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Von
der Realität überholt |
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Marine übt multinational im Ostseeraum |
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Kiel (uz) [21.10.07]. Eng ist es im Kieler Marinehafen
in der vergangenen Woche geworden. 40 Einheiten aus 8 Nationen
wurden hier zu einem multinationalen Übungsverband zusammengefaßt.
So viele Marineeinheiten sind in Kiel in den vergangenen Jahren
selten geworden. Höchstens zur Kieler Woche bietet sich noch
ein ähnliches Bild. |
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Auf Gefechtsstation: Die britische Fregatte "Lancaster" wird von
einem Seaking ins Übungsgebiet geleitet.
Fotos: Uwe Zeitter |
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Bereits im Januar 2006 begannen
die Planungen für die Übung „Northern Coasts 2007“ im
Flottenkommando in Glücksburg. Damals lag die Überlegung zu
Grunde, dass lediglich Fregatten und Mineneinheiten durch die
ständige
Beteiligung an den Marinegruppen der NATO regelmäßig mit
den Szenarien der aktuellen Einsatzspektren konfrontiert werden,
sei es zur Übung oder im scharfen Einsatz. Für alle anderen
Typen insbesondere für die kleineren Einheiten, Schnellboote und
Uboote zum Beispiel, aber auch die neuen Korvetten wurden dabei aber
vernachlässigt.
Das neue Anforderungsprofil, die Abwehr so genannter asymmetrischer
Kräfte, sollte den Übungsszenarien zu Grunde liegen. Durch
Missionen wie Active Endeavor und Operation Enduring Freedom
sind viele Marinekräfte zwar längst mit den Szenarien vertraut
gewesen, aber eben nicht alle. |
Für
die Besatzungen der genannten weiteren Fahrzeugmuster sollte die Übung
im Besonderen dienen. Konzipiert für ein Szenario, das im
Ostseeraum realistisch scheint, wurden auch die Nationen in der
Nachbarschaft zur Übung eingeladen.
Etwa ein halbes Jahr später, mussten die Planer spüren, wie nah an
der Realität ihr Übungsvorhaben war: Innerhalb weniger Wochen wurde
das UNIFIL-Kontingent vor der Küste des Libanon stationiert. Verantwortlich
war damals der deutsche Flottillenadmiral Andreas Krause. Sein Verband entsprach
in der Zusammensetzung ungefähr dem, des geplanten Vorhabens. Der Verband
bestand aus Schnellbooten und Mineneinheiten ebenso wie aus Fregatten. |
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| Warten auf den Übungsbeginn. |
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Für die Deutsche Marine
kam im Libanon dazu, dass sie sich in ein durchaus fremdes Umfeld begab.
Der Flottillenadmiral ist jetzt einer der Exercise Directors der Übung
Northern
Coast 2007. Viele der Übungsinhalte aus der „neuen Welt“, wie
der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Hans-Joachim Stricker, die neuen Anforderungen
an die Marine, beschreibt, haben die Besatzungen im UNIFIL-Einsatz inzwischen
real erlebt.
„ Man muss als Kommandant das Undenkbare denken“, gibt Admiral Krause
zu bedenken. Große Seeschlachten über tiefem Wasser seien heute keine
realistische Vision mehr, sind sich die Admirale einig. Vielmehr müsse in
Küstennähe operiert werden. Und der Flottenchef hält in der Pressekonferenz
zu Übungsbeginn eine einfache Formel bereit: „Früher suchten
graue Schiffe nach grauen Schiffen“, vereinfacht Vizeadmiral Stricker und
ergänzt: „Heute muss man nach allem Möglichen suchen!“ Das
Leben in den Einsatzregionen gehe, so die Admirale, ganz normal weiter. Fischerboote
seien täglich auf dem Meer und man müsse aufmerksam prüfen, ob
der Fischer, der freundlich winkt nicht in der anderen Hand eine Waffe hält,
beschreibt der Admiral Krause seine Erfahrungen. Auch sei es oft nicht erkennbar,
ob ein Segelboot auf den Verband zu halte, weil deutsche Urlauber winken wollen,
oder ob ein Anschlag geplant ist, selbst Rettungsinseln mit Sprengstoff gefüllt
hätten dem UNIFIL-Verband zu schaffen gemacht. In diesem Bedrohungsspektrum
könne man sich, so die Verantwortlichen auch die Inhalte vorstellen, die
auf den rund 2000köpfigen Übungsverband seit gut einer Woche zukommen. |
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Teile des Flottenverbandes auf dem Weg in die Ostsee. |
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An der Übung sind
aber auch Spezialkräfte aus dem Bereich der Marinesicherung sowie
Hubschrauber und Aufklärungsflugzeuge beteiligt. Das Interesse
der
Nachbarn war groß, auch wenn, wie Admiral Stricker berichtet, einige nicht
teilnehmen konnten. „Viele haben einen ähnlichen Bedarf wie wir festgestellt“,
betont er. In der Übung geht es nicht nur um den Umgang mit den aktuellen
Bedrohungsszenarien sondern natürlich auch darum, das Verständnis der
Soldaten untereinander zu fördern und Arbeits- und Vorgehensweisen anzugleichen
und zu üben. Es habe sich bewährt, die Verfahren, die die NATO eingeführt
hat zu nutzen. Das gelte besonders auch bei der Annäherung an andere Einheiten
auf See.
Ein besonders großes Kontingent stellt die schwedische Marine. Ebenso wie
die Deutsche Marine hat sie 16 Einheiten zu Northern Coast entsandt. Der schwedische
Flottillenadmiral Odd Werin erklärt, dass seine Verbände die Übung
als Jahreshauptübung nutzen, die eigene Übung finde nicht statt. Mit
einem leichtem Schmunzeln auf den Lippen bedankt er sich bei den deutschen Admiralen
für diese Möglichkeit. Für ihn ist das Vorhaben ebenso wichtig,
wie die deutschen Admirale. „Wir wissen niemals, wann wir uns wieder in
einer realen Operation befinden“, betont Admiral Werin. Wenn es nach dem
Willen der Organisatoren geht, wird die Übung künftig in jedem Jahr
stattfinden und könnte in der Planung und Führung zwischen den Nationen
wechseln. In diesem Premieren-Durchgang nutzen Dänemark, Finnland, Frankreich,
Großbritannien, Lettland, Polen und Schweden das Angebot, bei Northern
Coast dabei zu sein. Eine Übung die es so noch nicht geben habe, betont
Admiral Stricker.
Für Beobachter wird es kaum Möglichkeiten geben, das Geschehen von
Land aus zu verfolgen, auch wenn es sich vorwiegend um küstennahe Operationen
handeln wird.
Praktisch gliedert sich die Übung in zwei Teile. In einem ersten Teil wird
der Übungsverband mit Lageeinspielungen konfrontiert, die fest nach einem
Drehbuch ablaufen werden. Im zweiten Teil der Übung werden sich die Lagen
im sogenannten „Free-Play“, also in einem „freien Spiel“ entwickeln.
Die Reaktionen und Handlungen der unterschiedlichsten Einheiten nehmen dabei
Einfluß auf den weiteren Ablauf. |
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