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Satire bis der Arzt kommt

 Die Gesundheit am Bodensee verteidigen
 Mobiles Operationszentrum stellt Versorgung sicher
Zügiger Aufbau: Mit diesem Operations-Modul sichert die Bundeswehr die Operations-Kapazitäten im Landkreis Konstanz..
Foto: Jacob, Heerestruppenbrigade
Konstanz (uz) [23.09.08]. Auf eine Katastrophe konnte reagiert werden, bevor die Bevölkerung bemerkt hat, dass es eine gibt, betonte Claus Boldt, Bürgermeister der Stadt Konstanz am Bodensee, beim Besuch von Verteidigungsminister Dr. Franz-Josef Jung. Prof. Dr. Gert Müller-Esch, der medizinische Direktor des Klinikums Konstanz ging sogar noch einen Schritt weiter: Die Bewohner der Stadt hätten, so der Mediziner, erfahren, dass die Bundeswehr nicht nur Deutschland am Hindukusch sondern auch die Gesundheit im Landkreis Konstanz verteidigen könne. Die Worte mit denen die Verantwortlichen im Klinikum Konstanz das Engagement der Bundeswehr lobten, waren vielfältig. Aber alle waren sich einig, dass die einmalige Hilfsaktion etwas ganz besonderes und wichtiges sei. Für den Minister ist Konstanz vor allem der handfeste Beweis, dass das Konzept der zivil-militärischen Zusammenarbeit, die in der Hand von erfahrenen Reservisten liegt, bei der Katastrophenhilfe funktioniert.
In der Nacht auf den 3. Juni hatte ein eher kleiner Brand im Klinikum Konstanz eine verheerende Wirkung. Der komplette Operations-Bereich wurde zerstört. Zerstört wurden dabei nicht nur Operationssäle sondern vor allem ein wesentlicher Anteil der Operationskapazitäten im gesamten Landkreis. Die medizinische Versorgung schien nicht mehr optimal gewährleistet zu sein.
Doch schon wenige Stunden nach dem Feuer entwickelte sich ein Hilfskonzept in Fleckentarn. Peter Renker, Oberstleutnant der Reserve und Beauftragter für die zivil-militärische Zusammenarbeit im Landkreis Konstanz wurde bereits um halb acht Uhr morgens mit der Situation betraut und nahm bereits um 11 Uhr an ersten Besprechungen teil. Schnell wurde die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dass hier die Bundeswehr um Unterstützung gebeten werden könnte. Bereits am folgenden Tag erkundete ein Team von Spezialisten des Sanitätsdienstes Möglichkeiten für ein Mobiles Operationszentrum, in Konstanz inzwischen liebevoll MOPZ genannt, beim Klinikum Konstanz.
Ersthelfer im Landkreis Konstanz: Minister Dr. Franz-Josef Jung und der Abgeordente Andreas Jung.
Foto: Zeitter
„Ich hatte in dieser Woche ständig in jeder Hand ein Handy und ein klingelndes Telefon auf dem Schreibtisch“, erinnert sich Peter Renker, der im Zivilberuf eigentlich die kaufmännische Abteilung der Technischen Betriebe Konstanz beziehungsweise der Entsorgungsbetriebe in Konstanz leitet. Von Vorteil war die schnelle Expertise des leitenden Arztes im Operationsbereich, der als Reserveoffizier einmal Kommandeur einer Reservelazarettgruppe war. So konnte der Bedarf schnell präzisiert werden und die notwendigen Formalitäten wurden in die Wege geleitet. Nicht immer ganz ohne bürokratische Hürden, wie Renker zu berichten weiß. Eine letzte bürokratische Hürde bewältigte dann Andreas Jung, Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Konstanz, der im Parlament das Gespräch mit dem Verteidigungsminister suchte und die Situation nochmals schilderte. Nur 15 Minuten hätte es gedauert, so schwärmten die Beteiligten an diesem Nachmittag in Konstanz, habe es gedauert, bis es doch noch ein „grünes Licht“ gab. Zuvor hatte das Verteidigungsministerium den Einsatz nämlich noch strikt abgelehnt.
