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   Lernen bei 28.000 Stundenkilometern
 Fernausbildungskongress geht in die 5. Runde
Der Fernausbildungskongreß zieht Ausbildungsspezialisten aus der ganzen Bundeswehr an.
Fotos: Zeitter
Hamburg (uz) [17.09.08]. Um Ausbildungsthemen und Wissensvermittlung dreht sich der Alltag an der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität tagtäglich. Einmal pro Jahr aber wird die Universität der Bundeswehr zum Mekka der Fernausbildungs-Spezialisten. Fernausbildung und E-Learning sind seit einigen Jahren im speziellen Augenmerk der Hochschule. Die Gruppe Fernausbildung beschäftigt sich mit neuen Bildungswegen für die Bundeswehr. Zugleich ist die Abteilung auch Veranstalter eines Fernausbildungskongresses, der in diesem Jahr in die 5. Auflage ging.
Die Ausbildung, losgelöst von Zeit oder Raum, steht im Mittelpunkt des Kongresses. Insbesondere für die Bundeswehr ist dies ein Thema mit steigender Bedeutung. So können in den elektronischen Ausbildungsgängen gleichzeitig auch Netzwerke gesponnen werden, die die Teilnehmer auch im Arbeitsalltag nutzen können. So bleiben Kontakte aus der Ausbildung ein „Dienst-Leben“ lang erhalten. Die Lehrverfahren, die auf dieser Grundlage entwickelt werden, vereinfachen schon jetzt einige Ausbildungsgänge bei der Bundeswehr. Erstmals wurde in diesem Jahr beispielsweise ein Laufbahnlehrgang für Reservisten ohne Präsenz an der Truppenschule durchgeführt. Das Fernausbildungsverfahren ist es, das vielen dieser Teilnehmer den Schritt in eine neue Laufbahn erst ermöglicht. Der Kurs via Internet erfordert keine oder zumindest geringere Freistellung der Soldaten durch deren Arbeitgeber. Gerade daran scheitert für viele Reservisten das Engagement.
Bei internationalen Fachleuten hat der Hamburger Fernausbildungskongress längst einen festen Platz im jährlichen Terminplan. Er bietet Entwicklern, Anbietern, Nutzern und Ausbildungsexperten gleichermaßen ein Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch. Ein breites Programm von Vorträgen und Seminaren sowie Ausstellungen wird jeweils an der Helmut-Schmidt-Universität bereit gehalten.
In den Bereichen des Hauptgebäudes präsentieren sich beim Kongress sowohl die Hersteller, wie auch die Ausbildungseinrichtungen der Bundeswehr und der Streitkräfte benachbarter Nationen. Das Spektrum reicht vom Simulator eines Helikopter-Cockpits oder von Flugabwehrwaffen bis hin zum Computer-Lernprogramm, das die Kenntnisse für erste Hilfe-Maßnahmen oder anderes Wissen aus dem Bereich der Sanität überprüft.
Kennt sich "oben" aus: Thomas Reiter zog das Plenum in seinen Bann.
Einer der die Aus- und Fortbildung, losgelöst von Zeit und Raum, am eigenen Leib erfahren hat, hielt einen der Eröffnungsvorträge: Oberst Thomas Reiter bot einen imposanten Einblick in seine Arbeit für die Europäische Weltraumagentur ESA. Die Vorbereitung, die er als Astronaut auf seinen Einsatz an Bord der internationalen Raumstation ISS erfahren habe, gleicht der eines Soldaten für den Auslandseinsatz, zog Reiter erste Parallelen. Reiter betonte, dass das Wissen, über das die Besatzungen verfügen müssten, immer komplexer wird. „Es ist mehr als die drei ständigen Besatzungsmitglieder aufnehmen könnten“, beschrieb er. Gerade im All seien Möglichkeiten der Fernausbildung unerlässlich. Naturgemäß verliere man im Laufe der Zeit Praxis und Kenntnisse, zum Beispiel, wenn es um die Rückkehr zur Erde gehe. Um das Erlernte für diese durchaus kritische Phase nochmals aufzufrischen, werden Fernlehr-Methoden über Funk- und Satellitenverbindungen genutzt, berichtete Reiter. Auch bei Außeneinsätzen würde auf ähnliche Verfahren zurückgegriffen. Über eine im Raumanzug integrierte Kamera könnten Spezialisten auf der Erde den Astronauten beraten oder anleiten. Schließlich so betonte Reiter wären an Bord der ISS eine Vielzahl von Experimenten oder Wartungsarbeiten auszuführen, die über die eigentliche berufliche Qualifikation des Astronauten hinausgehen. Er selbst beispielsweise habe Luft- und Raumfahrttechnik studiert, aber während des Einsatzes eine Vielzahl von biologischen und medizinischen Tests durchführen müssen. All dies sei ohne eine Anleitung von der Erde kaum realisierbar.
Reiter klingt bei seinen Ausführungen, als ob es darum gehe, einen Stecker in die Steckdose zu stecken und bemerkt eher beiläufig, als ein Foto von Nordeuropa auf der Leinwand erscheint, dass das Fotografieren bei 28.000 Kilometern pro Stunde, die die ISS zurücklegt, nicht ganz einfach sei.
Ausbildung ohne Ausbildungswiese - moderne Technik macht es möglich.
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