truppen.info: Truppe: Die Marine
jüngste Beiträge
Aus den Einsätzen
Sicherheitspolitik
Wir suchen Ihre Fotos
Linkliste
Link eintragen
Laufbahnportraits
Der Weg zum Offizier
Der Weg zum Unteroffizier
Dienstgradabzeichen
truppen.info-Quiz
Spiele
Downloads
Buchtipps
Für Webmaster

Satire bis der Arzt kommt

 Bundeswehr war damals „extrem uncool“
 Kapitän zur See Schatz lenkt die Geschicke der „Gorch Fock“
Kiel/Itzehoe (uz) [03.05.08]. „Träume sind nicht verboten“, antwortet Kapitän zur See Norbert Schatz diplomatisch auf die Frage, ob er vor 31 Jahren bei seiner eigenen Ausbildungsreise auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ auch einmal daran gedacht habe, selbst der Kommandant des bekannten Großseglers zu werden. Er fügt allerdings schnell hinzu, dass der Gedanke damals völlig irreal gewesen sei. Was damals so unrealistisch schien, ist heute Realität: Im Februar 2006 übernahm er das Kommando über das Schiff, von dem er schon als kleiner Junge geträumt hat.
Kapitän zur See Norbert Schatz ist im Jubiläumsjahr der Kommandant der „Gorch Fock“.
Segeln hat ihm schon immer Spaß gemacht. In seiner Heimat, Bodman am Bodensee, war das auch problemlos möglich. Ein wenig Abenteuerlust und Seefahrer-Romantik haben wohl unterbewußt auch dazu beigetragen, dass sich Schatz bei der Marine bewarb. Die ganz entscheidenden Gründe waren die Möglichkeit ohne finanzielle Schwierigkeiten studieren zu können und etwas von der Welt zu sehen. „Bodman war nicht gerade der Nabel der Welt“, blickt er auf seine Heimat zurück. Das später damit verbundene Heimweh hatte Schatz früh einkalkuliert. Er hatte sich zielsicher für einen Studiengang entschieden, der nur in einer der beiden Bundeswehr-Universitäten angeboten wurde. Quasi heimatnah studierte er in München Vermessungswesen, um nach 12 Jahren vielleicht in eine entsprechende Behörde wechseln zu können.
Aber ein Seefahrer vom Bodensee? „Das war damals gar nicht so außergewöhnlich, erstaunlich viele Marineoffiziere meiner Crew (Offizieranwärterjahrgang, Anm. d. Red.) kamen aus Süddeutschland“, berichtet Norbert Schatz.
Schon seit langem hält sich die Weisheit, dass Binnenländer die besseren Seefahrer seien, in der „Branche“. Der Kapitän zur See formuliert die These anders: „Mit jedem Kilometer, den man sich von der Küste entfernt, steigt das Fernweh!“ Und nicht nur das Fernweh, ist sich Schatz sicher, auch die Begeisterung für das Maritime steige. Man könne dies ganz klar an den Patenschaften zu den „grauen Schiffen“, wie Schatz sie nennt, festmachen. Obwohl eine Fregatte mit einer norddeutschen Patenschaft ihre Patenstadt zumeist sogar anlaufen könne, verlaufe der Besuch eher unspektakulär, während einem in Süddeutschland wahre Begeisterungsstürme entgegen wehen. Kapitän zur See Schatz selbst hat dies am deutlichsten erlebt, als er Kommandant der Fregatte „Bayern“ war: „Während die Soldaten normalerweise ungern in Uniform an Land gehen, wollten sie bei Patenschaftsveranstaltungen in Bayern nie ohne Uniform los. Mit dem Mützenband „Fregatte Bayern“ war man dort überall der King“, berichtet Schatz. Er erzählt, dass die Gäste aus weitem Umfeld anreisten, wenn sich die Besatzung angekündigt hatte.
Besucherandrang und Journalistenbesuche: Für den Kommandanten des bekanntesten Schiffes der Marine Alltag.
Doch zurück an den Bodensee: Die Idee, dass man als Abiturient zur Bundeswehr wollte, hatte 1976 nicht unbedingt Hochkonjunktur. Aus der Klasse von Norbert Schatz waren es nur zwei. „Alle haben zwar grüne Bundeswehr-Parkas getragen damals, aber zum „Bund“ zu gehen, das war damals extrem uncool“, erinnert er sich zurück.
Nicht nur der Kindheitstraum auf der „Gorch Fock“ zu fahren, hat Norbert Schatz gefallen, sondern der Dienst in der Marine allgemein. Die Aussicht, ein „braver Beamter im Katasteramt“ zu werden, gefiel ihm dagegen viel weniger. So hat er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, ob er die Bundeswehr wirklich nach zwölf Jahren verlassen soll, auch wenn er sich acht Jahre dessen ziemlich sicher war. In dieser Überlegungsphase bot ihm seine Freundin, die inzwischen seit 21 Jahren seine Frau ist, an, mit ihm in den Norden zu ziehen.
