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„'Know how' dazu gewinnen“ |
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Generalleutnant Johann-Georg Dora im Gespräch über Reservistenarbeit |
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Die
Transformation der Bundeswehr hat seit einiger Zeit auch die Reserve
erfasst. Ein Großteil nichtaktiver Verbände ist aufgelöst
und viele Reservisten ausgeplant worden. Wie geht es nun weiter?
Es
ist klar und das wird auch so verstanden, dass sich die aktive Truppe
wie auch die Reserve der Transformation stellen muss. Die Reserve
muss umgestellt werden, weniger Truppe wird benötigt. Was wir
jetzt praktisch brauchen, ist ein anderer Typus von Reservist. Wir
brauchen also weniger die Art einer Heimatschutzreserve. Sondern
wir benötigen jetzt den Reservisten als Spezialisten, ob in
den Einsätzen oder auch zu Hause, um die Löcher zu stopfen,
die durch die mehrmonatigen Auslandeinsätze entstehen.
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Generalleutnant Johann-Georg Dora
Fotos: Kai Mörk, WBK IV-PIZ
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Der Vorwurf ist oftmals,
dass durch diese Art der Transformation die Bundeswehr zu viele
gute und qualifizierte Reservisten verlieren würde. Haben Sie
keine Sorge, dass der Truppe zu viel gutes „Know how“ abhanden
kommt? |
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Genau das Gegenteil ist der Fall. Wir verlieren nicht
so viel an „Know how“, sondern wir gewinnen eher an „Know
how“. Bisher haben wir nicht sonderlich viel Wert auf die erworbenen
zivilen Qualifikationen der Reservisten gelegt. Wir haben nur auf das
aufgebaut, was sie irgendwann mal in ihrer aktiven Dienstzeit bei der
Bundeswehr gelernt haben und sie nur für diesen Zweck eingesetzt.
Mittlerweile legen wir höchstes Gewicht darauf, wie der Reservist
sich im Zivilleben weiterentwickelt hat, welche besonderen Qualifikation
er im Laufe seines beruflichen Werdegangs erworben hat. Diese versuchen
wir in der Bundeswehr zu nutzen, da wir an vielen Stellen immer wieder
auf Spezialwissen und Spezialkenntnisse zurückgreifen müssen,
die in der Bundeswehr zum Teil nur rudimentär oder überhaupt
nicht vorhanden sind. |
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In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, inwieweit
die Reserve in Zukunft attraktiv bleibt und über ausreichendes
Personal verfügt. Gibt es dafür ein schlüssiges
Konzept? |
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Wir
werden auch in der Reserve mit dem Demographiefaktor zu kämpfen
haben. Das geht aber allen so, im militärischen wie auch im
zivilen Bereich. Auch wird es wie in anderen Bereichen ebenso schwierig
werden, Spezialisten zu finden. Wo wir in Zukunft noch mehr tun
müssen, ist beim Verständnis des Arbeitgebers für
die Aufgabe des Reservisten, damit der Reservist auch frei gestellt
und zur Verfügung gestellt wird. Da liegt aber noch ein weites
Feld vor uns und das lässt sich nicht allein durch Appelle
an den Patriotismus lösen. In diese Richtung muss vor allem
das Parlament, Gesetzgeber Überlegungen anstellen, wie man
Anreize für Unternehmen schafft, um Reservisten freizustellen. |
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Eine militärische „Charmeoffensive“ für
Unternehmer ist also nicht geplant? |
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Doch, wir versuchen
Verständnis zu erwecken. Wir reden mit Unternehmern und den
entsprechenden Verbänden. Aber alleine der Hinweis darauf,
dass es notwendig ist, weiterhin Reservisten zu haben wird nicht
ausreichen. Da wird man noch andere Anreize schaffen müssen. |
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Der Bereich Auslandseinsätze
ist mittlerweile eng mit dem Begriff Reserve verbunden? Die aktive
Truppe ächzt immer mehr unter der hohen Einsatzbelastung. Ist
das ein Punkt, der Reserve eine noch bedeutendere Schlüsselrolle
zukommen zu lassen? |
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Die Reservisten
hatten und haben ihre Bedeutung, vor allem auch in den Einsätzen,
wenn es um Spezialisten geht, deren Spezialbereiche wir selber nicht
abdecken können. Wir sind aber beileibe nicht am Limit, wenn
wir rund 7.000 Soldaten im Einsatz, aber 250.000 deutsche Soldaten
im Inland zur Verfügung hätten. Natürlich sind es
nicht nur die 7.000 Soldaten, die wir im Einsatz haben. Wenn man
alle Verpflichtungen wie auch die Vor- und Nachbereitungen einrechnet,
sind wir schnell bei über 40.000 Soldaten, die wir für
den Einsatz bereithalten müssen. Aber selbst dieses Verhältnis
reicht eigentlich noch nicht aus, um zu behaupten, dass wir personell
am Anschlag sind. Wenn das der Fall wäre, würden wir organisatorisch
etwas falsch machen. Ich gebe aber zu, dass wir in gewissen Spezialistenbereichen
wie IT-Fachleute, Feldjäger oder Sanitäter tatsächlich
am Anschlag sind. Das sind Kenntnisse und Fähigkeiten, die
wir noch nicht in dem Maße angebildet haben, wie wir sie künftig
für die Einsätze brauchen. Da gibt es durchaus Engpässe. |
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(Das Gespräch führte Oliver Rolofs,
WBK IV -PIZ-) [15.10.07] |
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