truppen.info: Truppe: Sanitätsdienst
jüngste Beiträge
Aus den Einsätzen
Sicherheitspolitik
Wir suchen Ihre Fotos
Linkliste
Link eintragen
Laufbahnportraits
Der Weg zum Offizier
Der Weg zum Unteroffizier
Dienstgradabzeichen
truppen.info-Quiz
Spiele
Downloads
Buchtipps
Für Webmaster

Action mit MYDAYS

 Sanitätsoffizieranwärter mit Grohe Preis ausgezeichnet
 Dr. Paul Wilhelm Elsinghorst erhält Preis für medizinische Chemie
Sanitätsoffizieranwärter Dr. Paul Wilhelm Elsinghorst.
Foto: Dirk Lojewski, SanKdo II
Diez (eb) [22.11.08]. Im September erhielt der 27-jährige Sanitätsoffizieranwärter Dr. Paul Wilhelm Elsinghorst für die wichtigen Ergebnisse seiner Doktorarbeit, aus der zwei Publikationen im Journal of Medicinal Chemistry hervorgegangen sind, eine bedeutende Auszeichnung: den mit 2.000 Euro dotierten Klaus-Grohe-Preis für medizinische Chemie. Anlässlich der 125. Vollversammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Tübingen präsentierte er seine Arbeiten in einem Kurzvortrag „Des Pudels Kern – Bifunktionale Cholinesterase-Inhibitoren: Anwendungen in Pharmakologie und Histologie des Morbus Alzheimer“. Leutnant Dr. Elsinghorst ist Angehöriger des Sanitätskommandos II und studiert an der Universität Bonn Lebensmittelchemie.
Im Juli 2000 trat Leutnant Dr. Elsinghorst in die Bundeswehr ein und absolvierte seine Grundausbildung beim Sanitätsregiment 5 in Rennerod. Nach erfolgreicher Vorausbildung nahm er im April 2001 sein Pharmaziestudium in Bonn auf und legte 2005 sein 2. Staatsexamen ab. Im Anschluss an das darauf folgende praktische Jahr erlangte er 2006 seine Approbation als Apotheker und begann im Wintersemester desselben Jahres mit dem Studium der Lebensmittelchemie. Neben dem Studium arbeitet und forscht er seit dem Jahr 2003 am Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn und wurde im Januar 2007 an der Naturwissenschaftlichen Fakultät promoviert. Zur Zeit absolviert Leutnant Dr. Elsinghorst das 1. Staatsexamen der Lebensmittelchemie und führt die in seiner Doktorarbeit begonnen Arbeiten fort.

Können Sie kurz erläutern, für welche Arbeiten Sie die Auszeichnung erhalten haben?
In meiner Doktorarbeit habe ich mich mit der Herstellung, also der chemischen Synthese und Untersuchung von Cholinesterase-Inhibitoren beschäftigt. Um die Bedeutung dieser Cholinesterase-Inhibitoren besser zu verstehen müssen wir einen genaueren Blick auf unser Gehirn werfen. Im Gehirn breiten sich Reizsignale entlang der Nervenzellen elektrisch aus. Von einer Nervenzelle zur nächsten kann der Strom nicht fließen, die Zellen sind quasi isoliert. Hier gibt es ein kleines chemisches Molekül, das Acetylcholin, das die Verbindung zwischen beiden Nervenzellenden herstellt und den Reiz weiterleitet. Hätte man dauernd dieses Molekül zwischen den Nervenzellenden, würde dies zu einer Dauererregung der mit den Nerven verbundenen Organe auslösen. Um das zu verhindern gibt es Enzyme, sogenannte Cholinesterasen, die das Acetylcholin zwischen den Nervenzellenden nach kurzer Zeit wieder abbauen. Inhibitoren, d.h. Hemmstoffe dieser Enzyme verlängern oder verstärken die Reizweiterleitung, da das Acetylcholin länger erhalten bleibt. Besonders starke Hemmstoffe der Cholinesterasen sind viele Nervenkampfstoffe.
Betrachtet man Alzheimer-Patienten, so beobachtet man bei ihnen, dass die Nervenzellen, die das Acetylcholin produzieren und darüber kommunizieren, absterben. Gegen das Absterben der Nervenzellen kann man bislang nichts unternehmen. Aber man kann die Menge des vorhandenen Acetylcholins aufrechterhalten oder erhöhen, indem man die das Acetylcholin abbauenden Cholinesterasen, genau genommen die sogenannte Acetylcholinesterase, hemmt. Ziel meiner Arbeiten war es weitere Inhibitoren der Cholinesterasen herzustellen, die bestimmte Eigenschaften dieser Enzyme ausnutzen und besonders wirksam sind. Diese Moleküle können benutzt werden um die vielfältigen Vorgänge rundum die Alzheimer-Erkrankung näher zu erforschen. Leider kann unser Gehirn den Verlust vieler Nervenzellen lange Zeit kompensieren, sodass es bei der Diagnose von Alzheimer meist für eine heilende Therapie zu spät ist. In den vergangenen zwei Jahren habe ich daher das Spektrum meiner Cholinesterase-Inhibitoren um solche erweitert, die in Zukunft bei der Diagnose dieser Erkrankung behilflich sein können. Hierfür und für die daraus hervorgegangenen wissenschaftlichen Publikationen habe ich den Klaus Grohe Preis erhalten.

