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Ein
Zeltlager für Hartgesottene |
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Reservisten messen ihre Kräfte im nationalen Vergleich |
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Biwakromantik bei der Deutschen Reservisten Meisterschaft.
Fotos: Kai Mörk, PIZ WBK IV |
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Volkach
(eb/uz) [15.10.07]. Die gemütliche Stadt in der Mainfränkischen
Weingegend, die eine der jüngsten Kasernen der Bundeswehr beherrbergt,
war Schauplatz der diesjährigen Reservistenmeisterschaften. Viel
Arbeit machten sich die bayerischen Reservistenkameradschaften.
Um realistische und faire Wettkampfbedingungen zu schaffen, wurden
im
Raum Volkach die Wettkampfstationen intensiven Überprüfung
unterzogen. Neben klassisch militärischen Fertigkeiten wie dem Überqueren
von Gewässern oder dem Überwinden von Gewässern durch
Seilstege stehen auch ausgefallene Qualifikationen wie
der Umgang mit Medien im Einsatz oder die Beantwortung aktueller sicherheitspolitischer
Fragen auf dem Plan für die Wettkämpfe.
Siegreich war am Ende eine Mannschaft aus Baden. Wer aber
glaubt, dass die Reservisten getreu dem Motto „Reserve hat Ruh“ eine
ruhige Kugel geschoben haben, der irrt: |
Hauptmann der Reserve Frank Rotschedl hat sich für seine Aufgabe als
Stationsleiter ein elektronisches Leitungs-Suchgerät gekauft. „Das
benutze ich zum Absuchen der Ausrüstung nach verbotenen Gegenständen“,
sagt er. Das Reglement für den Nachtorientierungsmarsch bei den Deutschen
Reservistenmeisterschaften ist unbarmherzig. Die Mannschaften à fünf
Soldaten dürfen nur eine dienstlich gelieferte Bundeswehr-Taschenlampe,
einen Bundeswehr-Feldkompass sowie einen Kartenausschnitt
des Geländes
mitführen. Der Anzug ist ebenfalls exakt vorgeschrieben: Feldanzug
der Bundeswehr ohne Kopfbedeckung, dazu sind nur die dienstlich
gelieferten Kampf- oder Bergstiefel gestattet. Jede Abweichung von dieser
Norm führt
zum Ausschluss. „Erwischen wir jemanden nach der Befragung zum Beispiel
mit einem Knicklicht oder einem GPS-Gerät,
wird die Mannschaft disqualifiziert“, sagt Rotschedl mit hoheitlichem
Gesichtsausdruck. |
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| Reservisten geben Gas. |
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Der Nachtorientierungsmarsch
war die erste Wettkampfstation für die 33 Mannschaften aus ganz
Deutschland, die um die Deutsche Meisterschaft für Reservisten
kämpfen. Sie müssen in maximal zwei Stunden bis zu 15 Markierungspunkte
im nächtlichen Unterfranken anlaufen und können dabei bis zu 200 Wertungspunkte
sammeln. Für jede Minute, die eine Mannschaft nach erfolgreicher Punktesammlung
früher ins Ziel kommt, werden zwei Bonuspunkte gutgeschrieben. Kein Erbarmen
lassen die Regeln bei Verspätungen zu. Rotschedl: „Für jede angebrochene
Minute, die eine Mannschaft nach dem Ablauf von zwei Stunden später ins
Ziel kommt, werden 10 Punkte abgezogen. Nach spätestens zwei Stunden und
20 Minuten – gemessen ab dem Startzeitpunkt – hat die Mannschaft
keinen einzigen Punkt mehr.“ Damit es hierüber zu keinen Diskussionen
zwischen Schiedsrichtern und Mannschaftsführern kommen kann, wird die Zeit
digital und funkgesteuert gemessen. |
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| Der Wettkampf fordert alles von den Teilnehmern. |
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Start- und Zielpunkt des Wettkampfes ist ein kleines Feuerwehrgerätehaus
der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. Es wurde der Bundeswehr und
dem Reservistenverband
als Ausrichter kostenlos zur Verfügung gestellt. Vor der Halle, in der sonst
das Feuerwehrauto der Gemeinde steht, versammeln sich die Mannschaften und warten
auf ihren Aufruf. Um 21.00 Uhr startet die Mannschaft A 1 als erste – danach
folgen die anderen 32 im Zweiminutentakt. Zuvor wurden sie nach verbotenen Gegenständen
befragt und untersucht. Kontrolleur Stabsgefreiter Thomas Schmitt ist gewissenhaft. |
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Er zweifelt
die Rechtmäßigkeit einer mitgeführten Taschenlampe
an. Es ist eine Lampe aus NVA-Beständen. Da die Mannschaft
aus den neuen Bundesländern stammt, wird die Taschenlampe zugelassen.
