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Drei Bayern
auf der „Bayern“ |
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Eine besondere Beziehung zwischen Marine und Süddeutschland |
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Ordnung muss sein: Drei Besatzungsmitglieder aus Bayern hissen
die bayerische Flagge.
Fotos: Struckhof, PIZ Marine |
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Wilhelmshaven
(eb) [17.11.08]. „Buchwoppen“, sagt Oberstabsgefreiter
Robert Reil, wenn er das Wappen am Bug
seiner Fregatte meint. Das klingt ein wenig
fremdländisch, aber
irgendwie liebenswert. Er selbst schmunzelt
dabei, fängt an zu
lachen, denn das Wort wird auch nach drei
Versuchen für Norddeutsche
nicht besser verständlich.
Im Bayrischen Wortschatz gibt es halt kein
Bugwappen. Der 23-jährige
Bootsmannanwärter ist seit vier Jahren auf der Fregatte „Bayern“.
Heute ist sein letzter Abend an Bord. Er
geht an die Marineunteroffizierschule.
Zum Abschluss erzählt
er, wie es auf der „Bayern“ als
Bayer war und warum er mit einem weinenden
Auge geht: „Dieses
Schiff liegt mir am Herzen, denn ich habe
hier viel erlebt und alles gemacht. Ich
war vor dem Libanon und war als Vertrauensperson
für
die Belange der Soldaten zuständig“, sagt der Zeitsoldat,
der im Jahre 2004 als Grundwehrdienstleistender
zur Marine kam und sich nun auf insgesamt
zwölf Jahre verpflichtet
hat, um Bootsmann und damit Meister werden
zu können.
Zusammen mit seinen Kameraden Marco Schregelmann
und Michael Reichert sitzt Reil in einem
Aufenthaltsraum der „Bayern“. Überall
im Schiff gibt es bayrische Utensilien:
So sind Münchner Straßenschilder
in den Gängen aufgehängt, in den Messen - also den Betreuungsräumen
- gibt es bayrische Bierkrüge oder Fotos aus Bayern. Alle drei
Marinemänner stammen aus dem südlichen Bundesland. Das Schiff
befindet sich nach einem zweimonatigen
Einsatz auf der Nordsee auf der Heimfahrt
nach Wilhelmshaven. Drei bis vier Meter
hohe Wellen bringen die Fregatte zum Schaukeln.
Für die jungen
Männer
nur ein leichter Seegang, mancher Neuling
wird da jedoch schon seekrank. Auf Reils
dunkelblauen Schulterklappen sind fünf goldgelbe Striche
und zwei Balken zu sehen. „So viele Streifen hat kaum jemand
in der Deutschen Marine. Mehr geht nicht“, sagt Reil nicht ohne
Stolz. „NATO-Zebra“, sagen deshalb andere zu dem Oberstabsgefreiten
BA. Der Zusatz BA steht für Bootsmannanwärter und bringt
die zwei goldenen Balken über dem Spitzendienstgrad der Laufbahn
der Mannschaften. Reil stammt aus Püchersreuth bei Weiden in
der Oberpfalz. Der Ort hat 600 Einwohner,
dort kennt jeder jeden, ist 703 Kilometer
vom Heimathafen der Fregatte „Bayern“ Wilhelmshaven
entfernt. Reil ist gelernter Maurergeselle
und gehört bei der
Marine der Verwendungsreihe 11 - Decksdienst
- an. Das ist die Garantie, an Bord eines
Schiffes zu kommen, wenn der Bundeswehrarzt
zusätzlich
die Bordverwendungsfähigkeit feststellt.
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| Fregatte "Bayern". |
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Robert Reil ist mit Leidenschaft bei der
Marine. „In meinem Heimatort bin ich aber auch Mitglied im Burschenverein
mit angeschlossener Mädchengruppe. Wir haben gerade unser 100-jähriges
Bestehen gefeiert. Ich nehme dort am normalen Dorfleben teil, wenn
ich zuhause bin“, sagt er. Seine Begeisterung für die kleinste
Teilstreitkraft der Bundeswehr ist dort bereits auf andere übergesprungen.
Reil ist in seiner Heimat zum Multiplikator für ein positives
Image der Marine geworden. An Bord der „Bayern“ ist zurzeit
auch der 20 Jahre alte Gefreite Marco Schregelmann. „Ich komme
auch aus der Gemeinde Püchersreuth, aus dem Ortsteil Wurz. Roberts
Erzählungen haben mich zur Marine gebracht. Ich habe ihn in Fernsehreportagen
gesehen und mich danach mit ihm unterhalten. Jetzt will ich mich auf
acht Jahre verpflichten und Maat werden“, sagt der gelernte
Bäcker, der zurzeit seinen Grundwehrdienst als 11er ableistet.
