Kiel
(eb) [07.12.08]. Das Marinefliegergeschwader 5 in Kiel-Holtenau
ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden.
Zu seinen Aufgaben zählt
vorrangig die "Luftrettung über See", wie es im Marinejargon
heißt. Dabei handelt es sich um den Such- und Rettungsdienst,
der dann zum Einsatz kommt, wenn es zu
einem Absturz oder einer Notlandung von
militärischen Luftfahrzeugen
kommt. Für diese Fälle
stehen die Hubschrauber vom Typ "Sea King MK 41" des Geschwaders
bereit, um Verletzte zu bergen und zu transportieren.
Daneben unterstützen
die Hubschrauber aber auch zivile Stellen: "Wir helfen bei freien
Kapazitäten und auf Anforderung der zivilen Seenotleitstelle
in Bremen. Denn für die allgemein bekannte Seenotrettung ist
in Deutschland allein die Deutsche Gesellschaft
zur Rettung Schiffbrüchiger
(DGzRS) zuständig", sagt Korvettenkapitän Holger Kammer.
Der 36-Jährige ist der Leiter der SAR-Leitstelle der Deutschen
Marine in Glücksburg. Dort sind im Flottenkommando, dem Hauptquartier
der Marine, insgesamt etwa 20 Männer und Frauen rund um die Uhr
im Schichtbetrieb tätig. Sie halten sich für Notfälle
in Bereitschaft. Zuständig sind sie für ein Gebiet, dass
etwa fünfmal so groß ist, wie Schleswig-Holstein und Hamburg
zusammen. Dazu gehören die beiden Bundesländer selbst sowie
der jeweilige deutsche Teil von Nord- und
Ostsee. "In diesem
Jahr wurden bereits 386 Alarmierungen ausgelöst", bestätigt
Kammer. 136-mal musste der Hubschrauber
in die Luft. 44 Menschen sind gerettet
oder transportiert worden.
Pro Jahr fallen regelmäßig deutlich über einhundert
Rettungseinsätze für das Geschwader an. Damit schnell geholfen
werden kann, steht entweder in Kiel oder bei den SAR-Außenstellen
in Warnemünde und Helgoland ständig ein Hubschrauber vom
Typ "Sea King MK 41" bereit. Tagsüber ist die vierköpfige
SAR-Hubschrauberbesatzung binnen 15 Minuten in der Luft. Mit 136 Knoten
- das sind etwa 245 Stundenkilometer - fliegt der Hubschrauber in
sein Einsatzgebiet. Nachts muss die Besatzung, die aus zwei Piloten,
einem Navigator und einem Bordmechaniker besteht, spätestens
nach einer Stunde mit dem "Sea King" abheben. Der Bordmechaniker
ist so ausgebildet, dass er Verletzte bis zum nächstgelegenen
Krankenhaus medizinisch versorgen und stabilisieren kann. Im Notfall
bleibt den Rettern oft nicht viel Zeit. Im Wasser ist das Überleben
von Verunglückten ohne spezielle Überlebensbekleidung stark
von den vorherrschenden Wassertemperaturen abhängig. So beträgt
die Überlebenswahrscheinlichkeit bei zwei bis vier Grad Wassertemperatur
nur etwa eineinhalb Stunden. Bei vier bis zehn Grad sind es etwa drei
Stunden und bei bis zu 15 Grad sechs Stunden. Deshalb wird der Hubschrauber
oft schon bei Auslösung einer sogenannten Luftnotlage alarmiert,
auch wenn es noch zu keinem Unglück gekommen ist, um im Falle
eines Unfalls schneller am möglichen Unglücksort zu sein. "Mithilfe
eines computergestützten Strömungsberechnungsprogramms können
wir das Suchgebiet im Falle eines Unglücks ziemlich genau eingrenzen.
Das hilft, die Verunglückten meist schnell zu finden, wenn sie
sich über Wasser befinden und die Sichtverhältnisse dies
zulassen", sagt Kammer, der selbst erfahrener Sea-King-Pilot
ist. |