Dresden (uz) [07.12.09]. Mit dem weißen Hemd und
mächtigen goldenen Streifen auf der Schulterklappe fällt
Tim Gabrys in der Offizierschule des Heeres in Dresden auf. „Was
machen sie bei uns?“ ist eine Frage, die dem Fregattenkapitän
fast im Minutentakt gestellt wird. Mehrmals jährlich, so
erklärt der Marineoffizier den Neugierigen, sei er an der
Schule zu Gast, um im Rahmen von TSK-Infotagen (TSK=Teilstreitkraft)
teilzunehmen. Er stellt dabei den zukünftigen Führungskräften
des Heeres, der größten Teilstreitkraft der Bundeswehr,
die Marine, die kleinste Teilstreitkraft, vor. An diesem Infotag,
der nach Abschluss der bewertungsrelevanten Teile des Offizierlehrgangs
kurz vor der Abreise liegt, kommt natürlich auch die Luftwaffe
zu Wort. Die drei Offizierschulen in Dresden (Heer), Mürwik
bei Flensburg (Marine) und Fürstenfeldbruck bei München
(Luftwaffe) praktizieren so einen regen Austausch.
Zu den eigentlichen Aufgaben von Gabrys gehört diese Referententätigkeit
nicht. Er habe das aber durchaus forciert, weil es aus seiner
Sicht sehr wichtig sei, blickt der Marineoffizier zurück,
der diese Vorträge bereits seit einigen Jahren für die
Marine übernimmt. Die Aufgabe sei durch dieses Engagement
auch gleich bei ihm auf dem Schreibtisch gelandet, schmunzelt
Gabrys. Er selbst genießt den Blick in die anderen Offizierschulen
auch für seine persönliche Weiterbildung und den Austausch
von Informationen. Seine ganz persönliche Heeres-Expertise
bringt er am Anfang seiner Unterrichtsstunde ein: „Ich bin
in Clausthal geboren, bin mit einem Jahr nach Ebern gezogen und
später nach Lütjenburg, was war mein Vater von Beruf?
Richtig! Heeresoffizier.“
Die einzelnen Soldatinnen und Soldaten, die zu diesem
Zeitpunkt noch uninteressiert sind, hängen spätestens
nach einem kleinen Werbefilm zum Thema „Kommandant“ aus
einer Brauerei, die nahe der Marineschule beheimatet
ist, an den Lippen des Fregattenkapitäns. Er hat aber nicht
nur Filme im Gepäck, sondern auch aktuelle Informationen
zu den Einheiten und Aufgaben der deutschen Marine. Vor
allem bei der Einsatzbelastung,
beziehungsweise den durchschnittlichen Abwesenheitszeiten
auf See, werden die Offizieranwärter des Heeres hellhörig. Über
die fast schon abschreckend große Zahl von Seetagen trösten
die Offizieranwärter auch die romantischen Bilder von Schiffen
im Sonnenuntergang nicht hinweg. Die Fragen, die aus
dem Plenum an Fregattenkapitän Gabrys gerichtet werden, sind
vielfältig.
Sie reichen thematisch vom Segelschein über den Ablauf der
Ausbildung bis hin zu Einschränkungen an den Waffensystemen
durch die klimatischen Situationen in den aktuellen Einsatzregionen
der Marine. |