Glücksburg (eb) [17.11.08]. Die Zeiten, in denen
sich nur Großmächte
oder Bündnisse mit gewaltigem Seekriegspotenzial auf den
Meeren der Welt gegenüber stehen, gehören schon lange
der Vergangenheit an. Auch der Begriff einer Seemacht
hat sich grundlegend verändert. Seemacht zu sein, bedeutet
heute die Fähigkeit zu haben, bei Krisen und Konflikten dieser
Bedrohung weltweit und sofort begegnen zu können. Dies schließt
auch den Schutz der eigenen Handelsschifffahrt mit ein.
Insbesondere eine Exportnation wie Deutschland muss ein
vitales Interesse an
der Sicherheit der Meere haben, allerdings kann der Schutz
der Meere nur in der internationalen Staatengemeinschaft
erreicht werden. Die NATO leistet hierzu einen wichtigen
Beitrag und hat
nach den massiven Veränderungen der sicherheitspolitischen
Lage in den letzten Jahrzehnten durch die Umstrukturierung
der Aufgaben der maritimen Standing NATO Groups reagiert.
Die Standing
NATO Groups (SNG) sind die ständigen multinationalen Reaktionsverbände
der alliierten Marinen, welche sicherstellen sollen,
dass die NATO global schnell und flexibel operieren kann.
Um die Einsatzbereitschaft
und Operationsfähigkeit zu erhalten, nehmen diese Flottenverbände
an zahlreichen Übungen teil. Zu ihren Aufgaben gehören
auch Embargooperationen, Such- und Rettungsoperationen,
humanitäre
Hilfseinsätze, sowie Einsätze im Rahmen der Anti-Terrorbekämpfung.
Die Unterstellung von Einheiten der Deutsche Marine unter
ein Kommando der NATO hat Tradition, denn bereits seit April 1957
beteiligt sich die Marine als erste Teilstreitkraft der Bundeswehr
an multinationalen Verbänden der NATO. Die NATO unterhält
zurzeit vier ständige maritime Einsatzverbände, die
alle Teil der NATO und international besetzt:
- Standing NATO Maritime Group 1
-
Standing NATO Maritime Group 2
-
Standing NATO Mine Countermeasure Group 1
-
Standing NATO Mine Countermeasure Group 2
Angesichts der damals als Bedrohung empfundenen Aufrüstung
des Warschauer Pakts und insbesondere der Sowjetunion
in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entschloss sich
die NATO, schnelle
Eingreifverbände aufzustellen. Diese multinationalen Verbände
(NATO Command Forces) waren bereits im Frieden der NATO
für
Einsätze unterstellt und wurden für sofortige Reaktionen
in Krisensituationen vorbereitet. Des Weiteren sollten
Streitkräfte
möglichst vieler NATO-Mitgliedstaaten mit in die Krisenbewältigung
einbezogen werden, um dadurch Bündnissolidarität zu
zeigen. Als erster Eingreifverband war 1960 die Allied
Command Europe Mobile Force (AMF) mit einer Land- (AMF/L)
und einer Luftkomponente
(AMF/A) geschaffen worden, die dem NATO-Kommandobereich
Europa (ACE) unterstand. Als Marineäquivalent wurde 1968
die Standing Naval Force Atlantic (STANAVFORLANT/SNFL)
unter dem NATO-Kommandobereich
Atlantik (ACLANT) aufgestellt. In der derzeitigen Struktur
der NATO ist in Friedenszeiten das Strategische Kommando
Allied Command
Operations (ACO) in Mons/Belgien die operative Führungsebene
(Operational Command). Der Supreme Allied Commander Europe
(SACEUR) delegiert über den Commander Joint Force Commander
Brunssum (JFC Brunssum) auf die Führungsebene des Commander
Allied Maritime Component Command Northwood (CC MAR Northwood)
für
die SNMG 1 und an den Commander Allied Maritime Component
Command Neapel (CC MAR Naples) für die SNMG 2. Die beiden
Grup-pen sind in die NATO Response Force (NRF) eingegliedert
und nehmen
im Wechsel an der Operation Active Endeavour
(OAE) teil.
