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Satire bis der Arzt kommt

 „Flieger rot auf 2 Uhr“
 In Todendorf haben Angreifer aus der Luft keine Chance
„Abwehr“ einer Drohne. Fotos: Zeitter
Todendorf (uz) [16.05.08]. Das Herz von Urlaubern schlägt höher, wenn sie an die Hohwachter Bucht an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste denken. An malerischer Küste, eingebettet von Camping-Plätzen liegt dort auch der Fugabwehrschießplatz Todendorf. Ob die Soldaten, die dort zur Übung oder Ausbildung Station machen, ähnliche Urlaubsgefühle hegen, sei allerdings dahin gestellt. 1958, also vor 50 Jahren, übernahm die Bundeswehr das Übungsgelände von britischen Streitkräften. Der Schießplatz ist der einzige der Bundeswehr, auf dem intensiv die Bekämpfung von Flugzielen trainiert werden kann. Die Besonderheit des Übungsplatzes ist, dass ein nicht unerheblicher Teil der Fläche aus Wasser besteht. Das Zielgebiet liegt über der Ostsee der Hohwachter Bucht. Im Vergleich der Übungsplätze gehört Todendorf damit zu den Größten. Mehrere Meilen vor der Küste beginnt ein Sperrgebiet für Schiffs- und Luftverkehr. Die Übungsplätze in Todendorf und Putlos nutzen das Gewässer gemeinsam. Sicherheit wird dabei groß geschrieben. Auf dem Übungsgelände an der idyllischen Steilküste wird nichts dem Zufall überlassen.
Ständig wird der Luft- und Seeraum vor Todendorf überwacht. Moderne Radargeräte kommen dabei ebenso zum Einsatz, wie Boote und Beobachter. Posten beobachten das Seegebiet, um die Radaraufklärung zu unterstützen. Mit Seezeichen und Leuchtfeuern wird auf den Schießbetrieb in dem Gebiet, das als Sperrzone ausgewiesen ist, hingewiesen. Eines der Zeichen ist der Leuchtturm Neuland bei Behrensdorf, der inzwischen auch auf einer Briefmarke abgebildet ist. Der Übungsplatz Todendorf verfügt damit über ein sehr prominentes Objekt. Auch wenn es kein Eigentum der Bundeswehr sondern des Wasser- und Schifffahrtsamtes ist, die Soldaten haben die Schlüsselgewalt zum historischen Leuchtfeuer. Mit Signalen in unterschiedlichen Farben wird auf den Schießbetrieb, der auf den beiden Übungsplätzen hingewiesen stattfindet, hingewiesen. Diese sind selbstverständlich in Seekarten verzeichnet.
Trotz aller Markierungen kann es passieren, dass sich Schiffe und Boote in das Zielgebiet verirren. Dann wird der Schießbetrieb sofort eingestellt. Die Mitarbeiter der Einrichtung, können dies innerhalb von Sekundenbruchteilen veranlassen. Posten, Durchsagen mit Lautsprechern sowie Sicherungsboote haben die Möglichkeit das Seegebiet so schnell als möglich wieder räumen zu lassen.
Die Umgebung des Schießplatzes birgt einen großen Reiz. Besonders auf Wasssersportler muss bei der Absicherung Rücksicht genommen werden.
Die Absicherung des Gebietes ist für die Bundeswehr selbstverständlich und mehr als nur eine Vorgabe. Dennoch liegt die Verantwortung in der Hand der Schiffsführer, die das Seegebiet zu meiden haben. Gerade Freizeitkapitäne sorgen schon einmal dafür, dass der Schießbetrieb gestoppt werden muss. Das kann dann ein teures Vergnügen werden, denn die Kapazitäten auf dem Übungsplatz sind teuer. „In der Regel werden die Kosten für Ausfälle durch die zuständige Wehrbereichsverwaltung den Verursachern in Rechnung gestellt“, erklärt Oberstleutnant Thomas Kwaterski. Als stellvertretender Kommandant in der Truppenübungsplatzkommandantur Putlos, die auch für Todendorf verantwortlich ist, ist er quasi der Hausherr auf dem Schießplatz. Meistens so fügt er hinzu sind es Urlauber, die für eine Schießunterbrechung sorgen.
Ein Platz am Meer, Zeit zum Genießen bleibt dem Personal auf dem "ZKT" allerdings kaum..
„Ernste Zwischenfälle hatten wir noch nie“, betont Oberstleutnant Dietmar Freitag mit Blick auf die Sicherheit in dem aus See sehr leicht zu erreichenden Sicherheitsbereich. Freitag ist als Leiter des Ausbildungsstützpunktes Flugabwehr einer der Hauptnutzer des Platzes.
