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 Fachreferenten in Uniform
 Jugendoffiziere: Weites Aufgabenfeld am Puls der Öffentlichkeit
Das Gespräch mit Schülern: Kernaufgabe für Jugendoffiziere und die, die es einmal werden wollen.
Fotos: Zeitter
Strausberg (uz) [07.12.08]. Das Wort Jugendoffizier beschreibt keinen besonders jungen Offizier. Eine Frage, die sich mancher Jugendoffizier bei seinem „Einsatz“ schon von Schülern gefallen lassen musste. Jugendoffiziere gelten als fachkundige Referenten für Themen, die in Schulen im Rahmen der Gemeinschaftskunde vermittelt werden. Die Betreuungsbereiche der rund 100 so genannten hauptamtlichen Jugendoffiziere decken das gesamte Bundesgebiet ab. Sie sind vor allem unterwegs um Lehrer im Politik- oder Gemeinschaftskundeunterricht zu unterstützen, bieten aber auch Seminare, sowohl für Schüler oder Studenten, wie auch für Lehrer an. Zum Aufgabenspektrum gehören aber auch Podiumsdiskussionen und ähnliche Auftritte, bei denen die Spezialisten für sicherheitspolitische Themen gefragt sind.
In den Einheiten und Verbänden der Bundeswehr stehen den hauptamtlichen Jugendoffizieren auch Offiziere und Unteroffiziere zur Seite, die das Amt in Nebenfunktion zusätzlich zu ihrer eigentlichen Aufgabe ausüben. Sie sind vor allem dann gefragt, wenn es darum geht, dass Schüler und Jugendliche in einer Kaserne, möglichst in der Nähe, einmal „Bundeswehr-Luft“ schnuppern wollen oder auch sollen.
Bevor die Jugendoffiziere aber auf Schüler und Jugendliche treffen, drücken sie selbst die Schulbank. Ihre Ausbildung, die sie auf die Aufgaben vorbereitet, erhalten die Offiziere in der sogenannten AIK:
Ein Jugendoffizier, wie hier Kapitänleutnant Sven Kasimir beim Tag der offenen Tür im Kieler Landeshaus, steht ständig im öffentlichen Interesse.
Die Akademie für Information und Kommunikation der Bundeswehr (AIK) ist brandenburgischen Strausberg, einige Kilometer östlich von Berlin, beheimatet. Die relative Nähe zu Berlin bietet gerade für die Ausbildung der Öffentlichkeitsarbeiter eine optimale Rahmenbedingung. Der dreiwöchige Grundlehrgang für Jugendoffiziere läuft sieben Mal pro Jahr. Jeweils zweimal pro Jahr finden die Aufbaulehrgänge für die Jugendoffiziere, die für einen hauptamtlichen Dienstposten ausgewählt wurden, statt. Zusätzlich gibt es in Strausberg den Kurs für Jugendunteroffiziere und auch die Schulung als Spielleiter für die Simulation POL&IS (Politik & Internationale Sicherheit), einem wichtigen Element im Seminarprogramm der Jugendoffiziere. Für alle diese Lehrgänge ist Fregattenkapitän Georg Twardon als Ausbildungsleiter verantwortlich. Ihm wird dafür immer ein hauptamtlicher Jugendoffizier als Lehrgangsbegleiter zur Seite gestellt.
Georg Twardon war vor einigen Jahren selbst einmal Jugendoffizier im baden-württembergischen Karlsruhe. Eine Erfahrung, die für ihn in seiner Dienstzeit sehr wichtig war: „Ich habe mich damals sehr darum bemüht, dass ich Jugendoffizier werde“, erzählt der Fregattenkapitän. Der Umgang mit Menschen, insbesondere mit den Jugendlichen, war ihm wichtig. Ein weiterer, wichtiger Aspekt der Arbeit als Jugendoffizier hat er erst später bewusst wahrgenommen: „Als Jugendoffizier arbeitet man weitestgehend selbstständig, davon habe ich vor allem in späteren Verwendungen profitiert“, blickt der Fregattenkapitän zurück. In seiner Funktion kümmert sich Twardon auch darum, dass Themen der Lehrgänge auf dem aktuellen Stand der Dinge bleiben. Die notwendigen Hinweise erhält der Kapitän von den hauptamtlichen Jugendoffizieren. Diese liefern auch einen weiteren wesentlichen Grundstein für die Ausbildung. Sie protokollieren die Fragen, die ihnen von ihrem „Publikum“ regelmäßig gestellt werden. So können sich künftige Jugendoffiziere auch daran orientieren.
Die Unterrichtssituation: In Strausberg werden künftige Jugendoffiziere trainiert - vor kritischem Publikum.
