Bundesweit
sind rund 2.000 Soldaten ständig im WM-Einsatz, 5.000 weitere
stehen ab Abruf bereit. Während sich die zivilen Anforderungen
aus Hamburg im untersten Bereich bewegen, sticht Kaiserslautern als
anderes Extrem heraus – dort baute die Bundeswehr ein komplettes
Rettungszentrum auf. Doch diese „technische Amtshilfe“ hat
auch ihren Preis, die Bundeswehr rechnet dadurch mit Mehreinnahmen
von rund fünf Millionen Euro, die die Länder zu zahlen haben.
Auch wenn man in Hamburg in Sachen Sicherheit und Fußball-WM „nicht
jeden Euro zweimal umdreht“, so die Innenbehörde, sei
durchaus auch auf die zu erwartenden Kosten geachtet worden, so die
Bundeswehr.
So fällt denn die sanitätsdienstliche Komponente am „Tor zur
Welt“ ebenfalls recht überschaubar aus: etwa 60 Sanitäter, Ärzte
und Fahrer stehen für den Notfall mit 15 Krankenwagen, einem Notarztwagen
und einer kleinen Rettungsstation an jedem Spieltag bereit. In diesem „Truppenverbandplatz“ neuer
Art können maximal vier Verletzte gleichzeitig behandelt werden, davon ein
Intensivpatient. Zum Vergleich: die Feuerwehr, die in Hamburg auch den Rettungsdienst
betreibt, hat in Stadionnähe gleich mehrere Behandlungszentren aufgebaut,
in denen stündlich jeweils bis zu 100 Patienten behandelt werden können.
Die Hauptaufgabe bestünde für die Bundeswehr deshalb auch im Krankentransport
und nicht in der Behandlung.
Hauptfeldwebel Jacqueline Dahlitz vom Hamburger Sanitätszentrum geht denn
neben ihrem „WM-Einsatz“ auch ihrem ganz normalen Bürodienst
nach. Und Hauptfeldwebel Sebastian Gellnar nutzt die aufgebaute San-Station gleich
zu Ausbildungszwecken, da noch „längst nicht jeder Soldat“ diese
neuen Materialen kennt. Aufregend findet Jacqueline Dahlitz das Ganze nicht, „wir
machen uns nicht verrückt“, sagt sie, „wir sind ausgebildet,
um zu helfen, und kennen das aus unseren Auslandseinsätzen“.
Tatsächlich etwas zu tun haben dagegen die sechs Soldaten im Hamburger Lagezentrum
der Bundeswehr. Oberstleutnant Ulrich Hagedorn und seine Männer beschäftigen
sich gleichwohl schwerpunktmäßig mit dem Aufbau eines „gemeinsamen
Zeichenvorrates“ beim Meldewesen, militärische und zivile Führungsstäbe
arbeiten nämlich nicht nur anders, sie kürzen auch anders ab. Im Notfall
werden aus diesem Lagezentrum nicht nur die heute rund 110 direkt vor Ort verfügbaren
Soldaten auf den Weg geschickt, sondern auch bis zu knapp 400 Mann, die in ihren
Heimatstandorten rund um Hamburg in Bereitschaft stehen. Je nach Einheit müssen
diese innerhalb von vier bis zwölf Stunden am Ort des Geschehens zur Verfügung
stehen. „Zum Aufräumen“, heißt es etwas sarkastisch
von einem Soldaten im Vorbeigehen.
Neben zahlreichem Gerät, dass den Zivilbehörden bereits im Vorfeld
ausgeliehen wurde (Beispiel: 500 Klapptragen zum Mietpreis von 1.048 Euro) hält
die Bundeswehr für den größten anzunehmenden Unfall auch noch
Großraum-Hubschrauber, Pioniereinheiten, den Sanitäts-Airbus und weitere
Spezialeinheiten vor. Man wolle sich nicht vorwerfen lassen, nicht an alles gedacht
zu haben, heißt es. Der Vorteil für die Länder liegt auf der
Hand: die Kosten für diese Einheiten müssen erst dann bezahlt werden,
wenn es tatsächlich „gekracht“ hat, die Bereitschaftskosten
laufen auf Kostenstelle Verteidigungsministerium.
Bislang herrscht jedoch bekanntlich friedlichste Ruhe während der Fußball-WM „bei
Freunden“ – und solange das so ist, genießt Gefreiter Oliver
Söhrn seine „Erholung“ in Hamburg und schaut mittels Großleinwand
und Beamer mehr oder weniger interessiert, welche Kämpfe sich Abwehr und
Sturm aus Ecuador und Costa Rica „nebenan“ liefern. Danach heißt
es zusammenpacken, ab in den „Mannschaftsbus“ und zurück nach
Albersdorf. Gegen 22 Uhr ist Dienstschluss, und das bedeutet sogar noch anrechenbare Überstunden – so
eine Fußball-Weltmeisterschaft hat eben viele Gewinner, an diesen Tag
kommen sie aus Ecuador und Dithmarschen.
(Lars BEssel)
|