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 Wenn der Befehl „Feuer frei“ wörtlich genommen wird
 Die Feuerwehr auf dem Truppenübungsplatz hat alle Hände voll zu tun
Bergen (uz) [01.07.07]. Wenn der Feind angreift, auch wenn er nur aus Pappe ist, folgt auf den Truppenübungsplätzen schnell der Befehl „Feuer frei“. Zugführer und Gruppenführer leiten ihre Soldaten an, ordentlich „Feuer in die Heide“ zu bringen. Wenn das zu wörtlich genommen wird und die Heide wirklich Feuer fängt, dann ist die Truppenübungsplatz Feuerwehr zur Stelle. Besonders in der trockenen Jahreszeit ist der Übungsplatz Bergen besonders anfällig. Wenn mit Leuchtspurmunition geschossen wird, Leuchtkörper verwendet werden oder wenn die Artillerie übt: Schnell werden durch Leuchtspurgeschosse trockene Gräser entzündet. Auch wenn vorsorglich von Januar bis März alte Grasflächen „abgeflammt“ werden und in der Trockenphase die Verwendung von Leuchtspurmunition untersagt wird, haben die Männer von Brandoberinspektor Dieter Katschkowski, dem Leiter der Truppenübungsplatzfeuerwehr Bergen, alle Hände voll zu tun. Rund 2000 Einsätze haben die Retter im Jahr 2006 verzeichnet. Knapp die Hälfte davon waren Brände auf dem 300 Quadratkilometer großen Übungsplatz, dessen Vegetation zu 30% aus Nadelbäumen und zu 20% aus Laubhölzern besteht, der Rest der Fläche ist Moorgebiet. Doch zum Einsatzspektrum der Feuerwehr gehören auch Öl- und Verkehrsunfälle, sowie technische Hilfe. Außerdem sind die Feuerwehrleute aus Bergen für die Sicherheit auf dem Übungsplatz verantwortlich. Zu den Einsätzen gehören auch die Kontrollen auf dem Platz. Diese Kontrollen stellen den anderen Großteil der Einsätze dar. Mehr als 250 km pro Tag und Auto legen die Helfer durchschnittlich zurück.
Auf den Kontrollfahrten überprüfen die Feuerwehrleute vor allem auch die Zufahrtswege auf dem Übungsplatz, die speziell angelegten Brandschutzstreifen und die Wasserentnahmestellen. Dort wo es nötig ist, wird über die Geländebetreuung das Freischneiden der Flächen veranlasst. Wie auf vielen anderen Übungsplätzen auch, hat in Bergen die Natur einen großen Spielraum auf dem Gelände und holt sich vor allem die seltener genutzten Flächen zurück. Die Nutzung des Übungsplatzes konfrontiert die Feuerwehrleute ständig mit besonderen Gefahren. Blindgänger und Munitionsbrände fordern besondere Aufmerksamkeit von den Brandschützern.
Die besonderen Bedingungen stellen auch die Technik vor besondere Herausforderungen. „Wir haben hier derzeit drei Prototypen von neuen Fahrzeugen im Einsatz“, schwärmt Dieter Katschkowski. Ein Fahrzeug zur Brand-Bekämpfung, ein Waldbrandbekämpfungs-Fahrzeug und ein Geräterüstsatzfahrzeug, das kaum Wünsche offen läßt, werden getestet. „Wir sind nicht auf betonierten Pisten, sondern in schwerem Gelände tätig, da werden höchste Anforderungen gestellt“, erklärt der Leiter der Feuerwehr. Die Mängel, die von den Feuerwehrleuten erkannt werden, werden direkt an den Hersteller herangetragen. So werden im Alltag der Truppenübungsplatzfeuerwehr Bergen die Maßstäbe für die künftige Ausrüstung der Bundeswehr-Feuerwehren geschaffen. Ein Umstand, auf den der Leiter besonders stolz ist.
In der Feuerwache laufen die Fäden zusammen.