Als der „Marschbefehl“ für ein MOPZ nach Konstanz erteilt wurde, war es der Nachmittag des Freitag, nur vier Tage nach der Brandnacht und die Agierenden der Bundeswehr glänzten durch etwas, was im Widerspruch zum allgemeinen Bild der Bundeswehr zu stehen scheint. Die meisten der Soldaten, die für den Aufbau vorgesehen waren, befanden sich bereits auf der Autobahn in Richtung Heimat. Durch eine Telefonkette konnten die Soldaten erreicht werden und diese folgten mit großem Engagement. Um 17.30 Uhr rollten die ersten Lkw mit Containern in Konstanz von der Autofähre aus Meersburg und nicht einmal eine Woche später wurde der Operationsbetrieb in Konstanz wieder aufgenommen.
Als bislang einmalige Aktion präsentiert Dr. Franz-Josef Jung die Leistung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Konstanz. Foto: Zeitter
Mittlerweile wurden im MOPZ mehr als 450 Operationen durchgeführt. Eine Zahl die, so betonte Minister Jung, selbst für den Einsatz der Bundeswehr in Konstanz spricht. Bis zu 10 Soldaten sind ständig zum Betrieb der „Ausweichlösung“ vor Ort abkommandiert. Minister Jung sicherte in Konstanz dann auch zu, dass die Module mit Operationscontainern so lange zur Verfügung gestellt würden, wie es notwendig sei. Nach derzeitiger Planung soll Ende Januar 2009 wieder im Klinikum selbst operiert werden können, allerdings soll auch dies dann noch in einer Behelfslösung sein.
Schnelle Eingewöhnung im Feld-OP: Prof. Dr. Wolfgang A. Krüger, Chefarzt für Anästhesie im Klinikum Konstanz.
Foto: Zeitter
Für die Mitarbeiter war die Gewöhnung an das olivgrüne Arbeitsumfeld unproblematisch, wie Prof. Dr. Wolfgang A. Krüger, Chefarzt für Anästhesie, bestätigt. „Für mich persönlich war es schon ein seltsamer Start“, räumt er ein, das liege aber mehr daran, dass er selbst erst im Mai nach Konstanz gekommen sei und wenn dann nach wenigen Wochen der Arbeitsbereich ausbrenne, würde das den Start schon beeinträchtigen. Er habe aber gespürt, dass unter seinen Kollegen eine regelrechte Begeisterung aufgekommen sei und durch diese außergewöhnlichen Bedingungen sei das Personal näher zusammengerückt. Selbstverständlich, so räumt Prof. Dr. Krüger ein, merke man, dass man in einem Container arbeite. Besonders, so ist im Konstanzer Klinikum zu hören, seien die Arbeitsabläufe in vielen Bereichen anders. Im Bereich der Anästhesie sei es beispielsweise der Umstand, dass in den Containern kein Narkosegas eingesetzt werden könne, wie es im festen Operationssaal üblich war. Zwischen dem Hauptgebäude des Klinikums und dem MOPZ liegen einige hundert Meter.
Die Patienten müssen zusätzlich mit einem Fahrzeug transportiert werden. Für das Personal bedeutet dies, dass es öfter zupacken muss, wenn die Patienten zur oder von der Operation kommen. „Ich merke, dass wir eine viel höhere körperliche Belastung hier haben“, berichtet Wolfgang Krüger und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Ich habe in den letzten Wochen mehr Patienten getragen als vorher.“
Der Einsatz der Bundeswehr hat sich in Konstanz aber auch noch aus einem ganz anderen Blickwinkel gelohnt, denn er brachte die Bundeswehr zurück in das Stadtbild. Dass dort die Uniformen der Bundeswehr längst verschwunden waren, bewiesen Kinder auf dem Klinikgelände, die die Soldaten, die ihren Minister begleiteten, konsequent mit einem freundlichen „hallo, Herr Polizist“ grüßten.
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