Eckernförde (uz) [15.03.10].
Ungewöhnliche Flottenaktivitäten fanden an diesem trüben
März-Tag vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste statt.
Mehrere Boote und Schiffe verschwammen fast mit dem Grau des Himmels.
In der Eckernförder Bucht erwartete die Besatzung der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ die
Landung eines Hubschraubers: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu
Guttenberg wurde zu seinem Antrittsbesuch bei der Marine erwartet.
Die hatte sich ein vielseitiges Programm ausgedacht, um ihrem Vorgesetzten
einen repräsentativen Einblick in die Tätigkeitsfelder zu
geben.
Pünktlich landete die Maschine vom Typ Seaking und der Minister
begab sich zunächst in einen Marathon von Briefings und Einweisungen.
Die Konteradmirale Heinrich Lange (Chef des Stabes im Führungsstab
der Marine) und Axel Schimpf (Chef des Marineamtes) sowie Vizeadmiral
Hans-Joachim Stricker (Befehlshaber der Flotte) stellten zu Guttenberg
ihre Dienststellen, Aufgabenbereiche und deren aktuelle Veränderungen
vor. Im Minister hatten sie mehr als nur einen aufmerksamen Zuhörer
vor sich: Er bewies ein großes Interesse und auch bereits Fachwissen über
die Marine und hakte immer wieder bei Einzelpunkten nach, um seinen Überblick
zu komplettieren. Besonders im Bereich von Personal- und Ausbildungsfragen
hakte zu Guttenberg nach, um Sachstände zu erfahren. Aber auch
zur Einsatzbelastung der Flotte hatte er zusätzlichen Wissensbedarf.
Deren Befehlshaber, Admiral Stricker, nutzte die Gunst des letzten
Vortragenden, um das Programm der folgenden praktischen Vorführungen
vorzustellen. „Wann hat man schon einmal die Chance, den Minister
einzunorden“, scherzte Stricker.
Was zu Guttenberg dann auf der Brücke von „seiner“ Flotte
geboten bekam, war ein durchaus repräsentativer Querschnitt durch
die Einsatzanforderungen und das Fähigkeitsspektrum:
Zunächst wurde im Szenario „Minensprengung“ die Vernichtung
von Kampfmitteln demonstriert. Gerade im Seegebiet der Ostsee stellen
noch immer zahlreiche Kampfmittel eine Bedrohung für die Schifffahrt
dar. Die Marine führt aber, so erfuhr zu Guttenberg vorher, aktuelles
Kartenmaterial zur Bedrohung. Auf Anfrage wird dieses auch zur Verfügung
gestellt. Außerdem sei die Marine derzeit dabei, ähnliches
Material für die deutsche Nordseeküste zu erstellen. Dies
sei nicht nur durch die dort entstehenden Windparks von zunehmender
Bedeutung.
In einem weiteren Szenario wurden die Aktivitäten bei der Überwachung
und Kontrolle eines Seegebiets vorgestellt. Diese Aufgaben übernimmt
die Marine in den meisten ihrer Missionen. Exemplarisch wurde ein Schiff
durch ein Schnellboot begleitet und durch einen Bordhubschrauber wurde
ein so genanntes Boarding-Team zur Kontrolle von Schiff und Ladung
an Bord gebracht.
Nur ein paar Minuten später sah sich der Minister bereits im nächsten
Szenario zwei speziellen Aufklärungsmittel der Marine gegenüber.
Mit dem Flottendienstboot „Oste“ und einem Uboot der modernen
Klasse 212A können wichtige Informationen über den Operationsbereich
gesammelt werden.
In aller Munde und auch im Bewusstsein dürfte die Abwehr von Piraten
bei den Besuchern gewesen sein. Spätestens durch den Einsatz des
Bordhubschraubers der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ konnte
der Angriff vereitelt werden. Insbesondere durch die Mission Atalanta
im Golf von Aden sind die gezeigten Manöver in das Interesse der Öffentlichkeit
gerückt.
Nachdem sich der Minister und seine Begleiter bei einem vorgezogenen „Seemannssonntag“,
einer traditionellen Kaffeerunde, die eigentlich donnerstags einen
festen Platz im Tagesablauf hat, gestärkt hatte, stand ein letztes
Szenario für viel Fingerspitzengefühl auf dem Programm. Die
Besatzung des Tenders „Rhein“ hatte ein Präsent für
den Minister vorbereitet. Für das Übergabemanöver kam
das Versorgungsschiff, das vorher schon als Angriffsziel für Piraten
und als zu durchsuchendes Schiff für die Boarding-Operation gedient
hatte, der Fregatte ganz nahe. Wie bei einem großen Versorgungsmanöver
galt es, Tender und Fregatte in Geschwindigkeit und Kurs zu 100% aufeinander
abzustimmen, um den Postbeutel an einer Leine überwechseln zu
lassen.
Sichtlich beeindruckt bestieg der Minister nach diesem durchaus
außergewöhnlichen und sehr truppennahen Antrittsbesuch wieder
einen Bordhubschrauber.
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