Itzehoe
(lb) [01.06.06].Die
ersten Verlierer der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland
stehen bereits fest: die Fans der Bundeswehr-Musikkorps. Die FIFA
hat kein Interesse an militärischer Live-Musik zum Spielbeginn – stattdessen
kommen die Nationalhymnen nun vom Band. Gleichwohl sind ab kommender
Woche rund 7.000 Soldaten im Einsatz, seien es Sanitäter, Pioniere,
Feldjäger, Piloten, Logistiker, ABC-Abwehrsoldaten und viele
mehr. „Ausgesprochen kompliziert“, so die Bundeswehr gegenüber
truppen.info, aber das ist die Truppe gewohnt. Innenminister Schäuble
(CDU) sagt denn auch, „alles menschenmögliche“ sei
getan, um sichere Spiele zu gewährleisten. Das Loch in der Verteidigung
klafft jedoch nicht nur vorm deutschen Tor, sondern auch am deutschen
Himmel: für den „scharfen Schuss“ deutscher Abfangjäger
fehlt die rechtliche Grundlage.
Über 50 Seiten umfasst das „Stationierungskonzept“ der
Bundeswehr für das Fußballfest im eigenen Land, 2.000 Männer
und Frauen sind demnach in diesem Monat ständig im Einsatz. So
bauen die Sanitäter zum Beispiel in Kaiserslautern ein komplettes
Rettungszentrum auf, das Berliner Bundeswehrkrankenhaus wurde
gar zur „WM-Klinik“ ernannt. An jedem Spielort stehen
zudem uniformierte Experten parat, etwa wenn es um die Frage der Abwehr
von atomaren, biologischen oder chemischen Angriffen geht.
Mehr als
3.500 Polizisten werden darüber hinaus in über 40 Kasernen
untergebracht und verpflegt, 150.000 zusätzliche Mahlzeiten sind
veranschlagt. Außerdem rollen etwa 200 Bundeswehrfahrzeuge für
die WM. Geschätzte Kosten: rund fünf Millionen Euro.
Für den – laut offiziellen Angaben nicht zu erwartenden
Ernstfall – stehen weitere 5.000 Soldaten in Bereitschaft, ausgerüstet
mit nahezu allem, was die Streitkräfte zu bieten haben: angefangen
von Hubschraubern und Transportflugzeugen, über Pionierpanzer
und Faltstraßen bis hin zu Dekontaminationsgerät. Und über
allem kreisen die AWACS-Aufklärungsflugzeuge der NATO. Für
den Fall, dass diese eine Bedrohung aus der Luft ausmachen, stehen – wie
auch sonst täglich – Alarmrotten an Abfangjägern der
Luftwaffe bereit. Doch nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes
zum Luftsicherheitsgesetz bleibt die bange Frage: was tun die Piloten,
wenn tatsächlich ein Terrorist versuchen sollte, eine gekaperte
Passagiermaschine in ein vollbesetztes Stadion zu steuern? Abschießen – rein
rechtlich – jedenfalls nicht … |