Im ersten Lehrgang für diesen Verwendungsbereich werden vor allem grundlegende Inhalte vermittelt und damit alle Teilnehmer auf einen einheitlichen Wissensstand gebracht. Der kann vor dem Lehrgang beim einen oder anderen noch recht spärlich sein. Referenten versorgen die Lehrgangsteilnehmer mit Wissen aus den Bereichen deutscher und internationaler Sicherheitspolitik, den Bündnissen aber auch zum Nahen Osten und zum immer wichtiger werdenden Thema Terrorismus. In den drei Wochen absolvieren die Offiziere zugleich ein intensives Kommunikationstraining. So können die Soldaten sich anschließend über die Videoaufzeichnung selbst bei ihrem Auftritt begutachten. Der Grundlehrgang für Jugendoffiziere ist auch eine erste Vorauswahl, wer eventuell später als hauptamtlicher Jugendoffizier ausgewählt wird. Am Ende der Ausbildung erhalten die besten Soldaten eine sogenannte Empfehlung, ob sie dafür geeignet scheinen. Keine leichte Aufgabe für den Lehrgangsleiter und sein Team.
Die Beweggründe, warum sich junge Offiziere, soweit dies überhaupt in ihrem Entscheindungsspielraum liegt, für diese Verwendung im Rampenlicht entscheiden, sind durchaus unterschiedlich. Einige wollen die Interessen aus dem Studiengang, beispielsweise Politikwissenschaftler oder Pädagogen, mit der Laufbahn verbinden. Für viele, besonders für die Zeitsoldaten, ist die Öffentlichkeitsarbeit mit Blick auf die berufliche Zukunft wichtig. Andere besuchen den Grundlehrgang weil ihr Dienstposten mit der Aufgabe des nebenamtlichen Jugendoffiziers gekoppelt ist. So ist es zum Beispiel bei Hauptmann Frank Schönberg, der mit seinem Dienstgrad aus den anderen Teilnehmern dieses Durchgangs des Grundlehrgangs für Jugendoffiziere heraussticht. Er ist als nebenamtlicher Jugendoffizier seines Verbandes vorgesehen und deshalb nach Strausberg gekommen. Wie noch für einige weitere seiner Kameraden ist für ihn die Verwendung als hauptamtlicher Jugendoffizier eher unwahrscheinlich. Üblich ist der Einstieg in das Aufgabenfeld im Dienstgrad Oberleutnant und normalerweise vor einer Verwendung als Kompaniechef. Die Ausbildung habe ihm viel gebracht, berichtet Schönberg. Er ist derzeit noch kein Berufssoldat, ist sich aber sicher, dass er vor allem auch das Kommunikationstraining später noch brauchen kann. Egal ob es im zivilen oder doch im militärischen Berufsleben ist, betont der Hauptmann.
Eigene Erfahrungen in den Einsatzgebieten der Bundeswehr ziehen das Publikum in den Bann des Jugendoffiziers.
Eine Einschätzung, die viele ehemalige Jugendoffiziere bestätigen können. Jens Betzel war in seiner letzten Verwendung als Soldat Jugendoffizier im bayerischen Schongau. Der ehemalige Zeitsoldat, weiß genau was ihm die Verwendung gebracht hat: „In mehrerlei Hinsicht haben mich diese Jahre auch für mein weiteres zivilberufliches Leben geprägt. Zunächst einmal war es außerordentlich hilfreich wieder den regelmäßigen berufsmäßigen Umgang mit Zivilisten zu „proben“.
Ich möchte sogar von einer Art „Resozialisierung“ sprechen. Das ist gegenüber der Bundeswehr überhaupt nicht negativ oder abwertend gemeint. Aber es ist nun einfach mal so, dass in der Kampftruppe des Heeres ein eigener Umgangston mit zum Teil eigenem Vokabular gepflegt wird, der außerhalb der Bundeswehr nicht nur für Verwirrung sorgen würde, sondern gleichzeitig schlicht auch unangebracht wäre.
Für meine heutige Tätigkeit im beratungsintensiven Vertrieb, war die Arbeit als Jugendoffizier sogar besonders gewinnbringend. Ich hatte damals täglich in der unmittelbaren Kommunikation mit Menschen zu tun, denen ich versucht habe eine staatliche Institution näher zu bringen, deren Funktionsweise den meisten fremd ist und deren Daseinsberechtigung von einigen sogar in Frage gestellt wird. Insbesondere bei jungen Menschen sah ich mich dabei oft mit Vorbehalten und offener Ablehnung konfrontiert. Das schult ungemein. Und zwar hinsichtlich der sozialen und emotionalen Kompetenzen einerseits und hinsichtlich von Einwandbehandlung und Argumentationsstärke andererseits. Genau diese Fähigkeiten sind in meinem heutigen Job auch gefragt. Denn auch die Finanzdienstleistungsbranche hat insgesamt ein negatives Image. Darüber hinaus versuche ich meine Kunden heute zum Sparen für gewisse wirtschaftliche Ziele zu animieren. Damit nehme ich Ihnen aber häufig Geld weg um dieses für später anzulegen. Aber das bedeutet für den Kunden natürlich auch Konsumverzicht und ist damit unangenehm. Und genau dafür sind die oben beschriebenen Fähigkeiten (Argumentations- und Kommunikationsstärke) unerlässlich.
