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Zwischen
Appellplatz und Showbühne |
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Volker Sonnabend: Am Tag „Vorzimmer-Löwe“, abends
Unterhalter |
Bremerhaven
(uz) [27.09.08]. Große Augen kann es schon mal geben,
wenn Volker Sonnabend mit einem Kollegen
hinter der Bühne ins
Gespräch kommt. Als Mitglied des Ensembles ShowBeeDoo steht er
mit der Musik aus der UFA-Zeit auf der
Bühne. Er stimmt Melodien
an, mit denen beispielsweise einmal die
Comedian Harmonists bekannt wurden. Doch
für Volker Sonnabend
sind die Auftritte mit dem Ensemble nicht
der Hauptberuf. Vielmehr ist es eine weitere
Berufung für ihn. Ein Thema ist das für ihn nicht. Professionalität
steht im Vordergrund, wenn Volker Sonnabend
zu Werke geht. Sei es als Sänger, oder im Beruf: Im täglichen
Arbeitsleben trägt
er die Uniform der Marine und den Dienstgrad
Stabsbootsmann.
Nur in Ausnahmefällen kommt bei Auftritten sein Beruf zur Sprache.
Immer dann, so formuliert er es, wenn Kollegen bei einem Auftritt
die anderen Künstler „abchecken“. Dass er Berufssoldat
sei, glaubt ihm kaum jemand. „Man wird als Soldat automatisch
mit einem sturen Komißkopf verglichen und das macht es unglaubwürdig“,
weiß Volker Sonnabend aus Erfahrung. Diese Erfahrung habe aber
auch gezeigt, dass man im Gespräch dieses Vorurteil leicht abbauen
kann: „Warum sollte es bei der Bundeswehr keine musischen Menschen
geben? Ich betone oft, dass ich sicher nicht der Einzige bin“,
erzählt er. |
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Die beiden "Gesichter" von Volker Sonnabend
Fotos: Zeitter |
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Die Frage was zuerst war, das
Interesse an der Bundeswehr oder die Liebe zur
Musik, beantwortet Stabsbootsmann Sonnabend etwas zögerlich. Bereits mit
vier Jahren habe er eine musikalische Früherziehung genossen, mit sieben
Jahren schon ein Blasinstrument erlernt. Heute sind die Prioritäten aber
immer noch klar gesetzt: „Ich bin Soldat mit Leib und Seele“, betont
Sonnabend, „alles andere steht hinter den dienstlichen Erfordernissen
zurück.“ Er macht aber auch kein Geheimnis daraus, dass er sich
auf seine Pensionierung freue. Dann, so sagt er, werde er seine Karriere als
Sänger nochmals richtig vorantreiben. Im Schnitt steht er pro Jahr bei
20 Auftritten mit dem Ensemble ShowBeeDoo aus Bremen auf den Brettern, die
die Welt bedeuten, oder wie er sagt, für gute Bekannte durchaus auch einmal
zur Hochzeit als Sänger in der Kirche. Mehr ließe sich zeitlich
nicht bewerkstelligen, erzählt Sonnabend. Auf viele Auftritte musste er
verzichten, als er als Kompaniefeldwebel tätig war. Die Aufgaben als „Spieß“ ließen
ihm kaum planbare Freizeit und die „Mutter der Kompanie“ ist oft
abends der letzte, der die Kaserne verlässt. In seiner derzeitigen Verwendung
als Personal- und Geschäftszimmer-Bootsmann beim Kommandeur der Lehrgruppe
B an der Marineoperationsschule in Bremerhaven, sind Auftritte wieder möglich.
Die meisten seiner Kameraden wissen, dass Sonnabend ein musikalisches Hobby
pflegt. Engagements an Wochentagen bedeuten für den Sänger immer
einen gewissen Streß, wie er sagt. Ein Entgegenkommen für sein Hobby
von seinen Vorgesetzten erhält Sonnabend nicht, das liegt aber weniger
an den Vorgesetzten als vielmehr an dem Stabsbootsmann und seiner Arbeitsauffassung
selbst. |
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| Diese Seite von Volker Sonnabend kennen seine Kameraden nur in
Ausnahmefällen. |
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Sein Aufgabenspektrum als Soldat
ist dabei fast so weit gefächert, wie das seines musikalischen Schaffens.
Als „Vorzimmer-Löwe“ hält er seinem Kommandeur den
Rücken frei und plant dessen Termine. Zugleich regelt er die administrativen
Aufgaben auch mit den Inspektionen der Schule, die zur Lehrgruppe gehören
und kümmert sich um Personalangelegenheiten. Zugleich ist er für
die Organisation der Vereidigungen, die die Marineoperationsschule grundsätzlich
in einer der Patengemeinden veranstaltet, zuständig. Die Vereidigungen
bringen alle drei Monate ein großes Päckchen Organisationsaufwand
für den Stabsbootsmann, neben Absprachen mit allen Beteiligten, das
heißt den Städten und Gemeinden, Feldjägern, Musikkorps
und vielen mehr, gilt es besonders auch die logistischen Notwendigkeiten,
wie den Transport der Rekruten und ihrer Familien zu organisieren. Nicht
zuletzt ist Volker Sonnabend dabei auch dafür verantwortlich, dass
die Soldaten auf den ständig wechselnden Appellplätzen auch richtig
antreten und dafür auch genügend Platz erhalten. |
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| Volker Sonnabend hält die Fäden der Gelöbnisorganisation fest
zusammen. Ein gelungenes Gelöbnis ist für ihn fast, wie eine Bühnenpremiere. |
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Als er sich für eine Karriere bei der Bundeswehr entschied, hatte er aber
auch noch eine Alternative als Profi-Musiker im Auge. Die Möglichkeit, als
Militärmusiker den Dienst anzutreten, bot Volker Sonnabend aber eine willkommene
Chance Hobby und Beruf zu verbinden. Als Teil seiner Ausbildung im Hildener Ausbildungsmusikkorps
der Bundeswehr studierte Sonnabend Orchestermusik an der Robert-Schumann-Hochschule
in Düsseldorf und hat dieses Studium mit einem „sehr gut“ beendet.
