truppen.info: Truppe : Streitkräftebasis - Fußball-Weltmeisterscahft 2006 in Deutschland
jüngste Beiträge
Aus den Einsätzen
Sicherheitspolitik
Wir suchen Ihre Fotos
Linkliste
Link eintragen
Laufbahnportraits
Der Weg zum Offizier
Der Weg zum Unteroffizier
Dienstgradabzeichen
truppen.info-Quiz
Spiele
Downloads
Buchtipps
Für Webmaster
 
MCKimme


 „Wir hoffen, dass die Zivilen das im Griff haben“
 Soldaten im WM-Einsatz – „konfuse Situationen“ nicht ausgeschlossen
Hamburg (lb) [15.06.06]. Oliver Söhrn aus dem schleswig-holsteinischen Albersdorf freut sich über die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, beschert sie dem 21jährigen ABC-Abwehr-Soldaten doch einen gemütlichen Tag in Hamburg. Zusammen mit rund 50 seiner Kameraden soll der Gefreite im schlimmsten Fall der Fälle die zivilen Rettungskräfte in der Hansestadt unterstützen. Bis auf drei Tore im Spiel Ecuador gegen Costa Rica passiert jedoch nichts, „das ist eher angenehmer Dienst“, schmunzelt Söhrn. Zwei Stunden nach Abpfiff im benachbarten Volkspark-Stadion ist für alle 160 beteiligten Soldaten in Hamburg Feierabend.

Ruhiger Dienst: Soldaten der Bundeswehr schieben Bereitschaftsdienst im "WM-Einsatz".
Für die Bundeswehr ist diese Art der Unterstützung im Inland nichts ungewöhnliches, und doch beweist auch die WM erneut, wie schmal der Grad zwischen erlaubter „Hilfeleistung“ und dem nicht erlaubten „Einsatz“ im Innern ist.
Beispiel Feldjäger: zwischen zehn und 15 Militärpolizisten sind in Hamburg pro Spieltag im WM-Einsatz. Sollte es größere Probleme etwa mit Hooligans geben wäre das ausschließlich Aufgabe der Polizei, auch beim Abtransport dürfte die Bundeswehr nicht unterstützen, gegebenenfalls notwendige Straßensperrungen für diesen Polizeikonvoi wären ebenfalls ausschließlich durch Polizeibeamte einzurichten. Für einen Bundeswehrkonvoi dürften die Feldjäger dagegen sehr wohl Straßen sperren. „Das ist sehr schwierig, da können konfuse Situationen in der Praxis entstehen“, so Oberstleutnant Wolf von der Osten, Sprecher des verantwortlichen Verteidigungsbezirkskommandos in Hamburg gegenüber truppen.info. Ein sogenannter Rechtsberater ist deshalb ebenfalls ständig in Rufbereitschaft.

Die Soldaten sind bereit - zum Einsatz sollen sie, zumindest in Hamburg, nur im äußersten Notfall kommen.
Allerdings ist der Stadtstaat Hamburg bei der WM auch gar nicht allzu sehr angewiesen auf eine breite Unterstützung durch die Armee. Hamburg verfüge über ein großes Netz an Hilfsorganisationen sowie eine starke Landespolizei und eine ebenso gut ausgerüstete Berufsfeuerwehr, so der Sprecher der Innenbehörde Marco Haase auf Anfrage, „da können wir aus dem Vollen schöpfen“. Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sei gleichwohl seit Jahren „hervorragend“, und das solle auch so bleiben.
Bundeswehr-Sprecher von der Osten geht noch weiter: die Berufsfeuerwehr sei etwa im Bereich ABC-Abwehr rein von der Erkennungstechnik viel besser ausgerüstet als die Bundeswehr, auch wenn der Feuerwehr für eine massenhafte Dekontaminierung letztlich das Personal fehlen würde. An einen solchen Fall mag der Gefreite Steffen Kösler vom albersdorfer ABC-Abwehrbataillon aber gar nicht denken, „wir hoffen, dass die Zivilen das im Griff haben“. Sein Vorgesetzter, Stabsunteroffizier Kevin Schilly, ergänzt gleichwohl umgehend: „Das hier ist unser eigentlicher Dienst, wir beweisen hier, wozu wir ausgebildet worden sind.“