Wie haben Sie sich auf die Preisverleihung vorbereitet?
Am Tag der Verleihung des Preises sollte ich einen Vortrag vor der 125. Vollversammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Tübingen halten. Da im Auditorium größtenteils keine Chemiker zu erwarten waren, musste der Vortrag allgemein verständlich, aber nicht zu populärwissenschaftlich sein. Ich habe versucht auf möglichst viele Fachbegriffe zu verzichten. Bei 10 Minuten Redezeit war es schwierig die Arbeit vieler Jahre in 7 Folien zu konzentrieren. Wie sooft habe ich einen Teil meines Sommerurlaubs genutzt um mich und den Vortrag vorzubereiten. Den letzten Schliff hat dann eine Generalprobe vor meinen Kollegen gebracht.

Wie haben Sie den Tag der Preisverleihung erlebt?
Ich bin mit meiner Familie nach Tübingen gefahren und wir haben ausreichend Zeit mitgenommen um die Stadt und Umgebung näher anzuschauen. Während meine Schwiegereltern auf unsere Tochter aufgepasst haben, sind meine Frau und ich zur Festveranstaltung gegangen. Im großen Hörsaal angekommen, habe ich letzte Absprachen zum Ablauf getroffen, dann hat der Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker, Professor Dr. Klaus Müllen, die Sitzung eröffnet. Während der Festsitzung verlieh die Gesellschaft Deutscher Chemiker vier Preise, zwei der Ausgezeichneten hielten einen Vortrag. Als ich den Preis verliehen bekam, da hatte ich schon Herzklopfen. Mein Doktorvater hielt die Laudatio, d.h. er stellte meinen wissenschaftlichen Werdegang vor, und anschließend wurde der Text der Urkunde verlesen. Mehr noch habe ich mich aber gefreut, als ich den Brief im Briefkasten hatte, dass ich den Preis erhalten werde. Im April 2008 kam unsere Tochter zur Welt und genau einen Tag später habe ich erfahren, dass mir der Klaus-Grohe-Preis verliehen wird. Das waren zwei rasante Tage im Frühjahr. Während der Festsitzung war ich dann einfach nur stolz und aufgeregt. Ich sollte ja einen Vortrag halten, und wusste, dass Nobelpreisträger im Auditorium sitzen. Vor 350 Personen sprechen, das ist nicht alltäglich für mich. Doch nach dem Vortrag trat eine gewisse Grundzufriedenheit ein. Es gab regen Applaus, und ich hatte den Eindruck, dass es dem Auditorium gefallen hat.

Wie reagiert Ihr Umfeld auf die Preisverleihung?
Meine Kollegen haben sich alle für mich gefreut. Preisträger machen sich gut, wenn es darum geht Forschungsgelder für neue Projekte zu erhalten. Es haben alle etwas davon.
Meine Familie freut sich natürlich auch. Meine Frau weiß, dass ich, insbesondere vor der Geburt unserer Tochter, für meine Arbeit gelebt habe und jedes Wochenende in der Uni verbracht habe. Man muss in der Forschung viel Geduld mitbringen. Es dauert meist mehr als fünf Jahre bis man erste Früchte seiner Arbeit ernten kann. Während dieser Zeit hat sie viel zurückgesteckt, doch sie freut sich jetzt umso mehr, dass meine Arbeit honoriert wird.

Wie sieht Ihre weitere Zukunft aus?
Leider gibt die Bundeswehr die meisten ihrer Forschungsprojekte nach außen. Es gibt allerdings ein paar Institute, bei denen ich mich auch nach dem Studium mit meinen vielseitigen wissenschaftlichen Fähigkeiten einbringen könnte. Ich hoffe, dass auch die Bundeswehr die erforderliche Flexibilität aufbringt mich in meinen Fähigkeiten zu fordern. Als ich mich im Alter von 19 Jahren bei der Bundeswehr verpflichtet habe, konnte ich nicht wissen wie sehr mir die Wissenschaft ans Herz wachsen wird.

Was war Ihre Motivation für die Laufbahn der Sanitätsoffiziere?

Mein Großvater war bei der Handelsmarine und während des 2. Weltkriegs U-Boot Kommandant. Seine Geschichten haben mir als Kind den Floh ins Ohr gesetzt: „Geh zur Marine; werde U-Boot Kapitän.“ Als ich mich später mit der Bundeswehr und dem Ziel Kapitän zu werden beschäftigt habe, ist mir bewusst geworden, dass ich dort auch studieren kann, besser gesagt soll. Mit den Fächern, die ich als Offiziersanwärter in der Marine hätte studieren sollen, konnte ich damals überhaupt nichts anfangen. Elektrotechnik oder Politik- und Staatswissenschaften, das war nichts für mich. Trotzdem fand ich die Bundeswehr sehr attraktiv und habe mich für die Fachrichtung Pharmazie/Lebensmittelchemie beworben. Diese Studienentscheidung habe ich nie bereut.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Beruflich wünsche ich mir, noch lange in der präparativen medizinischen Chemie arbeiten zu können. Ich möchte noch viele Moleküle entwerfen und eines Tages in den Händen halten können. Der Anblick meiner Kolben, Kristalle die wachsen und der Erforschung verschiedener Erkrankungen weiterhelfen können faszinieren mich.
Das Gespräch führte Major Matthias Frank
Anzeigen
120x240allschecks.jpg
my photobook
flugle.de - Billigflüge kombinieren
Ihre Werbung hier?
   Diese Seite empfehlen     
Sitemap    Archiv    Impressum    Kontakt 
  (c) 2005 by www.truppen.info
Anzeige