Fotos: Uwe Zeitter
Seit dem Jahr 1956 ist die Feuerwache auf dem Truppenübungsplatz in zwei Schichten rund um die Uhr besetzt. Im normalen Tagesdienst sind die Löschfahrzeuge entlang der Panzerringstraße auf Übungsplatz verteilt, um kleinere Brände sofort in den Griff bekommen zu können. Auf der gegenüberliegenden Seite des Übungsplatzes steht in der Liegenschaft, die von britischen Streitkräften genutzt wird, ebenfalls eine Feuerwehr bereit. „Bei Verkehrsunfällen können die Kameraden oft schneller an der Unglücksstelle sein“, erklärt Dieter Katschkowski. Die vielen unterschiedlichen Fahrzeuge, die auf dem Platz unterwegs sind, stellen oft wegen ihrer Panzerung eine besondere Herausforderung dar. Die Männer der Feuerwehr müssen nicht nur wissen, wie sie nach einem Unfall verletzte Soldaten aus „Marder“, „Leopard“ und Co bergen können, sondern müssen natürlich auch die „Geschwister“ aller Nationen kennen, die den Truppenübungsplatz in Bergen nutzen. Entsprechende Einweisungen für die Retter sind nach kurzer Absprache meist problemlos möglich. Es liegt ja schließlich auch im Interesse der Gastsoldaten, denn das Wissen der Feuerwehrleute kann den Besatzungen das Leben retten. „Die Einweisung an 'truppenspezifischen Fahrzeugen‘ findet ständig statt“, erzählt der Leiter der Truppenübungsplatzfeuerwehr.
Ein modernisierter Fuhrpark ermöglicht der Truppenübungsplatz Feuerwehr in Bergen die erwartete Sicherheit bieten zu können.
Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen und vorbeugendem Brandschutz kommt es vor, dass größere Flächen des Platzes in Brand geraten. Neben den eigenen Kräften kann die Einsatzleitung auch auf Hilfe aus der Luft zählen. Vor allem auch der Leiter der Feuerwehr, oder sein Vertreter werden dann auf dem Übungsplatzeigenen Hubschrauberlandeplatz abgeholt, um sich einen optimalen Überblick über die Situation zu verschaffen. Auch ein Hubschrauber vom Typ Bell UH1D aus dem benachbarten Faßberg mit einem 900 Liter fassenden Aussenbehälter kann zur Unterstützung, das heißt zur Brandbekämpfung aus der Luft, heran geholt werden.
Wenn dennoch weitere Unterstützung benötigt werden sollte, dann werden über die angrenzenden Leitstellen die jeweils örtlich nächstgelegenen Feuerwehren alarmiert. Diese Alarmierung erfolgt nach einem festgesetzten Alarmplan, der auch das Gerät festlegt, das die Wehren mitführen. Die Feuerwehren fahren dann in festgelegte Sammelräume an und werden von den Kräften der Übungsplatzfeuerwehr an die Einsatzstellen begleitet. Dadurch, dass viele Gebiete des Übungsplatzes als Zielgebiet genutzt werden und dadurch mit Blindgängern verseucht sein könnten, ist es wichtig, dass die Helfer von Außen eine entsprechende Anleitung zur Sicherheit erhalten. Das wird auch in unregelmäßigen Abständen geübt. „Kameraden die das nicht gewohnt sind, bekommen den notwendigen Respekt oft erst, wenn es im Feuer vor ihnen einmal geknallt hat“, weiß Dieter Katschkowski aus Erfahrung. Auch die Profis von der Übungsplatzfeuerwehr ziehen sich „wenn es brennt“ Fachleute zur Unterstützung heran. Der Einsatzleitung der Feuerwehr werden dann Bundesforstbeamte und Spezialisten der Kampfmittelräumung zugeteilt.
