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Weihnachtlich läuft das Schnellboot Zobel in den Hafen von
Limassol ein
Foto: Fischer (PIZ Marine) |
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Kiel / Wilhelmshaven / Eckernförde
(eb) [20.12.08]. Deutschland bereitet sich aufs Weihnachtsfest
vor. Die meisten Innenstädte sind festlich geschmückt. Grüne
Tannenzweige, rote und goldene Kugeln dominieren die Dekorationsvielfalt,
helle Beleuchtungen bringen Licht in die langen Nächte des Dezembers.
Fast alle Deutschen freuen sich auf das besinnliche Fest. Alle wollen
mit ihren Familien feiern. So auch die Männer und Frauen der
Deutschen Marine. Gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest werden
es die Besatzungen des Tenders "Rhein" und des Minenjagdbootes "Dillingen" in
ihren Heimathafen Kiel schaffen. "Wir hatten nach unserem Auslaufen
aus Neapel durchgängig schlechtes Wetter", sagt Korvettenkapitän
Sönke Fuhrmann, Kommandant des Tenders "Rhein". Sein
Schiff gehörte zusammen mit der "Dillingen" einem NATO-Minensuchverband
im Mittelmeer an. Auf der knapp 12.000 Seemeilen langen Reise - das
sind rund 21.600 Kilometer - besuchten die Marinesoldaten zwölf
Häfen, darunter Lissabon, Toulon, Alexandria und Piräus.
Fuhrmann sagt: "Wir haben jetzt auf unserer Rückfahrt Windstärken
zwischen sieben und neun Beaufort. Das ist ein sehr kräftiger
Sturm. Rund die Hälfte meiner Besatzung litt unter Seekrankheit.
Deshalb konnten wir unseren Zeitplan nicht einhalten und kommen verspätet
nach Kiel." Das Schiff befindet sich gerade in der Biskaya, die
ebenfalls für ihre Herbststürme berüchtigt ist. "Jetzt
beißen wir aber die Zähne zusammen. Alle wollen zum Fest
nach Hause", so der 38-jährige Kommandant. Er selbst will
mit Frau und Tochter bei seinen Schwiegereltern in Flensburg Weihnachten
feiern. "Die Geschenke habe ich in diversen Auslandshäfen
besorgt", sagte Fuhrmann am Mittwoch über Satellitentelefon.
Er hoffe, am Sonntag nach der fünfeinhalb Monate dauernden Abwesenheit
in Kiel einlaufen zu können. |
In
den Stützpunkten der Deutschen Marine sind die dort liegenden
Schiffe bereits weihnachtlich geschmückt. So zum Beispiel
in Wilhelmshaven in der vierten Einfahrt am Heppenser Groden.
Die Besatzung der Fregatte "Bayern" hat einen Weihnachtsbaum
auf dem Flugdeck aufgestellt. Einige Meter weiter liegt ebenfalls
an der Westkaje die Fregatte "Niedersachsen" und an
der Scharnhorst-Brücke die Fregatte "Augsburg".
Auch bei ihnen wurden auf den Flugdecks am Heck der grauen Schiffe
weihnachtlich geschmückte Tannenbäume aufgestellt. Das
ist die Standarddekoration für die Marineschiffe. Immer wieder
gibt es jedoch auch Besonderheiten: Das Schnellboot "Zobel" aus
Rostock-Warnemünde hat zum Beispiel jedes Jahr die Radarkugel
mit einer riesigen rot-weißen Weihnachtsmannmütze dekoriert.
Auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" knüpften
die Seeleute ein Kunstwerk aus grünem Seil - bei der Marine
heißt das Tampen. Als Dekoration wurden weiße Lappen
benutzt, die sollen den Schnee darstellen. Es entstand in stundenlanger
Detailarbeit ein Weihnachtsbaum der besonderen Art, der über
dem Mitteldeck am Mast hängt.
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Weihnachtsbaum aus Tampen auf dem Segelschulschiff "Gorch
Fock".
Foto: Denguth (PIZ Marine) |
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Solchen und ähnlichen
Weihnachtsschmuck gibt es nicht nur in den Heimathäfen, sondern
auch auf den Schiffen im Einsatz. Rund 600 deutsche Marinesoldaten
werden in diesem Jahr nicht bei ihren Familien sein können.
Dazu gehören die Besatzungen der Fregatten "Karlsruhe" und "Mecklenburg-Vorpommern" die
am Horn von Afrika unterwegs sind. Auch der Tender "Elbe" sowie
die Schnellboote "Dachs" und "Hermelin" verbringen
Weihnachten fern der Heimat - vor der Küste des Libanons.
Sie werden ein Weihnachtsfest nur mit den Kameraden verbringen.
Die Besatzung der "Mecklenburg-Vorpommern" verbringt
Heiligabend auf See in ihrem Einsatzgebiet. Die Soldaten erhalten
Geschenke und Weihnachtspost ihrer Angehörigen. Gefeiert
wird im Kreis der Kameraden. Das Schiff ist festlich geschmückt
und trotz des Einsatzes kommt besinnliche Weihnachtsstimmung auf. "Die
Kameradschaft ist toll - wir sind ein zusammengeschweißtes
Team, das entschädigt für die Entbehrungen", sagt
der 23-jährige Oberbootsmann Maximiliam D. Für diese
Einstellung gibt es Lob vom Befehlshaber der Flotte. Vizeadmiral
Hans-Joachim Stricker reist zwei Tage vor Weihnachten nach Dschibuti.
