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 Probe für zukünftiges Krisenmanagement
 WBK IV übt zivil-militärische Zusammenarbeit in Katastrophenfällen
München (eb) [30.10.07]. Eine schnelle und effiziente Reaktion in Katastrophenfällen bedarf nicht nur eines kühlen Kopfes, sondern auch der Übung des Zusammenspiels aller Hilfskräfte. Unter diesem Motto stand die diesjährige Führungsübung des Wehrbereichskommandos IV - Süddeutschland -. Anhand von simulierten Katastrophenszenarien in Süddeutschland erprobten rund 100 zivile und militärische Experten regionaler Katastrophenschutzbehörden gemeinsam Hilfeleistungsmöglichkeiten in der künftigen territorialen Wehrorganisation der Bundeswehr. „Das ist unsere Nagelprobe und Hauptaufgabe zugleich“, bewertet Generalmajor Justus Gräbner, Befehlshaber im Wehrbereich IV, das neue Spektrum territorialer Anforderungen.
Mit dem Inkrafttreten einer neuen territorialen Wehrorganisation in der Bundesrepublik Deutschland zum 1. Januar 2007, wurde im Zuge des Transformationsprozesses der Bundeswehr die Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) auf einen neue Grundlage gestellt. Damit soll weiterhin die Präsenz der Bundeswehr in der Fläche gewährleisten werden. Eine Schlüsselrolle nehmen hierbei Reservisten ein. Sie beraten als Beauftragte der Bundeswehr für Zivil-Militärische Zusammenarbeit (BeaBwZMZ) zivile Behörden und Organisationen in allen Fragen der militärischen Katastrophenhilfe. In Süddeutschland sind 151 solcher Berater eingesetzt, die in den Landkreisen und kreisfreien Städten sogenannten Kreisverbindungskommandos (KVK) sowie auf der Ebene der Bezirksregierungen Bezirksverbindungskommandos (BVK) vorstehen. Geführt werden diese Dienststellen durch in allen 16 Bundesländern neu aufgestellte Landeskommandos. Damit sind auf allen Ebenen die Kommandos die entscheidende Schnittstelle zwischen Bundeswehr und zivilen Katastrophenschutzbehörden, deren Spektrum von verantwortlichen Ämtern bis zum Technischen Hilfswerk (THW) reicht. Rechtliche Voraussetzung für den Einsatz der Kommandos im Katastrophenfall ist ein Amtshilfeersuchen örtlicher Behörden an die Bundeswehr. „So tragen wir angemessen zur zivilen Notfallplanung im Sinne einer gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge bei und gewährleisten einen wirkungsvollen Beitrag zur Unterstützung der zivilen Katastrophenabwehr“, erläutert der stellvertretende Befehlshaber im Wehrbereich IV, Brigadegeneral Erich Staudacher, das Herzstück der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit in der neuen territorialen Wehrstruktur.

Der Umgang in Katastrophenfällen will gut trainiert sein.
Foto: Kai Mörk, WBK IV -PIZ-
Für die Teilnehmer und Beobachter der Führungsübung, die bereits im Dezember in München stattfand, unter ihnen auch eine Delegation des Militärkommandos Tirol, wurde es nach einführenden Vorträgen über die Katastrophenhilfe schnell ernst. In Arbeitsgruppen aufgeteilt, mussten die als ZMZ-Beauftragte eingesetzten Soldaten in der Simulation eines schweren Zugunglückes sowie einer prekären Hochwasserlage ihr Handlungsgeschick im Zusammenspiel mit zivilen Katastrophenschutzbehörden und ihren Einsatzleitern unter Beweis stellen. „Das sind durchaus Szenarien die schnell real werden können“, bewertet ein Übungsteilnehmer aus Baden-Württemberg mit ernstem Gesicht die Simulationsinhalte. Gerade die Soldaten werden in Zukunft diejenigen sein, die im Unglücksfall in Kreisen, Städten und Bezirken den aufgestellten Krisenstäben in ihrer Expertise über militärische Fähigkeiten für Unterstützungsleistungen mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Damit sind wir satisfaktionsfähig geworden und haben mit den Reservisten in der Fläche ein großes Potential geschaffen“, erklärt Generalmajor Gräbner. Auch wenn mancherorts durch den Abzug der Bundeswehr mittlerweile ganze militärische Verbände fehlen, gibt es laut Gräbner noch keinen Anlass zur Sorge, dass Unterstützungen im Schadensfall verwehrt bleiben. „Dann hilft eben ein Bataillon von anderswo her. Hauptsache wir haben die helfenden Hände.“
Die Oberstleutnante Rainer Kanus und Rolf-Tilo Werner-Leister aus der für Planungen und Operationen zuständigen G3-Abteilung des Wehrbereichskommandos können sich freuen. Die Übung, die ihre Handschrift trägt, ruft bei Soldaten und zivilen Katastrophenschützern gleichermaßen großes Interesse hervor. Der gemeinsame Austausch ist äußerst rege, womit sich für Kanus schnell ein wesentlicher Übungszweck erfüllt hat. „Beide Seiten haben sich gegenseitig kennen gelernt und sind mit Verfahren und Abläufen der neuen territorialen Wehrorganisation vertraut gemacht werden“. „Es ist schließlich wichtig, seine jeweiligen Counterparts zu kennen“, machte Dirk-Hubertus Bosse, stellvertretender Landesbeauftragter des Technischen Hilfswerks (THW) in Bayern, die Ansprüche der zivilen Seite deutlich. Einen internationalen Aspekt in der Katastrophenhilfe brachte der Österreicher Dietmar Heiss, Oberstleutnant und S3-Stabsoffizier des Tiroler Militärkommandos, zur Sprache. „Katastrophen erfordern oftmals grenzüberschreitende Einsätze, sodass es auch wichtig ist, wenn man die Einsatzstrukturen der jeweiligen anderen Seite kennt.“
Die Führungsübung sollte zudem ein Signal an die zivilen Katastrophenschützer und ihre Organisationen sein, dass neue militärische Kontaktstellen geschaffen worden sind. „Die Bundeswehr hat ein neues Outfit erhalten“, so Oberst i. G. Klaus Finck, Leiter der G3-Abteilung. Durch die Einnahme der neuen Territorialstruktur sind anstelle der aufgelösten Verteidigungsbezirkskommandos (VBK), nun die Kreis-, Bezirksverbindungs- und Landeskommandos die maßgeblichen Ansprechpartner. Aber Finck stellte auch klar, dass es für die Bundeswehr Grenzen im Bereich der Katastrophenhilfe gibt. „Unser Hilfsauftrag ist subsidiär und kann erst greifen, wenn die zivilen Mittel erschöpft sind“. Die Bilanz der Übung fällt für ihn positiv aus. „Wir haben uns gegenseitig kennen gelernt und sind im Bereich des Katastrophenmanagements einen guten Schritt voran gekommen“.
Text: Oliver Rolofs, WBK IV PIZ
 
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