In diesen Tagen kam es aber nicht nur durch die Wettkampfstationen zu merkwürdigen
Sichtungen in den Wäldern bei Volkach. Hier und da berichten Passanten von
Schatten, die durch das Geäst huschen oder Rauchschwaden, die durch die
Wipfel dringen. Und doch macht es keinem der Bewohner Angst. Sie wissen genau,
was dort im Gebüsch passiert! |
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| Die Kulisse Mainfrankens. |
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Den Einwohnern
ist längst bekannt, dass hier in der Nähe der Mainfrankenkaserne
die Reservistenkameradschaften aus Hof, Naila und Rothenkirchen
ein Biwak betreibt wird. Professionell ausgerüstet mit zwei großen
Zelten, die jeweils bis zu 30 Mann Platz bieten und einem Stromaggregat
samt Feldheizung, haben sie ihr Lager freiwillig auf einer
Lichtung aufgeschlagen. Der Ausblick über die leicht hügelige
Landschaft ist zur Morgen- und Abendstunde traumhaft. Nur wenige
Meter vom Hauptzelt
entfernt ordnen die Reservisten ein paar kleinere Zelte in
Kreisform um eine Feuerstelle herum an. „Der zweite Platz hat
sich spontan angeboten“, erklärt Stabsfeldwebel der Reserve
Jürgen
Knieling, im zivilen Leben Bankfachwirt. In den kleinen Zelten
schlafen die Kameraden, während das große zum Verpflegen
und Besprechen dient. Davor steht ein Zweitonner LKW, mit dem
sie die Ausrüstung
transportieren. Jürgen Knieling ist seit 1981 in der RK und hat
den Weg dorthin über Freunde des Militärsports gefunden. |
„Mittlerweile unterstützt
mich meine Frau. Auch wenn sie anfänglich gezögert hat. Doch
nun ist sie es gewohnt, mich für eine Woche draußen ins Gelände
fahren zu lassen. Auch meine Kinder sind begeistert“, berichtet er
stolz. Seine sechzehn Kameraden genießen zu Hause vergleichbare Resonanz.
Somit steht den häufigen Treffen nichts im Wege. Die drei RK aus Hof,
Naila und Rothenkirchen veranstalten zusammen jährlich mindestens
ein Sommer- und ein Winterbiwak, in denen sich das perfekt
eingespielte Team im Gelände erholt. „Der Dienstgrad hat hier
keine Bedeutung. |
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| Militärisches Können ist gefragt. |
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Jeder Einzelne
hat seinen Aufgabenbereich, dem er nachkommen muss und will. Das macht
die besondere Atmosphäre in unserer Gruppe aus“, resümiert
Hauptgefreiter d.R. Markus Hohberger.
Wenn sich die
Gelegenheit bietet, dann leitet einer der Freunde auch eine militärische Ausbildung.
Somit erinnert außer der Uniform auch der Tagesplan etwas an die „alten
Zeiten“ in der Bundeswehr. Heute morgen etwa packten sie je 30
Kilo Gepäck und marschierten mehrere Kilometer durch die Wälder.
Im letzten Jahr hatte die Gruppe im Landschaftswettkampf in Bayreuth
die Station „Objektschutz“ geführt, was ihnen allen
sehr viel Spaß gemacht hat. Doch auch als Teilnehmer haben sie
Veranstaltungen in der Vergangenheit besucht. Mit Langeweile haben sie
also nicht zu kämpfen. Neben dem Anreiz, den Alltagskreislauf zu
durchbrechen und neue Erfahrungen fernab des Berufs zu sammeln, ist die
Kameradschaft der gemeinsame Nenner, der die Freunde wie ein Magnet zusammenhält.
Die Kraft, die sie aus dem Zusammenkommen schöpfen, vergrößert
sich von Mal zu Mal.
Beeindruckt von den Leistungen zeigte sich auch der stellvertretende
Generalinspekteur der Bundeswehr Generalleutnant Johann-Georg Dora. Bei
seinem Besuch der Deutschen
Reservistenmeisterschaften 2007 äußert er sich über das Verhältnis
der Bundeswehr zu ihren Reservisten und fordert von der Politik mehr Anreize
für Unternehmen zu schaffen, um Reservisten für Wehrübungen freizustellen. |
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