Ein weiterer wesentlicher Faktor für meine Entwicklung, war die Tatsache, dass man als Jugendoffizier beinahe selbstständig arbeitet. Man macht seine eigenen Termine für den Schuleinsatz, man organisiert völlig eigenständig Truppenbesuche, Seminare oder Fachvorträge. Es gibt kaum Vorgaben, keinen Dienstplan und Dienstaufsicht habe ich in dreieinhalb Jahren nie erlebt.
Außerdem hat man große Freiheiten in der Entwicklung neuer Ideen der Zielgruppenansprache oder von Unterrichtsmaterialien.
All das zusammen genommen hatte eine hervorragende Wirkung auf meine heutige Arbeit als freier Handelsvertreter und damit Selbstständiger. Die komplette Selbstorganisation wie Terminvereinbarungen, Akquisestrategien, Bürokommunikation, ist für mich nicht neu. Und in diesem Zusammenhang muss zu guter Letzt auch erwähnt werden, dass der Jungendoffizier einer der wenigen Dienstposten innerhalb der Bundeswehr ist, der über eine gute technische (Büro-) Ausstattung verfügt. (Telefon mit direkter Durchwahl aus dem Bw- Netz, Laptop mit Email- Zugang, Faxgerät etc.)
Ich bin mir sicher, dass insbesondere der berufliche Umgang mit moderner EDV und Emails für mich ungleich schwieriger geworden wäre, wenn ich bis zum Ende meiner Dienstzeit in der Kampftruppe geblieben wäre.“
Hauptmann Schönberg hatte sich, wie weitere Kameraden auch, zum Abschluss des Lehrgangs noch vor einer „richtigen“ Schulklasse zu beweisen. Die Schülerinnen und Schüler, die Fregattenkapitän Twardon für den Abschluss dieses Lehrgangs gewinnen konnte, kommen von der Ehm Welk-Oberschule in Angermünde. Sie hängen den „uniformierten Lehrern“ an den Lippen, besonders dann, wenn Erfahrungen aus dem Auslandseinsatz ins Spiel kommen. Ein Umstand, der auch für die begleitenden Lehrerinnen durchaus reizvoll ist. „Wir könnten so etwas niemals zum Thema Bundeswehr vermitteln“, erzählt Christina Busse. Sie ist bereits zum zweiten Mal mit einer Schulklasse zu Gast an der Akademie und findet das Angebot der Bundeswehr eine tolle Ergänzung.
Das Publikum der Jugendoffiziere müssen nicht zwingend Schüler, Lehrer oder Besucher an den Infoständen der Besucher sein.
Die Vermittlung der Schulklassen, die an der AIK für die Abschlussübungen gebraucht werden, übernimmt der hauptamtliche Jugendoffizier in Strausberg. Er hält ohnehin Kontakte zu den Lehrern in seinem Betreuungsbereich und steht für Unterrichte und Seminare zur Verfügung. Auch anerkannte Fortbildungen für Lehrer bieten die Jugendoffiziere an. Seminare finden in unterschiedlichen Themenfeldern statt und können die Lehrergruppen zum Teil auch ein gutes Stück weit weg von ihrem Arbeitsplatz an Orte des politischen Geschehens bringen. Brüssel und Berlin können ebenso auf dem Programm stehen, wie Stationierungsorte der Bundeswehr an der Nord- und Ostseeküste. Gerade auch die individuellen Marine-Seminare erfreuen sich großer Beliebtheit.
Die Schülerinnen und Schüler der Ehm Welk-Oberschule haben in den Gesprächsrunden aber vor allem auch Fragen zur Karriere bei der Bundeswehr, wenn es Soldaten schon einmal „zum Anfassen“ gibt. Hier aber stoßen die angehenden Jugendoffiziere an ihre Grenzen. Details aus dem Bereich der Nachwuchswerbung überlassen sie den Wehrdienstberatern. Sie haben sich für ihre Funktion auf den Bereich der Sicherheitspolitik zu konzentrieren.
Diese wird, so ergänzt Fregattenkapitän Twardon, für die Jugendoffiziere von allen Seiten beleuchtet. Im Rahmen des Grundlehrgangs besuchen die Lehrgangsteilnehmer Gedenkstätten des Widerstands, beschäftigen sich mit dem Thema Staatssicherheit und besuchen auch das Anti-Kriegs-Museum.
Die Extreme kennen gelernt (Berufsportrait: Jugendoffizier)
 
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