Auch die beiden maritimen Minenabwehrverbände der NATO Standing
NATO Mine Countermeasure Group 1 und Standing NATO Mine Countermeasure
Group 2 werden in Friedenszeiten durch das Strategische Kommando
Allied Command Operations (ACO) auf der operativen Ebene (Operational
Command) geführt, wobei der Commander Allied Maritime Component
Command Northwood (CC MAR Northwood) die SNMCMG 1 führt und
der Commander Allied Maritime Component Command Neapel (CC MAR
Naples) die SNMCMG 2 im Auftrag des Supreme Allied Commander Europe
(SACEUR) kommandiert. Beiden Gruppen sind in die NATO Response
Force (NRF) eingegliedert.
Standing NATO Maritime Groups als maritimer Anteil der
NATO Response Force
Die
Standing NATO Maritime
Group 1 (SNMG 1) ist einer der vier ständigen maritimen NATO-
Einsatzverbände.
Bereits 1968 wurde die SNMG 1 unter der Bezeichnung Standing
Naval Force Atlantic (SNFL) gegründet, ständige Teilnehmernationen
waren die USA, Großbritannien, Kanada, die Niederlande und
Deutschland. Weitere Marinen, die sich zeitweise an dem Verband
mit Einheiten beteiligen, kommen aus Norwegen, Dänemark,
Belgien, Portugal und Spanien. Bisheriger Auftrag, vor allem zu
Zeiten des Kalten Krieges war es, in Krisensituationen als multinationaler
Verband die schnelle und geschlossene Verteidigungsbereitschaft
der NATO zu demonstrieren. Der Verband operierte hauptsächlich
im Nordatlantik, wurde aber auch im Zeitraum 1993 bis 1996 im
Mittelmeer im Rahmen der Operation Sharp Guard sowie in anderen
Regionen eingesetzt. Im Jahre 2004 wurde der Verband schließlich
von dem regional beschränkten Auftrag entbunden und im Januar
2005 in Standing NATO Maritime Group 1 umbenannt. Diese Gruppe
ist der älteste, zwar wiederholt umstrukturierte, aber noch
bestehende ständige Einsatzverband der NATO. Seit der Aufstellung
fuhren bis dato über 500 Schiffe und mehr als 150.000 Seeleute
unter der Flagge der SNMG 1. Heute beinhaltet der Auftrag des
Verbands vor allem Kontrolle und Schutz strategisch wichtiger
Seewege. Er operiert vor allem im Nordatlantik und der Nordsee,
kann aber bei Bedarf in andere Regionen zur Krisen- und Konfliktbewältigung
verlegt und eingesetzt werden.
Der Verband besteht aus sechs bis zehn Zerstörern und Fregatten
der Marinen von Portugal, Deutschland, Italien, den Niederlanden,
Spanien, Belgien, Dänemark, Norwegen, Großbritannien
und den Vereinigten Staaten und kann zusätzlich von Einheiten
aus anderen NATO-Nationen verstärkt werden. Jährlich
werden im Rahmen der Flotte Übungen abgehalten, die vor allem
auch die multinationale Zusammenarbeit stärken sollen.
Die
Standing NATO Maritime
Group 2 (SNMG 2) wurde 1969 als Naval On-Call Force for
the Mediterranean (NAVOCFORMED) nach dem Vorbild der
Standing Naval Force Atlantic (STANAVFORLANT/SNFL) von
Marinen verschiedener Staaten gebildet und für Einsätze
im Mittelmeerraum vorgesehen, allerdings im Gegensatz
zur STANAVFORLANT nicht ständig
aktiv, sondern im Bedarfsfall für Übungen und Einsätze.