Mit viel Gelächter zum Rettungswagen: Schließlich ist es nur ein Fototermin. An den Ernstfall mögen die Soldaten in Hamburg lieber nicht denken ...
Bundesweit sind rund 2.000 Soldaten ständig im WM-Einsatz, 5.000 weitere stehen ab Abruf bereit. Während sich die zivilen Anforderungen aus Hamburg im untersten Bereich bewegen, sticht Kaiserslautern als anderes Extrem heraus – dort baute die Bundeswehr ein komplettes Rettungszentrum auf. Doch diese „technische Amtshilfe“ hat auch ihren Preis, die Bundeswehr rechnet dadurch mit Mehreinnahmen von rund fünf Millionen Euro, die die Länder zu zahlen haben. Auch wenn man in Hamburg in Sachen Sicherheit und Fußball-WM „nicht jeden Euro zweimal umdreht“, so die Innenbehörde, sei durchaus auch auf die zu erwartenden Kosten geachtet worden, so die Bundeswehr.
So fällt denn die sanitätsdienstliche Komponente am „Tor zur Welt“ ebenfalls recht überschaubar aus: etwa 60 Sanitäter, Ärzte und Fahrer stehen für den Notfall mit 15 Krankenwagen, einem Notarztwagen und einer kleinen Rettungsstation an jedem Spieltag bereit. In diesem „Truppenverbandplatz“ neuer Art können maximal vier Verletzte gleichzeitig behandelt werden, davon ein Intensivpatient. Zum Vergleich: die Feuerwehr, die in Hamburg auch den Rettungsdienst betreibt, hat in Stadionnähe gleich mehrere Behandlungszentren aufgebaut, in denen stündlich jeweils bis zu 100 Patienten behandelt werden können. Die Hauptaufgabe bestünde für die Bundeswehr deshalb auch im Krankentransport und nicht in der Behandlung.
Hauptfeldwebel Jacqueline Dahlitz vom Hamburger Sanitätszentrum geht denn neben ihrem „WM-Einsatz“ auch ihrem ganz normalen Bürodienst nach. Und Hauptfeldwebel Sebastian Gellnar nutzt die aufgebaute San-Station gleich zu Ausbildungszwecken, da noch „längst nicht jeder Soldat“ diese neuen Materialen kennt. Aufregend findet Jacqueline Dahlitz das Ganze nicht, „wir machen uns nicht verrückt“, sagt sie, „wir sind ausgebildet, um zu helfen, und kennen das aus unseren Auslandseinsätzen“.
Tatsächlich etwas zu tun haben dagegen die sechs Soldaten im Hamburger Lagezentrum der Bundeswehr. Oberstleutnant Ulrich Hagedorn und seine Männer beschäftigen sich gleichwohl schwerpunktmäßig mit dem Aufbau eines „gemeinsamen Zeichenvorrates“ beim Meldewesen, militärische und zivile Führungsstäbe arbeiten nämlich nicht nur anders, sie kürzen auch anders ab. Im Notfall werden aus diesem Lagezentrum nicht nur die heute rund 110 direkt vor Ort verfügbaren Soldaten auf den Weg geschickt, sondern auch bis zu knapp 400 Mann, die in ihren Heimatstandorten rund um Hamburg in Bereitschaft stehen. Je nach Einheit müssen diese innerhalb von vier bis zwölf Stunden am Ort des Geschehens zur Verfügung stehen. „Zum Aufräumen“, heißt es etwas sarkastisch von einem Soldaten im Vorbeigehen.
Neben zahlreichem Gerät, dass den Zivilbehörden bereits im Vorfeld ausgeliehen wurde (Beispiel: 500 Klapptragen zum Mietpreis von 1.048 Euro) hält die Bundeswehr für den größten anzunehmenden Unfall auch noch Großraum-Hubschrauber, Pioniereinheiten, den Sanitäts-Airbus und weitere Spezialeinheiten vor. Man wolle sich nicht vorwerfen lassen, nicht an alles gedacht zu haben, heißt es. Der Vorteil für die Länder liegt auf der Hand: die Kosten für diese Einheiten müssen erst dann bezahlt werden, wenn es tatsächlich „gekracht“ hat, die Bereitschaftskosten laufen auf Kostenstelle Verteidigungsministerium.
Bislang herrscht jedoch bekanntlich friedlichste Ruhe während der Fußball-WM „bei Freunden“ – und solange das so ist, genießt Gefreiter Oliver Söhrn seine „Erholung“ in Hamburg und schaut mittels Großleinwand und Beamer mehr oder weniger interessiert, welche Kämpfe sich Abwehr und Sturm aus Ecuador und Costa Rica „nebenan“ liefern. Danach heißt es zusammenpacken, ab in den „Mannschaftsbus“ und zurück nach Albersdorf. Gegen 22 Uhr ist Dienstschluss, und das bedeutet sogar noch anrechenbare Überstunden – so eine Fußball-Weltmeisterschaft hat eben viele Gewinner, an diesen Tag kommen sie aus Ecuador und Dithmarschen.
(Lars BEssel)
Im Falle eines Falles stehen die ABC-Abwehr-Soldaten aus Albersdorf bereit. Hauptfeldwebel Sebastian Gellnar nutzt die Zeit auch für Ausbildungen. Fotos: Bessel
Kommentar
Deutschland hat ein Problem mit der Verteidigung
 
Anzeigen
Ihre Werbung hier?
Anzeigen
Kreuzfahrt-Schnäppchen
   Diese Seite empfehlen      Sitemap    Archiv    Impressum    Kontakt 
(c) 2005 by www.truppen.info