Der Übungsplatz wird vom derzeit noch in Rendsburg beheimateten Ausbildungszentrum Heeresflugabwehr genutzt, dessen Aussenstelle in Todendorf stationiert ist, ebenso genutzt, wie von den Flugabwehrverbänden der Bundeswehr oder anderen Dienststellen. Genauso vielfältig wie die Nutzer sind auch die Waffen, die bei den Übungen zum Einsatz kommen. Vom Flugabwehrkanonenpanzer „Gepard“ reicht das Spektrum über das leichte Flugabwehrsystgem „Ozelot“ bis hin zu den Flugabwehrhandwaffen „Stinger“ und „Strela“ und den persönlichen Handwaffen der Soldaten wie Maschinengewehr MG3 oder dem Gewehr G36. Bei der Flugabwehr können die militärfachlichen Kenntnisse nicht vermittelt werden, ohne die Soldaten regelmäßig auch im Gefechtsschießen trainieren zu können.
Start einer Drohne für die Zieldarstellung.
Je nach Anforderung des übenden Truppenteils können schnellere und langsamere Flugziele dargestellt werden. Mit dieser Aufgabe sind zivile Firmen beauftragt. Je nach der Anlage der Übung kommen Flugzeuge mit Schleppzielen oder Drohnen zum Einsatz. Die Zieldarstellungen ermitteln dabei ein Trefferbild, auch wenn der Flugkörper direkt nicht getroffen wird. Die sogenannten Schleppkörper sind zusätzlich in der Lage, Täuschkörper auszustoßen, die gelenkte Raketen beeinflussen sollen. „Da die Zielkörper deutlich kleiner sind, als Flugzeuge, werden natürlich auch diese Treffer gewertet, die in die Nähe der Körper gerichtet sind“, berichtet Oberstleutnant Thomas Kwaterski, mit seinen Mitarbeitern für den reibungslosen Betrieb in Todendorf zuständig ist. An diesem Nachmittag läßt die Zahl der versenkten Drohnen aber kaum Raum für Diskussionen über Treffer. Für die Soldaten aus Süddeutschland eine gelungene Leistungsüberprüfung. Nicht jeder Beschuß führt zwangsläufig zu einem Absturz der Drohne. Die Zielobjekte können so entsprechend auch häufiger genutzt werden. Sei es durch einen erneuten Anflug oder einen späteren Einsatz, nach dem die steuerbaren Flugkörper an einem Fallschirm zu Landung gebracht wurden. Ähnlich verhält es sich mit den Schleppsäcken, die von Flugzeugen über das Zielgebiet gebracht werden. Zusätzlich zur elektronischen Auswertung, wird der Betrieb auf den Schießbahnen auf Video aufgezeichnet.
Reichlich Platz für Natur: Der Schießplatz vom Leuchtturm Neuland gesehen.
Im "Zentralen Kontrollturm" (ZKT) laufen die Fäden zusammen. Ein Sicherheitsoffizier steuert hier die Truppe. Zugleich werden mit modernen Steuerungssystemen die Sicherheitsbedingungen eingehalten. Auch zur Deutschen Flugsicherung hat man natürlich einen kurzen Draht.
Wie auf allen Übungsplätzen der Bundeswehr gibt es auch in Todendorf Flächen, die kaum genutzt, sprich begangen oder befahren werden. Ein wahres Paradies für seltene Pflanzen und reichlich Freiraum für Wildtiere. „Wir haben hier so ziemlich alles was Flora und Fauna in Schleswig-Holstein zu bieten haben“, schwärmt Oberstleutnant Kwaterski. Das Bild runden alte Obstbäume ab, die im Garten eines ehemaligen Gutshofes stehen. Bewohner mussten dem Übungsplatz weichen, lange bevor die Bundeswehr Hausherr wurde. „Wir haben hier Apfelsorten, die sonst wohl niemand mehr hat“, blickt Dietmar Freitag zur Plantage. Thomas Kwaterski hat neben der Verwendung als stellvertretender Kommandant noch eine Zusatzaufgabe: Er ist der Jagdbeauftragte und trägt die Verantwortung dafür, dass das Wild im Wald nicht überhand nimmt. Auf Grund der Bedingungen auf dem Übungsplatz, kennen die Tiere kaum Scheu. Es kann, so berichtet Kwaterski, schon vorkommen, dass ein Reh auf einem der Wege steht und der Kraftfahrer erst aussteigen muss, um es zu verscheuchen, bevor er passieren kann.
Auch sonst muss in Todendorf Rücksicht auf die Natur genommen werden, vielleicht mehr, als auf anderen Übungsplätzen. Jährlich holt sich die Ostsee ein paar Zentimeter der Steilküste zurück. Stürme bringen auch einmal größere Abbrüche mit sich. Für die Bundeswehr bedeutet das in erster Linie Baumaßnahmen. Der erste Beobachtungsturm auf dem Gelände wird in den nächsten Jahren um einige Meter in das „Landesinnere“ versetzt werden müssen.
Die „Besuche“ der Ostsee hinterlassen Spuren.
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