truppen.info: Truppe: Streitkräftebasis
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 Alles neu macht die Streitkräftebasis
 Jüngster Organisationsbereich wird nicht verschont
Die Arbeit in der zivil-militärischen Zusammenarbeit, insbesondere beim Katastrophenschutz, der hier im Landeskommando Bayern geübt wird, gehört zu den Hauptaufgaben der Streitkraftebasis.
Foto: Kai Mörk, WBK IV
Itzehoe (uz) [01.10.07]. Erst in der letzten großen Umstrukturierungsphase der Bundeswehr wurde die Streitkräftebasis (SKB) im Jahr 2000 aufgestellt und, so sind sich die Verantwortlichen sicher, wenn man es damals nicht getan hätte, müßte man es im Zuge der derzeitigen Transformation tun. Die Idee damals war recht simpel, unzählige Bereiche, beispielsweise Instandsetzung oder Nachschub werden von allen Teilstreitkräften parallel betrieben. Hier sprang die Streitkräftebasis in die Präsche. Doch die Bundeswehr sollte noch schlanker und kosteneffizienter, sprich billiger werden, zugleich soll man sich auf das neue Aufgabenspektrum spezialisieren. Knapp fünf Jahre später ereilten nun auch die Streitkräftebasis bereits die ersten Umstrukturierungsplanungen. Die Transformation macht auch vor der SKB mit ihren teilweise buntuniformierten Einheiten mit Angehörigen von Heer, Luftwaffe und Marine nicht halt. Hinter vorgehaltener Hand munkelt bereits der eine oder andere Truppenführer mit Blick auf die SKB über seine Zweifel, ob die aktuellen Transformationsgedanken zu Ende gedacht wurden.
Losgelegt werden sollte, so das Konzept der Macher, bei den Stammdienststellen. Während das Personal in der Unteroffizierslaufbahn in der Verantwortung der früheren Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine lag und diese auch die neuen Organisationsbereiche „bedienten“, kommen die Unteroffiziere nun in die Hand einer Stammdienststelle. Hinter der Frage ob diese Zentralisierung den Unteroffizieren, die ihre Belange oft schon nur schwer gegenüber den Teilstreitkraft-spezifischen Dienststellen vertreten konnten, hilft, bleibt ein großes Fragezeichen.
Als logische Antwort auf die Zusammenfassung der Führungsaufgaben wurde aus der Nachschubschule des Heeres in Bremen die Logistikschule der Bundeswehr und aus der Fernmeldeschule des Heeres die Führungsunterstützungschule der Bundeswehr.
Die Zusammenfassung der Spezialisten aller Teilstreitkräfte zeigt sich deutlich bei offiziellen Anlässen. Foto: Zeitter
Damit sind mit den Ausbildungseinrichtungen zwei Grundlagen geschaffen, um eine Organisationsbereich-übergreifende Ausbildung in den beiden Hauptaufgaben der Streitkräftebasis zu sichern.
Eine weitere Änderung gibt es bei den Führungsmitteln. Nach den neuen Vorgaben verfügen die Wehrbereichskommandos neuerdings über Fernmeldekräfte. In der Praxis so gelöst, dass die Kräfte der Heeresdivisionen neu verteilt wurden: Sie wechselten in der Unterstellung entweder zu den territorialen Kommandos oder wurden den Brigaden des Heeres unterstellt. Für das Nachrichtenwesen erhält die Bundeswehr ein zusätzliches neues Standbein. Das Projekt SAR-Lupe (SAP= Synthetic Aperture Radar) gehört zu einem Netzwerk europäischer Satellitenaufklärung. Gemeinsam stellen sich die europäischen Streitkräften optische und satellitengestützte Aufnahmen zur Verfügung. Innerhalb der Bundeswehr stellt die Streitkräftebasis diese Aufnahmen den Führungskommandos der Organisationsbereiche bedarfsgerecht zur Verfügung.
Die Reservistenarbeit gewinnt für die neuen Landeskommandos an bedeutung. Hier verleiht Kapitän zur See Wolfgang Hett (rechts) die Einsatzmedaille an einen Reserveoffizier.
