truppen.info: Truppe : Streitkräftebasis - Zivil - Militärische Zusammenarbeit
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 Reservisten übernehmen den „Heimatschutz“
 Bundeswehr begegnet neuen Katastrophen und Terror mit veränderter Struktur

Naturgewalten fordern jährlich mehrmals die zivilen Helfer und Unterstützer der Bundeswehr zur Zusammenarbeit heraus. Terroranschläge und Unglücksfälle veranlassen zu einer Intensivierung der zivil-militärischen-Zusammenarbeit.
Itzehoe (lb) [14.04.06]. Die Pegelstände der Elbe sinken, die Soldaten rücken pünktlich zu Ostern wieder ab. Durchschnittlich 1.000 Männer und Frauen kämpften damit in den vergangenen zwei Wochen täglich gegen das Hochwasser. Für die Bundeswehr sind diese Katastropheneinsätze im Inland nichts ungewöhnliches: allein in diesem Jahr hieß es in Bayern gleich mehrfach „Schneealarm“, ging es auf Rügen um das Eindämmen der Vogelgrippe und nun das Hochwasser. Parallel zu den Einsätzen wird diese sogenannte „zivil-militärische Zusammenarbeit“ nun bis Mitte kommenden Jahres komplett neu strukturiert. Die Organisation des „Heimatschutzes“ wird weitgehend zur Aufgabe der Reservisten.
Zu Zeiten des Kalten Krieges waren nicht nur die Fronten klar, sondern auch die Führung: für die Abstimmung vor Ort – sei es nun für den Verteidigungs- oder den Katastrophenfall – waren sogenannte Verteidigungsbezirkskommandos (VBK) zuständig. Doch der Ost-West-Konflikt ist Geschichte. Die Bundeswehr, zunächst ausreichend mit sich selbst und der Übernahme der NVA beschäftigt, verlor ihre territoriale Organisation etwas aus dem Auge, hielt sie mit Blick auf die Mitte der 90er Jahre aufkommenden Auslands-Dauereinsätze etwa auf dem Balkan gar für weitgehend verzichtbar. Zwischenzeitlich wurden sogar die territorial verantwortlichen Wehrbereichskommandos mit den Heeresdivisionen verschmolzen – ein Fehler der bereits wieder korrigiert wurde. Dann kamen die Terroranschläge vom 11. September in den USA. Und auch die Bundeswehr erkannte folgerichtig: es gilt nicht nur „Deutschland am Hindukusch zu verteidigen“, sondern auch für Katastrophen jedweden Ausmaßes an der Heimatfront gerüstet zu sein.
Evakurierungsübung im großen Stil. Eine der Aufgaben für die Bundeswehr.
Die zivil-militärische-Zusammenarbeit mit spezialisierten Einheiten im Überblick. Details finden Sie [hier].
15 Jahre nach Ende des Kalten Krieges fiel der Startschuss für eine komplette Neuorganisation der „zivil-militärische Zusammenarbeit“ (ZMZ), sprich dem Einsatz der Bundeswehr im Innern während einer Katastrophe. Das Ziel: bis 30. Juni 2007 sollen bundesweit 470 „Verbindungskommandos“ aufgebaut werden sowie 16 ZMZ-Stützpunkte und Spezialstützpunkte.
Beispiel Elbeflut. Die Katastrophenschutzbehörde des betroffenen Landkreises hat eine „Notrufliste“ auf der neben den Ansprechpartnern von Technischem Hilfswerk, Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei auch die Bundeswehr verzeichnet ist, in diesem Fall das örtliche Verbindungskommando. Geführt wird diese militärische Anlaufstelle vom sogenannten BeaBwZMZ, dem „Beauftragten der Bundeswehr für zivil-militärische Zusammenarbeit“ – einem „ortskundigen, erfahrenen Reservisten“, wie es im Anforderungsprofil der Bundeswehr heißt. Zusammen mit zehn weiteren Reserveoffizieren und -unteroffizieren berät dieser „BeaBwZMZ“ den zivilen Krisenstab und koordiniert die mögliche Unterstützung der Bundeswehr, beispielsweise die Gestellung von mehreren hundert Soldaten zum Sichern der Deiche. Das konkrete Sandsackschaufeln überlassen die Reservisten dann aber wieder den „aktiven“ Soldaten, die notfalls auch über entsprechend „schweres Gerät“ verfügen.
Ungewöhnlicher Dienst: Wo Naturgewalten zuschlagen, sind Soldaten gefragte Helfer.
Fotos: Uwe Zeitter (3), Kai Mörk (Pressestelle WBK IV, 2)
Anforderungsprofil
   für Reservisten
   im Katastrophenschutz

  • militärische Qualifikation (Führungserfahrung als Reserveoffizier)
  • Freiwilligkeit
  • Teamfähigkeit
  • Verfügbarkeit,
    d.h. Einverständnis
    des Arbeitgebers
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Soziale Kompetenz
  • regionale Zugehörigkeit
    (wohnhaft im Landkreis,
    d.h. Kenntnisse der regionalen Besonderheiten und bekannt
    bei den zivilen Behörden)
  • IT-Kenntnisse (aber kein
    IT-Spezialist)
   (Quelle: Streitkraeftebasis)
Modellversuche in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind nach Angaben der Bundeswehr positiv verlaufen. Und in der Tat hat das neue Konzept verschiedene Vorteile: Die Bundeswehr ist trotz zahlreicher Standortschließungen wieder vor Ort ansprechbar, der Reservist ist üblicherweise langfristig ortsansässig und gewährleistet dadurch Kontinuität, er (oder sie) hat seit langem wieder eine klare und sogar sinnvolle Aufgabe – und der Reservist ist nicht zuletzt finanziell günstiger als festangestelltes Personal. Da der „Ehemalige“ gleichwohl auf Landesebene hauptberufliche Ansprechpartner im Wehrbereichs- bzw. Landeskommando hat, ist die Verknüpfung samt Befehlsgewalt zur aktiven Truppe sichergestellt. Die steht somit nach wie vor kurzfristig mit viel Personal und Gerät bereit.
Dazu gehören auch die 16 über die Republik verteilten neuen ZMZ-Stützpunkte (siehe Karte). Dort soll in vorhandenen Kasernen Gerät und Material für die Katastrophenabwehr vorgehalten werden. Gedacht wird dabei durchaus nicht mehr nur an schwere Naturkatastrophen neuen Ausmaßes, sondern auch an die Folgen von Terroranschlägen. Entsprechend wird künftig nicht nur Pioniergerät bereit gehalten, sondern auch verstärkt medizinische Ausstattung sowie Material zur ABC-Abwehr.
(Lars Bessel)
 Standortkarte spezialisierter Verbände
frühere truppen.info-Berichte aus diesem Themenbereich:
 Auswirkungen einer Katastrophe bewältigt
 Standortkarte spezialisierter Verbände
 Mit Tornados gegen H5N1
 Bundeswehr kämpft gegen Schnee
 Mit Hägglunds und Schaufeln gegen den Tod
 Erfolgreich gegen das Wasser
 
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