Als einziger Soldat hatte er damals im Chor der Musikhochschule Düsseldorf
gesungen, zu dem gehörte er auch dem Chor der Bremer Hochschule der Künste
an. Seine militärische Heimat fand er im Marinemusikkorps Ostsee, das in
Kiel in stationiert ist. In dieser Zeit habe er, so blickt Sonnabend zurück,
alle Standorte der Marine bereist und so auch eine Menge Einblick in die unterschiedlichen
Aufgabenbereiche der Bundeswehr erhalten. Eine Expertise, die ihm in seiner späteren
Verwendung als Wehrdienstberater entgegen kam. Nur eine Expertise hat der Stabsbootsmann
bislang nicht erhalten: Als kleines Manko empfindet er, dass er bislang noch
nicht an einem der Auslandseinsätze teilgenommen hat. |
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| Volker Sonnabend und Ensemble-Chefin Carola Bandari. |
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Zum Ensemble ShowBeeDoo kam
Volker Sonnabend eher zufällig. „Ich habe damals eine Anzeige für ein Casting in
der Bremer Kulturzeitschrift „Mix“ gelesen und mich vorgestellt“,
blickt er zurück. Er wurde prompt angenommen und übernahm später
auch Solo-Auftritte in den Genres Chanson, Lied-Kabarett und Musical. „Ich
fand damals seine Stimme so toll“, erinnert sich Carola Bandari, die
Chefin des Show-Ensembles und fügt hinzu: „Dass er bei der Bundeswehr
ist habe ich erst viel später herausgefunden, da war ich ’super überrascht’!“ Zu
den Spezialitäten von Volker Sonnabend gehören Auftritte in Frack
und mit Zylinder im Stil der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Hier ist der Sänger auch gut aufgehoben, wie Carola Bandari findet: „Vielleicht
passt er am Besten von uns allen zur Musik dieser Zeit…“ Er liebt
aber auch satirische und schwarzhumorige Chansons zum Beispiel die des Österreichers
Georg Kreisler. Es ist der Facettenreichtum seines Spektrums, das ihn begeistert
und den er ausbauen möchte. Seit drei Jahren nimmt Stabsbootsmann Sonnabend
klassische Gesangsstunden bei einer Opernsängerin. Später, so plant
er für die Zeit nach der Bundeswehr, würde er gerne Auftritte mit
einem Pianisten machen. Die Ideensammlung wächst bereits. Dass er sich
mit seinem Hobby auf einem guten Weg befindet, zeigt die Tatsache, dass er
regelmäßig Engagements angeboten bekommt. Engagements, die er
derzeit ablehnen muss, da ihm die Zeit und Flexibilität des Profimusikers
fehlt.
Einige seiner Auftritte führen ihn mit ShowBeeDoo in die Soldatenheime der
EAS, der evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung. Regelmäßig
werden die Künstler hier gebucht, sei es mit dem Event-Dinner „Jack
the Ripper“ oder mit dem Programm „Ich wollt’, ich wär’ ein
Gramophon“ oder einer der vielen anderen Programme, die das Ensemble bereit
hält. Volker Sonnabend bringt dies Auftritte vor Kameraden, die nicht bemerken,
dass er sonst auch Uniform trägt. Für Sonnabend selbst sind die Auftritte
nicht anders, als alle anderen. Im Gespräch sind für das Ensemble auch
Auftritte in den so genannten OASEn, den Betreuungseinrichtungen der beiden kirchlichen
Arbeitsgemeinschaften KAS und EAS in den Einsatzgebieten. Auftritte, die sich
der Soldat Volker Sonnabend für seine Person nicht vorstellen kann. „Ich
möchte auf die Frage, ob ich schon einmal im Einsatz war, nicht einmal antworten
müssen: ’Ja, ich hatte als Sänger einen Auftritt im Feldlager
Kunduz‘ oder wo auch immer...“
Auch wenn Carola Bandari betont, dass es Volker Sonnabend überhaupt nicht
anzumerken ist, dass er Soldat ist, eine Kleinigkeit fällt ihr zum Schluss
doch ein: „Er ist bei intensiven Proben immer sehr aufmerksam und schreitet
sofort ein, wenn mal der Rhythmus nicht ganz stimmt. Wenn es bei Proben mal nicht
voran geht, dann nimmt er“, so plaudert sie weiter aus dem Nähkästchen, „auch
gerne mal ’das Zepter’ in die Hand.“ |
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