Auch im Bereich der Kampfmittel steht für die Feuerwehrkräfte regelmäßig eine Weiterbildung auf dem Dienstplan, um sich für die Arbeit regelmäßig zu sensibilisieren. Dabei geht es insbesondere auch um die Wirkung der Kampfstoffe, besonders derer, die auf dem Truppenübungsplatz in Bergen eingesetzt werden.
„ Wir sind in der Lage, alles zu bekämpfen, was man hier erwarten kann. Selbst einen Friteusenbrand in Unterkunftsbereich hatten wir schon“, fasst Dieter Katschkowski zusammen. Bei Verkehrsunfällen können die Rettungskräfte auch auf den „eigenen“ Arzt zurückgreifen. Zumindest innerhalb der Dienstzeit wird der Truppenarzt zur Unfallstelle gerufen, die Anfahrt eines zivilen Arztes ist nur außerhalb der regulären Dienstzeit vorgesehen.
Gemeinsam mit der niedersächsischen Landesfeuerwehrschule in Celle wird in Bergen auch das Thema Ausbildung groß geschrieben. Eine enge Zusammenarbeit sorgt für einen hohen Standard und ermöglicht dem Leiter der Feuerwehr auch immer seinen Männern optimale Lehrbedingungen bieten zu können. Gemeinsame Ausbildungsvorhaben runden das Bild ab. Auch die Berufsfeuerwehr aus Hannover übt regelmäßig in größerem Umfang auf dem Bundeswehrgelände in Bergen. Das Übungsdorf Schierenbleken ist dann fest in der Hand der Feuerwehrkräfte. Gerade im zivilen Bereich sind meist derart großflächig angelegte Übungen nicht möglich.
Ein Gelände, wie der Truppenübungsplatz in Bergen ist allein seiner Größe wegen schwer im Überblick zu behalten. Regelmäßig müssen die Feuerwehrleute in der Ausbildung ihre Ortskenntnis unter Beweis stellen. Das Fahren nach Koordinaten ist eine der Aufgaben, die die Feuerwehrleute regelmäßig ins Dickicht des Bergener Übungsplatzes führt. „Neue Kameraden brauchen ein bis zwei Jahre, bis sie sich gut auf dem Platz zurechtfinden können“, erzählt Katschkowski, der nach seinen reichlichen Dienstjahren den Platz fast so gut wie seine Uniformtaschen kennt. Dazu kommt, dass die Retter regelmäßig auch das Fahren im Gelände trainieren müssen. „Wie schon gesagt, wir sind hier nicht auf Teer und Beton tätig“, betont der Leiter der Feuerwehr nochmals. Und nichts ist schließlich schlimmer, als ein Einsatzfahrzeug, das auf dem Weg zum Einsatz festgefahren wird. Alle Einsätze der Rettungskräfte werden mit der LuK, der Leit- und Kontrollestelle des Übungsplatzes koordiniert, um die Sicherheit jederzeit zu gewährleisten.
Dieter Katschkowski kennt den Truppenübungsplatz Bergen und steuert seine Männer aus der Zentrale oder bei Bedarf auch vor Ort.
Auf dem Dienstplan der Feuerwehrleute steht aber nicht nur die Präsenz in den Gefahrenbereichen, die Bereitschaft und Weiterbildung. Die meisten Angehörigen der Feuerwehr haben eine weitere Qualifizierung und kümmern sich um Schläuche, Prüfungen, Materialbewirtschaftung, Fahrzeuge und auch um die sogenannten Kleinlöschgeräte am Standort. Die regelmäßigen Prüfungen der Feuerlöscher und die erforderlichen Neubefüllungen werden in Bergen von der Truppenübungsplatzfeuerwehr übernommen.
Auch wenn dafür die Personalstärke keinen Freiraum bietet, verschließt sich die Bergener Feuerwehr auch dem neuen Einsatzspektrum der Bundeswehr nicht. Einer der Beamten war bereits zweimal zu einer freiwilligen Wehrübung als Feuerwehrmann im Auslandseinsatz im afghanischen Kunduz.
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