Für
die Teilnehmer und Beobachter der
Führungsübung, die bereits
im Dezember in München stattfand,
unter ihnen auch eine Delegation
des Militärkommandos Tirol,
wurde es nach einführenden Vorträgen über
die Katastrophenhilfe schnell ernst.
In Arbeitsgruppen aufgeteilt, mussten
die als ZMZ-Beauftragte eingesetzten
Soldaten in der Simulation eines
schweren Zugunglückes sowie
einer prekären Hochwasserlage
ihr Handlungsgeschick im Zusammenspiel
mit zivilen Katastrophenschutzbehörden
und ihren Einsatzleitern unter Beweis
stellen. „Das sind durchaus
Szenarien die schnell real werden
können“, bewertet ein Übungsteilnehmer
aus Baden-Württemberg mit ernstem
Gesicht die Simulationsinhalte. Gerade
die Soldaten werden in Zukunft diejenigen
sein, die im Unglücksfall in
Kreisen, Städten und Bezirken
den aufgestellten Krisenstäben
in ihrer Expertise über militärische
Fähigkeiten für Unterstützungsleistungen
mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Damit
sind wir satisfaktionsfähig
geworden und haben mit den Reservisten
in der Fläche ein großes
Potential geschaffen“, erklärt
Generalmajor Gräbner. Auch wenn
mancherorts durch den Abzug der Bundeswehr
mittlerweile ganze militärische
Verbände fehlen, gibt es laut
Gräbner noch keinen Anlass zur
Sorge, dass Unterstützungen
im Schadensfall verwehrt bleiben. „Dann
hilft eben ein Bataillon von anderswo
her. Hauptsache wir haben die helfenden
Hände.“
Die Oberstleutnante Rainer Kanus und Rolf-Tilo Werner-Leister aus der für
Planungen und Operationen zuständigen G3-Abteilung des Wehrbereichskommandos
können sich freuen. Die Übung, die ihre Handschrift trägt, ruft
bei Soldaten und zivilen Katastrophenschützern gleichermaßen großes
Interesse hervor. Der gemeinsame Austausch ist äußerst rege, womit
sich für Kanus schnell ein wesentlicher Übungszweck erfüllt hat. „Beide
Seiten haben sich gegenseitig kennen gelernt und sind mit Verfahren und Abläufen
der neuen territorialen Wehrorganisation vertraut gemacht werden“. „Es
ist schließlich wichtig, seine jeweiligen Counterparts zu kennen“,
machte Dirk-Hubertus Bosse, stellvertretender Landesbeauftragter des Technischen
Hilfswerks (THW) in Bayern, die Ansprüche der zivilen Seite deutlich. Einen
internationalen Aspekt in der Katastrophenhilfe brachte der Österreicher
Dietmar Heiss, Oberstleutnant und S3-Stabsoffizier des Tiroler Militärkommandos,
zur Sprache. „Katastrophen erfordern oftmals grenzüberschreitende
Einsätze, sodass es auch wichtig ist, wenn man die Einsatzstrukturen der
jeweiligen anderen Seite kennt.“
Die Führungsübung sollte zudem ein Signal an die zivilen Katastrophenschützer
und ihre Organisationen sein, dass neue militärische Kontaktstellen geschaffen
worden sind. „Die Bundeswehr hat ein neues Outfit erhalten“, so Oberst
i. G. Klaus Finck, Leiter der G3-Abteilung. Durch die Einnahme der neuen Territorialstruktur
sind anstelle der aufgelösten Verteidigungsbezirkskommandos (VBK), nun die
Kreis-, Bezirksverbindungs- und Landeskommandos die maßgeblichen Ansprechpartner.
Aber Finck stellte auch klar, dass es für die Bundeswehr Grenzen im Bereich
der Katastrophenhilfe gibt. „Unser Hilfsauftrag ist subsidiär und
kann erst greifen, wenn die zivilen Mittel erschöpft sind“. Die Bilanz
der Übung fällt für ihn positiv aus. „Wir haben uns gegenseitig
kennen gelernt und sind im Bereich des Katastrophenmanagements einen guten Schritt
voran gekommen“. |