„Die
Bundeswehr und die Fußball-WM, für einige
Politiker wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
(CDU) ein Spiel mit der Angst. Was wäre wenn?
Eine Frage, die kein Mensch beantworten kann. Also
bleiben wir bei den Tatsachen, Beispiel Hamburg:
Innensenator Udo Nagel (parteilos) ist grundsätzlich
für einen Einsatz, sprich bewaffnet, der Soldaten
auch innerhalb Deutschlands und fordert wie Schäuble
eine Grundgesetzänderung – sagt aber ebenso
deutlich, „die Fußball-WM eignet sich
nicht als Bühne für einen Verfassungsstreit“.
Außerdem
beweist seine Behörde samt Hilfsorganisationen,
Polizei und Feuerwehr (inklusive Rettungsdienst), dass
Soldaten an der Heimatfront auch nicht wirklich gebraucht
werden. Dabei reden wir nicht von Katastrophen, denn
dann darf die Bundeswehr seit eh und je und vollkommen
selbstverständlich daheim helfen. Und ganz ehrlich:
ich mag mir keine Soldaten bei einer WM „unter
Freuden“ vorstellen, die die Besucher aus aller
Welt vorm Stadion mit Maschinengewehr begrüßen.
Das sei auch nie die Vorstellung des Bundesinnenministers
gewesen, heißt es, doch was dann? Soldaten sollten
ihr Land nach außen verteidigen, den Schutz im Inneren übernimmt
die Polizei – und ich weiß mich dabei in guter
Gesellschaft zahlloser Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften.
Die Bundeswehr ist deshalb auch entsprechend ausgebildet
und ausgerüstet – und dabei sollte es bleiben.
Gleichwohl gibt es Bereiche, die tatsächlich einer grundgesetzlichen
Klarstellung bedürfen: terroristische – und somit
nicht kriegerische – Angriffe aus der Luft kann die
Polizei schlicht nicht abwehren. Macht es wirklich Sinn,
dass sich die mecklenburg-vorpommersche Landespolizei ein
Schnellboot zulegt, um gegen Attentäter von Seeseite
gewappnet zu sein, obwohl genügend Bundeswehrboote und
-schiffe vor Ort sind?
Bestehende „Grenzen“ zu verschieben, birgt nur
die Gefahr, leichtfertig zu werden. Das Argument etwa, die
Bundeswehr habe im Kosovo Gefängnisse betrieben und
sei deshalb auch für Polizeiaufgaben im Inland befähigt,
ist abwegig. Da muss man gar nicht die „Leistungen“ der
Amerikaner bei ihrer Gefängnisführung im Irak bemühen … Und
das Soldaten vom Kommando Spezialkräfte in afghanischen
Höhlen nach Terroristen suchen, bedeutet nicht, dass
sie dies auch im Erzgebirge tun sollten, das kann die GSG
9 der Bundespolizei auch. Ich jedenfalls möchte keinen „Krieg“ in
Deutschland erleben.
Und ganz abgesehen von uns Zivilisten: „Ich bin damals
ganz bewusst zur Bundeswehr gegangen, damit ich im Fall der
Fälle auf keinen Fall auf Landsleute schießen
muss“, sagte mir unlängst ein hoher deutscher
Offizier. Überfordern wir „unsere Jungs und Mädels“ nicht
noch mehr, Einsätze von Kosovo bis Kinshasa reichen,
da fehlt allenthalben an der Alliteration noch Kaiserslautern.
[15.06.06] |