Foto: Landeskommando Hamburg
Zwei weitere originäre Aufgaben der Streitkräftebasis greifen in der Transformation festverzahnt in einander. Zahlreiche freiwillige Reservisten der Bundeswehr verlieren im Zuge der aktuellen Transformation ihre militärische Heimat. Die Heimatverteidigung verliert zunehmend ihren Stellenwert gegenüber den Einsatzaufträgen der Bundeswehr. Nicht aktive Verbände, die vollständig aus Reservisten bestanden, verschwinden aus den Organigrammen der Bundeswehr. Die Reservistenarbeit wird zunehmend problematischer. Allerdings hat man für zahlreiche Kommandeure aus diesen nicht aktiven bereits eine neue durchaus fordernde Aufgabe gefunden. Nämlich in der zivil-militärischen Zusammenarbeit, kurz ZMZ oder im internationalen Sprachgebrauch CIMIC genannt. Was in den Einsatzregionen an zunehmender Bedeutung gewinnt und den deutschen Streitkräften einen nicht zu verachtenden guten Ruf einbringt, wurde in Deutschalnd in den letzten Jahren oft eher stiefmütterlich behandelt.
Die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre an Oder und Elbe oder in Bayern, die übermäßigen Schneeaufkommen oder die Vogelgrippe im Jahr 2006 oder die Waldbrände im Berchtesgadener Land haben gezeigt, dass hier durchaus Handlungsbedarf besteht. Oft ist die Bundeswehr aus der Fläche verschwunden und Wehrbereichskommandos und Verteidigungsbezirkskommandos fehlten teilweise sogar auf der Ebene der Bundesländer. Hier reagiert die Streitkräftebasis, die die Verantwortung für die ZMZ und damit auch die Hilfeleistung trägt, mit der Einrichtung von so genannten Bezirksverbindungskommandos oder Kreisverbindungskommandos. Zugegeben, die Idee ist nicht ganz neu und wurde erst vor weniger als zehn Jahren ihn ähnlicher Struktur verworfen. Neu ist aber der Umstand, dass es Reserveoffiziere sind, die Kreis- und Landräten mit ihrer expertise und als Verbindungsglied zur Bundeswehr zur Seite stehen. Diese Dienstposten haben dabei durchaus Kommandeurscharakter, zumindest in der Dotierung. Vorwiegend sollen die Aufgaben mit Reservisten in den Dienstgraden Oberst beziehungsweise Oberstleutnant besetzt werden.
Die Transformation bringt aber auch wieder Ansprechpartner für die Landesregierungen in alle Bundesländer. Neue Landeskommandos repräsentieren die Bundeswehr und sorgen für die Verbindung zwischen den vier Wehrbereichskommandos letztlich den Verantwortlichen für die zivil-militärische Zusammenarbeit bis auf Kreisebene. Mit intensiven Übungen bereiten sich die Angehörigen dieser Kommandos gemeinsam mit den zivilen und kommunalen Verantwortlichen und deren Kräfte auf Aufgaben vor allem im Katastrophenschutz vor. Das Landeskommando in München erfuhr dabei seine Feuertaufe schon vor Indienststellung. Souverän koordinierten die Soldaten die Untersützung von Feuerwehrkräften bei Waldbränden in der Umgebung von Bad Reichenhall.
In Hamburg ging das neue Landeskommando aus dem ehemaligen Verteidigungsbezirkskommando 10 hervor. Noch im Umgliederungsappell wurde Kapitän zur See Wolfgang Hett das Kommando über das neuaufgestellte, erst wenige Minuten alte Landeskommando Hamburg übertragen. Er spricht im Interview mit truppen.info über die „Gnade der Stunde Null“ und seine Aufgaben.
Die Bundeswehr unterstützt bei Katastrophenfällen, die Koordination liegt bei den Landeskommandos.
Fotos: Sebastian Zwez
 „Eine begnadete Gunst der Stunde Null“ - Interview mit Kapitän zur See Hett
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