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Satire bis der Arzt kommt

 "Spind auf!"
 Familie Haagmans besucht das Sanitätsregiment 22 in Ahlen
Familien-Ausflug zum Gelöbnis und Tag der offenen Tür: Die Haagmans nach dem Gelöbnis.
Fotos: Heiland
Ahlen (eb) [18.08.08]. Flieger Kevin Haagmans steht in der Formation auf dem Sportplatz neben der Westfalenkaserne. Die Sonne blendet ihn und zum Frühstück konnte er nur ein kleines Müsli zu sich nehmen. So groß war die Aufregung an diesem Morgen. Nicht so sehr, weil sein Vater und sein Bruder heute beim Feierlichen Gelöbnis mit dabei sind, vielmehr ist es ungewohnt für den 20 jährigen im Rampenlicht zu stehen. Die Angehörigen und Freunde der Rekruten, aber auch Bürgerinnen und Bürger aus Ahlen stehen zuhauf am Sportplatzrand, als Flieger Haagmans und seine Kameraden geloben, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.
Für den Vater von Kevin ist das ein ganz emotionaler Moment: „Da werden viele Erinnerungen an die eigene Wehrpflichtzeit wieder wach“, sagt der 45-jährige Jürgen Haagmans, der sich heute extra einen Tag Urlaub genommen hat, um seinen Sohn beim Feierlichen Gelöbnis zu begleiten.
Flieger Kevin Haagmans bei seinem Feierlichen Gelöbnis
„Mein erster Sohn wurde ausgemustert, da gehört es sich einfach, dass wir dabei sind, wenn Kevin zur Truppe stößt.“ Aus dem 220 Kilometer entfernten Langenfeld sind Vater und Bruder heute angereist, jetzt freuen sie sich auf den Tag der offenen Tür. Sie wollen sich das Rettungszentrum ansehen, das die 2. und 3. Kompanie aufgebaut haben. Bruder Marcel wäre auch zur Bundeswehr gegangen, wenn er nicht gesundheitliche Einschränkungen gehabt hätte, betont der 21-jährige beinahe entschuldigend. Doch bevor es zum Rettungszentrum geht, zeigt Flieger Haagmans seinem Vater und seinem Bruder seine Unterkunft. Schlecht haben es die Soldatinnen und Soldaten der Ausbildungskompanie nicht getroffen, denn das Unterkunftsgebäude wurde erst vor wenigen Monaten renoviert. Und auch die Spinde sehen nicht mehr so aus wie vor 20 Jahren. Doch wie es im Spind aussieht, das möchte Jürgen Haagmans jetzt wissen.
„Sohn: Spind auf,“ befiehlt er scherzhaft und der Rekrut gehorcht. Doch darauf war er natürlich vorbereitet, so wie an allen Tagen während der Grundausbildung. Vater und Bruder finden keinen Makel.
"Sohn: Spind auf!"
Etwas später steht Familie Haagmans vor einer südländisch anmutenden Kulisse. Orientalische Musik dringt aus irgendeinem Lautsprecher, Händler bieten ihre Waren feil. In diesem fiktiven Land ist die Bundeswehr eingesetzt, damit die gewalttätigen Konflikte nicht wieder ausbrechen. Es kommt zu einem Unfall zwischen einem Bundeswehrfahrzeug und einem zivilen Fahrzeug. Die Haagmans und viele andere Zuschauer erleben, wie die Rettungsmaßnahmen eingeleitet und durchgeführt werden. Mit Blaulicht und Martinshorn kommen Feldjäger und der bewegliche Arzttrupp. Die Verletzten werden versorgt und abtransportiert.
Kurz darauf kommen sie im Rettungszentrum an.
Im Rettungszentrum werden die Verletzten weiterbehandelt. Das Rettungszentrum ist quasi ein mobiles Krankenhaus. Es besteht aus vielen Containern und kann weltweit, auch unter extremen klimatischen Bedingungen betrieben werden. Dafür wird eine Fläche, mindestens so groß wie ein Fußballplatz benötigt. „Das war schon sehr beeindruckend,“ meint Jürgen Haagmans, „ich habe einen interessanten Eindruck in die Arbeit der Bundeswehrsanitäter erhalten. Das war alles sehr anschaulich.“
Demonstration der Leistungsfähigkeit: KFz-Unfall mit Bundeswehrbeteiligung in einem Einsatzgebiet.
Das Rettungszentrum, das hier aufgebaut ist, hat einen materiellen Wert von rund 15 Millionen Euro. Es kann auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten werden und umfasst zum Beispiel Operationssäle, Aufwachräume und Intensivbetten. Gemäß den Angaben des Herstellers kann es bei Temperaturen zwischen –39 und +45 Grad Celsius betrieben werden. „Das alles ist nicht Selbstzweck sondern dient der medizinischen Versorgung unserer Kameraden in den Auslandseinsätzen,“ sagt Oberfeldarzt Dr. Grohmann, der Kommandeur des Sanitätsregiments 22.
Auf dem Weg zum Biwakplatz kommen Flieger Haagmans und seine Familie an dem aufgebauten Sanitäts-„E“-Platz vorbei. „E“ steht für Entstrahlung, Entgiftung, Entwesung und Entseuchung. Verletzte Soldaten unter ABC-Vollschutz werden aus ihrer Bekleidung geschnitten und gewaschen. Sie werden so vorbereitet, dass sie im Rettungszentrum aufgenommen werden können. Denn mit kontaminierter Bekleidung oder kontaminierten Körperteilen würden sie die Kampfstoffe in das Krankenhaus tragen. Oberfeldwebel Jessica Korte erklärt den Besuchern, was sie hier mit ihren Soldatinnen und Soldaten leistet. Viele Zuschauer sorgen sich um die Soldaten die in „voller Montur“ arbeiten müssen. „Das ist ihr Job“, erklärt Oberfeldwebel Korte. „Ein paar Stunden sind da kein Problem, man muss dann einfach ein bisschen langsamer arbeiten.“ Überrascht ist Jessica Korte über das Interesse der Besucher und die Fragen, die sie formulieren. Ein Mann möchte wissen, was mit den Soldaten passiert, die es nicht mehr geschafft haben, die ABC-Schutzmaske aufzusetzen. „Ob die noch am San-E-Platz landen?“ Da muss Oberfeldwebel Korte erstmal nachdenken. „Es kommt auf den Grad der Verseuchung oder Vergiftung an,“ antwortet sie.
Die Verletzten sind jetzt dekontaminiert und werden ins Rettungszentrum verbracht.
Familie Haagmans geht weiter zum Biwakplatz. Hier geht es gemütlicher zu. Bratwurst, Schnitzel und Erbsesuppe werden angeboten und natürlich alle möglichen Getränke. Flieger Haagmanns stärkt sich noch einmal, bevor er mit Vater und Bruder nach Hause ins Wochenende fährt. Nach der Grundausbildung wird er nach Idar-Oberstein versetzt. Doch vielleicht bleibt Flieger Haagmanns auch länger beim Bund. Er hat sich schon mal ausführlich über die Studienmöglichkeiten bei der Bundeswehr informiert.
Text: Major Matthias Frank, Fotos: Stabsunteroffizier Michael Heiland, SanKdo II
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