Die NAVOCFORMED diente auch zur Demonstration der Bündnissolidarität
besonders auch als ein Gegengewicht zur damaligen sowjetischen
Marine, und war aktiviert dem Commander Allied Naval
Forces Southern Europe (COMNAVSOUTH) unterstellt. Seit
1987 aus Anlass des Ersten
Golfkriegs 1987 verstärkte die Deutsche Marine erstmals die
NAVOCFORMED und stelle fortan permanent Einheiten für den
Verband, der während des Zweiten Golfkriegs 1990-1991 von
der NATO dauerhaft aktiviert und zur Seeraumüberwachung im
Mittelmeerraum eingesetzt wurde. Am 30. April 1992 wurde
unter Umbenennung in Standing Naval Force Mediterranean
(STANAVFORMED/SNFM) der Verband zu einem ständigen Verband
erhoben. Nach einer kurzen Zeitspanne in 2005 als Standing
NATO Response
Force Maritime Group 2, wurde 2006 die heutige Bezeichnung
Standing NATO Maritime
Group 2 (SNMG 2) festgelegt.
Zu Friedenszeiten besteht die Gruppe im Normalfall aus
acht bis zehn Schiffen, ständige Einheiten werden von der
Deutschen Marine, der Königlichen Niederländischen Marine,
der britischen Royal Navy, der griechischen Marine, der italienischen
Marine, der türkischen Marine, der spanischen Marine sowie
der United States Navy gestellt und werden zeitweilig, als o auch
in Krisen- und Spannungszeiten durch andere NATO-Marinen verstärkt.
Das Operationsgebiet ist vor allem das Mittelmeer, jedoch kann
die Gruppe auch unverzüglich in andere Regionen bei entsprechenden
Krisensituationen verlegt und eingesetzt werden. Auftrag der SNMG
2 ist es, die Seewege im Mittelmeer sowie die Zugänge, nämlich
die Meerenge von Gibraltar auf der westlichen und dem Suez-Kanal
auf der östlichen Seite, zu überwachen und zu sichern.
Da das Mittelmeer von drei Kontinenten umgeben ist und diese auch
miteinander verbindet, fällt dieser Region und damit der
SNMG 2 eine besonders wichtige Schlüsselrolle beim Schutz
des weltweiten Seeverkehrs zu. Auch die SNMG 2 führt jährlich
zahlreiche Übungen durch, die vor allem auch die multinationale
Zusammenarbeit stärken sollen. Des Weiteren wird allein durch
die Anwesenheit, sowie durch verschiedene Kontrollmaßnahmen
im internationalen Seeverkehr und in den Küstengewässern
vor Nordafrika und des Nahen Ostens, die Sicherheit im Mittelmeer
entscheidend erhöht.
Die
Standing
NATO Mine Countermeasures Group 1 (SNMCMG 1) ein Verband
von Minenabwehreinheiten. Auch dieser Verband hat eine längere Geschichte und Entwicklung
hinter sich; so ging aus dem bereits im Mai 1973 aufgestellten
ständigen Flottenverband Ärmelkanal ging der Verband
Mine Countermeasure Force Northern Europe (MCMFORNORTH) hervor
und wurde im Januar 2005 im Rahmen der NATO Transformation mit
seinem heutigen Auftrag und der Bezeichnung Standing NATO Mine
Countermeasures Group 1 versehen. Die Gruppe setzt sich im Regelfall
aus sieben Minenjagd- und Minenabwehrschiffen, Minenlegern und
sowie einem Führungs- und Versorgungsschiff zusammen. Die
NATO-Staaten Belgien, die Niederlande, Deutschland, Norwegen und
Großbritannien beordern als ständige Mitglieder im
Wechsel Einheiten zur SNMCMG 1. Wie bei allen Ständigen NATO
Gruppen rotiert das Kommando über den Verband unter den beteiligten
Nationen. Dänemark und Polen entsenden sporadisch bei vorhandenen
Kapazitäten, außerdem schlossen sich in 2005 die drei
baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen der SNMCMG 1
an. Das Hauptoperationsgebiet ist der europäische Teil des
Atlantiks von Norwegen bis zum Mittelmeer und von der Irischen
See bis zum Baltischen Meer. Seit 1998 wurde das Einsatzgebiet
zusätzlich auf den Bereich der küstennahen Gewässer
vor den USA, Kanada und Island ausgedehnt.
