zentralen Punkte „Gerechtigkeit, Friede und Heiliger
Geist“, indem er nicht nur die Krise der Katholischen
Kirche durch die veröffentlichten Missbrauchsfälle,
sondern auch den Verlust der Glaubwürdigkeit der Kirche
ansprach. Aber auch die Frage nach Tod und Verlust und der
Umgang mit diesen zum Teil schwer zugänglichen Themen
seien gerade im Bereich der Militärseelsorge wichtig. „Die
Frage des Todes stellt sich immer deutlicher und ihr Umgang
damit ist nicht leicht“, so Wakenhut in seiner Predigt.
Neben den vielen Kirchentagsteilnehmern,
Soldaten und Soldatinnen und deren Familienangehörigen
waren auch einige prominente Gottesdienstbesucher, die sich
trotz des sehr schlechten Wetters in der Münchner Pfarrgemeinde,
einfanden. Dazu zählte der Minister der Verteidigung,
Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg,
der Staatssekretär
der Verteidigung, Christian Schmidt,
die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Susanne Kastner,
wie auch
der amtierende und der zukünftige Wehrbeauftragte,
Reinhold Robbe und Helmut Königshausen.
„Verantwortlich handeln – Christsein in der
einen Welt“,
so lautet einer von vier Themenbereichen
des diesjährigen
Kirchentages. Was bedeutet es
verantwortlich zu handeln als
Soldat und Christ in Zeiten ständig steigenden
Einsatzverpflichtungen und den
damit einhergehenden Gefahren?
Welche Verantwortung hat die Politik und das Militär?
Welchen ethischen Geboten unterliegt
militärisches
Handeln? Diesen und weiteren
Fragen rund um die Thematik „Friedensethik
und Sicherheitspolitik“ widmete sich im Anschluss
an den Gottesdienst eine Podiumsdiskussion
am Nachmittag. |
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Einzug der Liturgen.
Foto: Henn |
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Teilnehmer an der Diskussion
waren neben dem Evangelischen Militärbischof Martin Dutzmann,
auch Walter Wakenhut, Katholischer Militärgeneralvikar, die
Bundestagsabgeordneten Susanne Kastner und Ute Granold sowie General
Karl-Heinz Lather, der Chef des Stabes im NATO-Hauptquartier Shape.
Einheitliche Erklärung war die Aussage, dass gerade auch militärisches
Handeln, ethischen Geboten unterliegt. So könne „rechtserhaltende
Gewalt nur die Ultima Ratio sein, zivile Maßnahmen haben immer den Vorzug
vor Gewalt“, sagte Bischof Dutzmann in seinem Redebeitrag mit Hinweis auf
die Schrift „Gerechter Friede“ der Deutschen Bischöfe (2000).
Es müsse dabei immer aber auch nach der „Sinnhaftigkeit“ der
Einsätze gefragt werden, so Ute Granold vom Ausschuss für Menschenrechte.
Und: „Die rund 8.000 Soldaten, die in der ganzen Welt im Einsatz sind,
brauchen den Rückhalt in der Bevölkerung und das Gefühl, dass
wir bedingungslos hinter ihnen stehen.“ Susanne Kastner sprach die veränderten
Anforderungen seit dem Kalten Krieg an: „Die Anforderungen haben sich gewandelt,
die Soldaten haben Ihre Aufgaben in der Verhütung und der Krisenbewältigung.
Sie sind zugleich Helfer, Vermittler und Kämpfer.
Die veränderten Anforderungen stellte auch General Karl-Heinz Lather noch
einmal klar heraus: „Die Soldaten haben sich ständig mit ethischen
Fragen auseinander zusetzten. Die Bundeswehr tut das beispielsweise in den Einsatzvor-
und nachbereitungen.“ Gerade was auch Afghanistan anginge, so wende man
dort eine zwei Komponenten-Strategie an, eine nicht rein militärische, sondern
vor allem politische Strategie. Das bedeute, dort werde die Bevölkerung
in das Zentrum der Aktion genommen. "Nicht nur rein militärisch, sondern
es beträfe alles, was zu der Kultur desjenigen Landes dazugehöre. Für
unsere Soldaten bedeute dies, dass sie nicht mehr dem Kampf gegen den Gegner
von einem geschützten Umfeld aus eingesetzt sind, sondern das sie sich in
die Gefährdung rein begeben würden", so Lather. Diese veränderten
Voraussetzungen bedeute aber dringend auch ein Umdenken in der Politik, bemerkte
Ute Granold, und es müsse dann auch gefragt werden, was die Bundeswehr an
Unterstützung benötige. |
| Text: Petra Spoerle-Strohmenger
(WBK IV)/uz, Foto: Bernd Henn (WBK IV) |
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