München/Ulm (eb) [01.03.07]. Das Institut für
Radiobiologie der Bundeswehr und die Universität Ulm besiegelten
in einer akademischen Feierstunde offiziell eine neue zivil-militärische
Zusammenarbeit. „Damit tritt die bisherige Zusammenarbeit
des Bundeswehrkrankenhauses Ulm und der Medizinischen Fakultät
der Universität in eine neue Phase ein“, betont Prof.
Dr. Reinhard Marrre, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums
Ulm. Und für den Sanitätsdienst der Bundeswehr stellt „der
Kooperationsvertrag mit der Universität Ulm einen Meilenstein
in der wehrmedizinischen Forschung dar“, unterstreicht Generalstabsarzt
Dr. Hartmut Siebertz, Amtschef des Sanitätsamtes der Bundeswehr.
Er ergänzt: „Neben der durch den Ressortauftrag vorgegebenen
spezifisch wehrmedizinischen Aufgaben kann das Institut zudem
seine wissenschaftliche Expertise erhalten und vermehren.“
Im Zentrum der Vereinbarung des Bundesministeriums der
Verteidigung mit der Universität Ulm steht die Vernetzung
des Instituts für Radiobiologie der Bundeswehr mit der universitären
Tätigkeit. Ziel ist es, mit interdisziplinären Forschungsprojekten
die Wirkung von Strahlung auf Zellen und Organen zu untersuchen,
um so die Diagnose und Behandlung strahlenexponierter Patienten
zu verbessern.
Beide Partner bündeln in der Kooperation ihre vorhandenen
speziellen Kenntnisse und Fähigkeiten. Beispielsweise soll
die Dokumentation von Krankheitsverläufen bei durch Strahlenunfälle
geschädigten Personen weiter entwickelt werden. „Die
Auswertung gibt uns neue Erkenntnisse über Krankheitsverläufe
und den Erfolg einzelner Therapieansätze“, erklärt
Prof. Dr. Dr. Theodor Fliedner, Leiter der Arbeitsgruppe Strahlenmedizinische
Forschung der Universität Ulm. Des weiteren ist die Entwicklung
eines Laborcontainers geplant, der bei Strahlenunfällen eingesetzt
werden kann, um von Anfang an professionelle medizinische Hilfe
leisten zu können. „Für die richtige Behandlung
von Strahlenopfern ist es entscheidend, das Ausmaß der Schädigung
von Zellen und Organen schnell zu erkennen“, erläutert
Prof. Fliedner.
Auch der Leiter des Institutes für Radiobiologie, Oberstarzt
Priv.-Doz. Dr. Viktor Meineke, spricht von zukünftigen Synergieeffekten
der Kooperation. „Für meine Mitarbeiter und mich ist
der Titel nicht nur eine Auszeichnung, sondern Ansporn und Aufforderung,
die Partnerschaft mit Leben zu füllen“, verspricht
er.
Das Institut für Radiobiologie der Bundeswehr in München
gehört zum Kommandobereich des Sanitätsamtes der Bundeswehr.
Auftrag des Institutes ist die Einsatzunterstützung, Beratung
und Begutachtung sowie die Lehre und Ausbildung zur Erhaltung
und Wiederherstellung der Gesundheit von Soldaten und Soldatinnen
im Falle der Einwirkung von ionisierenden Strahlen oder radioaktiven
Stoffen. Wissenschaftliches Arbeiten auf höchstem Niveau
ist eine wesentliche Voraussetzung für die Kompetenz des
Instituts bei speziellen diagnostischen Untersuchungen und bei
der Beratung von Entscheidungsträgern und kurativ tätigen Ärzten.
Die Kooperation mit der Universität Ulm soll dazu beitragen,
diesem Auftrag zukünftig noch besser gerecht werden zu können.
Direkt im Anschluss an die Feier zur offiziellen Aufnahme
der Partnerschaft beginnt im Wissenschaftszentrum Schloss Reisensburg
eine Konsensus-Tagung internationaler Experten auf dem Gebiet
der Strahlenmedizin. Im Mittelpunkt des dreitägigen Forums
steht die Europäische Vereinigung für Blut- und Knochenmarkstransplantation
(EBMT – European Group for Blood and Marrow Transplantation).
Die Organisation vertritt knapp 500 Krankenhäuser in ganz
Europa, die alle auf die Behandlung von Leukämien spezialisiert
sind. Ihr Wissen und ihre Erfahrung sollen in Zukunft auch strahlengeschädigten
Patienten zu Gute kommen. Deshalb wird eine europaweit standardisierte
Fortbildung für Ärzte zum Thema Strahlenkrankheit erarbeitet.
(PIZ Sanitätsdienst der Bundeswehr) |