Ein Glücksfall, denn bis heute komme die Familie sehr gut damit zurecht, freut sich der Kommandant. 200 Tage Abwesenheit pro Jahr erträgt nicht jede Beziehung, ist er sich sicher. Wenngleich er feststellt, dass die Seetage gar nicht so schlimm sind: „Viel problematischer als eine Trennung von neun Monaten, war für mich die Zeit im Ministerium, wenn man freitags genervt vom wöchentlichen Stau im Kölner Raum nach Hause kam. Von einer Reise komme ich entspannt und zufrieden nach Hause.“ Das sei wie ein Jungbrunnen für die Ehe, schwärmt er. Doch er verschweigt nicht, dass die Seefahrt ein hartes Brot sei, das viele Opfer verlangt: „Ich sehe immer wieder, dass es in Beziehungen von Kameraden anders läuft. Mir war das Glück einfach hold, dass ich eine Frau habe, die damit gut klar kommt und das rechne ich ihr hoch an.“
Die „Gorch Fock“ bei der Kieler Woche.
Die moderne Kommunikation hätte das für ihn und seine Frau in den letzten Jahren sehr vereinfacht. Vor 20 Jahren habe man erst einmal ein Telefon im Hafen und das passende Kleingeld finden müssen, berichtet Schatz und erinnert auch an die Schlange weiterer wartender Kameraden: „Wenn man niemanden erreicht hat, mußte man sich hinten anstellen.“ Ein Gefühl, das seine jungen Lehrgangsteilnehmer wohl nicht mehr erleben werden. In den täglichen E-Mails könne man schon am Alltag zu Hause mitwirken, erzählt der Kapitän zur See. Das beginne bei der Entscheidung ob die Waschmaschine repariert werden soll, oder ob eine neue gekauft werden muss und ging bis zu den Schulnoten der Kinder. Die Medaille hat natürlich zwei Seiten. Für jüngere Kameraden wachse unter Umständen durch die schnelle Kommunikation auch der Druck. „Viele Informationen prasseln ungebremst auf die Soldaten ein. Das war beim Briefe schreiben anders. Wenn die Freundin mal wegen der langen Trennung einen moralischen Durchhänger hat, wird es ganz schnell problematisch“, zieht Kapitän Schatz Resümee.
Auf seine zwei Kinder angesprochen, wird der Kommandant nachdenklich. Deren Aufwachsen hat er sprunghaft erlebt. Während das Kind bei der Abfahrt noch krabbelte, konnte es bei der Rückkehr bereits laufen. „Man überlegt schon, was man alles verpaßt hat“, sagt Schatz und fügt hinzu: „...scheinbar haben sie deswegen aber keinen Schaden genommen....“ Die Familie ist eben auf den Lebenswandel des Marineberufs eingestellt und die Kinder sind in diesen Bedingungen aufgewachsen.
Die Laufbahn hat für ihn inzwischen einen Höhepunkt erreicht. Vorverwendungen auf dem Segelschulschiff sind für einen Kommandanten unerläßlich. Nur in der Verwendung als Erster Offizier bekommen Soldaten die Möglichkeit alle Leistungsnachweise (Führerscheine) und das Kommandanten-Zeugnis zu erwerben. Beides ist, zusammen mit entsprechender Eignung und Erfahrung, Voraussetzung, um Kommandant der imposanten Dreimast-Bark zu werden. Der Kreis der „Verdächtigen“ ist also insgesamt recht überschaubar. „Irgendwann war mir klar, dass ich dafür in Frage kommen könnte“, blickt Norbert Schatz zurück. Der Traum wurde ihm dann wirklich erfüllt: Wenn alles gut geht, wird er in seiner Dienstzeit insgesamt zehn Jahre auf dem Schiff gefahren sein, von dem er als Jugendlicher geträumt hat, auf der „Gorch Fock“. Das läßt sich kaum noch überbieten, auch wenn Kapitän Schatz spontan Anschlußverwendungen einfallen, die er durchaus attraktiv findet.
Symbol für Fernweh und Seefahrerromantik
Archiv: Eindrücke von Kadetten
Archiv: Auf Hochglanz zurück in Kiel
Archiv: Coole Begegnung
Anzeigen
120x240allschecks.jpg
flugle.de - Billigflüge kombinieren
wb_Banner_120x240.gif
Ihre Werbung hier?
   Diese Seite empfehlen     
Sitemap    Archiv    Impressum    Kontakt 
  (c) 2005 by www.truppen.info
Anzeige