Maate sind die Unteroffiziere der Marine. Sie sind Fachleute ihrer
Verwendung - vergleichbar einem Gesellen in der freien Wirtschaft.
„Auf der Fregatte Bayern gibt es insgesamt acht Landsleute aus Bayern“,
sagt der Erste Offizier, Fregattenkapitän Kurt Leonards, kurz „Eins
O“ genannt. Der 40-Jährige ist der Chef von Reil, Schregelmann und
Reichert, der zweite Mann nach dem Schiffskommandanten. Insgesamt sind 200 Männer
und Frauen an Bord - wenn Hubschrauber an Bord sind, erhöht sich die Besatzungszahl
auf 230. Bayern stellen in der gesamten Marine eine Minderheit dar. Zwar sind
rund 15 Prozent aller Deutschen Bayern, doch nur 3,1 Prozent sind bei der Marine
- exakt 771 von 24.723, teilen die beiden zuständigen personalbearbeitenden
Stellen der Bundeswehr aus Köln auf Anfrage mit. Immerhin: Auf der „Bayern“ sind
es genau vier Prozent - also leicht mehr, als der Durchschnitt in der Marine.
Trotz dieser augenscheinlichen unterdurchschnittlichen Repräsentanz der
Bayern in der Marine engagiert sich der Freistaat Bayern sehr für die im
Norden Deutschlands beheimatete Teilstreitkraft. So hält die Staatskanzlei
des Ministerpräsidenten den direkten Kontakt zur Fregatte „Bayern“ und
das südliche Bundesland ist Pate des Schiffs. Insgesamt haben 15 bayrische
Städte Patenschaften zu Booten und Schiffen der Marine übernommen -
zum Beispiel die Stadt Deggendorf für das Versorgungsschiff „Donau“,
Röthenbach an der Pegnitz für das Schnellboot „Puma“, Kulmbach
für das gleichnamige Minenjagdboot. Zum Vergleich: Das bevölkerungsreichste
Bundesland Nordrhein-Westfalen steht mit elf Patenschaften, die beiden anderen
großen Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg mit je
zwölf Patenschaften in den Patenschaftslisten der Marine hinter den Bayern. „Die
Patenschaft der Staatskanzlei ist die Lebendigste von allen, die ich bisher auf
Fregatten erlebt habe“, sagt Leonards. Von dieser Verbindung schwärmen
auch die bayrischen Soldaten des Schiffs. Reil sagt: „Ich war bereits zweimal
zu Patenbesuchen in Bayern. Etwa 20 Soldaten werden jedes Jahr von der Staatskanzlei
eingeladen und wir werden wie VIP-Gäste behandelt und wunderbar betreut
- alles auf Kosten des Freistaats.“ |
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| Ein Stückchen Heimat auf See: Die drei Bayern vor einem
Münchner
Straßenschild. |
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Die Bayern, die auf ihrem Schiff von ihrer
Heimat und der Seefahrt erzählen, stehen zu beidem und werben
für die Verbindung Bayern und Marine. Hauptgefreiter Michael
Reichert stammt aus dem 5.000-Einwohnerort Höchstedt im Landkreis
Dillingen bei Augsburg. Er ist Zeitsoldat und hat sich für
vier Jahre verpflichtet.
Seit 2006 fährt er als Decksdienstsoldat auf der Fregatte. Er sagt: „Mein
Vater war schon bei der Marine - als Heizer und Techniker auf dem Versorgungsschiff
Donau. Ich wollte unbedingt zur Marine. Wenn das nicht gegangen wär', beim
Heer hätt' ich verweigert.“ Reil berichtet von den zahlreichen Hafenbesuchen
im Ausland, die er mit der „Bayern“ erlebt hat. In besonderer Erinnerung
bleiben ihm die Landgänge in Lederhosen. „Da haben alle gleich erkannt,
dass ich ein Deutscher bin“, lacht er. Denn im Ausland stehen viele bayrische
Errungenschaften als Synonym für Deutschland: Bier, Lederhosen, Dirndl,
Weißwurst, Sauerkraut oder Leberkäse. Das macht die drei Bayern stolz
auf ihr Bundesland. Oberstabsgefreiter Robert Reil genießt seinen letzten
Abend mit den Kameraden in der Messe - dem Betreuungsraum an Bord, dessen Präsident
er war. „Morgen werde ich in Uniform von Bord gehen - mit einem lachenden
und einem weinenden Auge. Und nach dem Bootsmannlehrgang komme ich 2010 vielleicht
zurück - als Decksmeister.“ |
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| Text: /
Fotos: Detlef Struckhof, PIZ Marine |
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