Seit dem 1. Januar 2005 ist der Verband Teil der schnellen
Eingreiftruppe der NATO (NRF) und kann von dieser zu Einsätzen
in aller Welt herangezogen werden. 1999 und 2000 übernahm
zum Beispiel die Gruppe unter damaliger Bezeichnung bei der Operation
Allied Harvest und Allied Harvest II gemeinsam mit der Mine Countermeasures
Force Mediterranean (MCMFORMED) das Suchen und die Vernichtung
von Minen und Munition in der Adria. Als Routineaufgaben nimmt
der Verband neben Hafenbesuchen, sowie der Darstellung der NATO-Präsenz
auf See, an Einsatzübungen der NATO und im Rahmen von Partnerschaft
für den Frieden (PfP) bei wechselnder Zusammensetzung der
Marineeinheiten teil. Die SNMCMG 1 wird weltweit als eine der
am besten ausgerüstet und ausgebildeten multinationalen Minabwehrverbände
angesehen, wobei die jährlichen Übungen vor allem auch
die multinationale Zusammenarbeit stärken sollen.
Die
Standing
NATO Mine Countermeasures Group 2 (SNMCMG 2) wurde bereits
wurde 1992 unter dem Namen STANAVFORMED gegründet. Im Jahr 1999
erfolgte die Aufstellung der Gruppe unter der Bezeichnung Mine
Countermeasures Force Mediterranean (MCMFORMED) als ständig
operierender Minenabwehrverband der NATO. Im Zeitraum September
2001 bis Januar 2005 wurde der Verband als Mine Countermeasures
Force South (MCMFORSOUTH) in Anpassung an die Bezeichnung des
Mine Countermeasures Force North Western Europe (MCMFORNORTH)
und erhielt im Rahmen der NATO Transformation in 2005 seinen heutigen
Auftrag unter Bezeichnung SNMCMG 2 als Pendant zur SNMCMG 1. Die
SNMCMG 2 setzt sich aus den ständigen NATO-Mitgliedern Deutschland,
Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Belgien, Großbritannien
und die USA zusammen, andere Nationen beteiligen sich sporadisch.
Das Kommando über den Verband rotiert unter den beteiligten
Nationen, wobei das Flaggschiff, zugleich als Unterstützungs-
und Versorgungseinheit, durch die jeweils führende Nation
gestellt wird und auch den Stab SNMCMG 2 an Bord nimmt.
Der Verband operiert vor allem im Mittelmeer, kann bei
Bedarf aber sofort in andere Krisengebiete verlegt und
dort eingesetzt werden. Seine Aufgabe ist es, die Seewege im Mittelmeer
zu überwachen
und zu sichern. Über das Mittelmeer sind drei Kontinente
miteinander verbunden. Damit spielt dieses "Binnen"-Meer
mit seinen Ausgängen, nämlich der Meerenge von Gibraltar
auf der westlichen sowie dem Suezkanal auf der östlichen
Seite, eine Schlüsselrolle im welt-weiten Seeverkehr. Zudem
sorgt der Verband durch seine Präsenz und verschiedene Kontrollmaßnahmen
für die Sicherheit der Küstengewässer vor den Krisengebieten
Nordafrikas und des Nahen Ostens. Im Bedarfsfall wird
er unverzüglich
den Eingreiftruppen der NATO (NATO Response Force) unterstellt.
1999 und 2000 nahm der Verband auch an den Operationen
Allied Harvest und Allied Harvest II bei der Minen- und Munitionsräumung
in der Adria teil. Zum Auftrag der Gruppe gehören auch Hafenbesuche
auch als Teil des Mediterranen Dialoges der Mittelmeer-Anrainerstaaten,
die Machtdemonstration der NATO im Mittelmeer sowie die
Durchführung
und Teilnahme von Einsatzübungen der NATO und im Rahmen von
PFP.