Mit dem Bundesminister der Verteidigung, Franz Josef Jung, wird
er die "Karlsruhe" und die "Mecklenburg-Vorpommern" besuchen. "Es
erfüllt mich mit Stolz und Freude, wenn ich sehe, mit welchem
Engagement und Teamgeist die Soldaten fernab der Heimat ihren
Dienst versehen." Stricker selbst wird Heiligabend bei seiner
Familie sein. "Wir haben bisher immer Forelle gegessen. In
diesem Jahr gibt es Fondue, weil sich die Familie dann besser
unterhalten kann." |
Ortswechsel
in die Heimat nach Eckernförde. Die meisten der dort ansässigen
Minentaucher werden bei ihren Familien feiern können. "Nur
vier unserer Männer sind nicht hier. Sie sind im UNIFIL-Einsatz
auf Zypern und vor dem Libanon", sagt der Einsatzoffizier
der Minentaucherkompanie, Harry Trawiel. 40 Minentaucher
treffen sich in Eckernförde, um eine wohl ungewöhnliche
und feuchte Weihnachtsfeier zu begehen. Dazu tauchen die Männer
in die nur drei Grad kalte Ostsee ab. Was sie dort in
zwölf
Metern Tiefe finden, ist ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum
samt Lichtern auf dem Grund der Eckernförder Bucht. "Das
ist heute etwas besonderes für uns, weil wir alle mal zusammen
sind", sagt Minentaucher Obermaat Patrick R. Er trägt
eine Weihnachtsmannmütze. Seine Ausrüstung wiegt 60
Kilogramm - kein Zuckerschlecken. Dennoch freut sich
der 26-Jährige: "So
kann das Jahr gut ausklingen. Ab Montag habe ich Urlaub." Sein
Taucheinsatzleiter, Holger L., fasst das nasskalte Wetter
und die Temperaturen in zwei treffenden
Worten zusammen: "Schön schattig", sagt der 28
Jahre alte Oberleutnant zur See.
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Ein Minentaucher im Weihnachtsmannkostüm vor einem Tauchgang
Foto: Struckhof (PIZ Marine) |
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Zur
Belohnung gibt es nach dem rund 20-minütigen Tauchgang Punsch
und Glühwein für alle. Die Weihnachtsfeier kann beginnen
- natürlich draußen am Strand. So sind die Minentaucher.
Einer der Männer trägt sogar einen roten Umhang und
eine weiß-rote Pudelmütze zum isolierten schwarzen
Taucheranzug. Etwas Spaß darf an diesem Tag auch mal sein.
Doch auch in Deutschland haben nicht alle Marinesoldaten frei. Einige Besatzungsmitglieder
müssen an Bord der Schiffe bleiben - um sie zu bewachen. Auf dem Einsatzgruppenversorger "Berlin" in
Wilhelmshaven werden 16 der rund 160 Crew-Mitglieder die Heilige Nacht unter
Deck verbringen. Der Kommandant, Fregattenkapitän Hans-Günther Struck,
und sein Erster Offizier, Korvettenkapitän Markus Gansow, wollen ihre Männer
und Frauen besuchen - es wird ein gemeinsames Festtagsessen geben. Die Bordgemeinschaft
ist dann eine kleine Ersatzfamilie zu Weihnachten.
Ortswechsel nach Kiel: Im dortigen Marinestützpunkt liegt das Segelschulschiff "Gorch
Fock" an der Tirpitzmole. Sie hat noch in der vergangenen Woche ihre zurückliegende
Auslandsausbildungsfahrt mit Offiziersanwärtern beendet. Jetzt liegt sie
festgezurrt an der Mole. Die Offiziersanwärter die zur seemännischen
Ausbildung an Bord waren, sind inzwischen nach Hause gefahren. Anders der Hauptgefreite
Peter Leiß aus Hilpersried im Bayrischen Wald. Er gehört als Versorger
seit März zur Stammbesatzung der Bark. Sie müssen an diesen Tagen
Wache schieben. Er sagt: "Ich habe anderen den Vortritt beim Weihnachtsurlaub
gelassen, damit sie zu ihren Familien können. Meine Eltern verstehen das." Der
22-Jährige wird mit seiner Familie die Bescherung jedoch nachholen - an
Silvester. "Deshalb habe ich bereits in den Auslandshäfen alles besorgt
und eingepackt", sagt Leiß, der in diesem Jahr in Dublin und Lissabon
war. Am Heiligen Abend wird der schleswig-holsteinische Landtagspräsident,
Martin Kayenburg, zu Besuch kommen. Denn: Der Landtag ist Pate des Schiffes.
Es wird ein festliches Mahl geben. Am Heiligabend traditionell Bockwurst mit
Kartoffelsalat, am ersten Weihnachtstag Entenbrust mit Knödeln, am zweiten
Feiertag Kaninchenkeule mit Kroketten. Ganz allein werden die Männer und
Frauen des Segelschiffs vermutlich nicht bleiben. "Es kommt an Weihnachten
immer wieder vor, dass die Gorch Fock von ehemaligen Besatzungsmitgliedern
besucht wird, oder einfach nur so von Leuten, die an der Wache Geschenke abgeben",
sagt Fregattenkapitän Lars Lührsen, Erster Offizier des Schiffs.
Aber trotz des guten Essens und der kameradschaftlichen Gemeinschaft werden
die einzelnen Soldaten oft an Zuhause denken. Der Bayer Leiß sagt mit
ein wenig Wehmut in der Stimme: "Ich weiß genau, was wann und wie
passieren wird. Ich glaube, da hat fast jede Familie ihr eigenes, kleines Ritual
zu Weihnachten." |