truppen.info: Truppe: Brandschutz in der Bundeswehr
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 Eng, dunkel und viel zu heiß
 Brandschutz bei der Marine führt zu außergewöhnlichen Belastungen
Neustadt/Holstein (uz) [01.07.07]. Wenn in einem Haus ein Feuer ausbricht, werden die Bewohner schnell evakuiert, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt, kann das Haus kontrolliert abbrennen. Wenn auf einem Schiff Feuer ausbricht, können beide Lösungen nicht Erwägung gezogen werden. Auf einem Kriegsschiff kommt hinzu, dass trotz der Löscharbeiten eine möglichst hohe Kampfkraft erhalten werden muss. Für die Soldaten an Bord keine einfache Aufgabe und eine Aufgabe, die mit großen psychologischen Belastungen verbunden ist. Auf einem Schiff gilt es, die Flammen schnell unter Kontrolle zu bringen, bevor sich in den abgeschotteten Sektionen extrem hohe Temperaturen bilden. Eine Belüftung der Sektionen ist nicht möglich, ohne andere Bereiche durch die Rauchentwicklung zu gefährden.
Jedes Besatzungsmitglied hat dafür eine spezielle Ausbildung und regelmäßig werden im täglichen Borddienst Brand- oder andere Katastrophenszenarien geübt. Die Soldaten durchlaufen zu Beginn der Verwendungszeit an Bord und danach spätestens alle zwei Jahre die entsprechende Ausbildung im Ausbildungszentrum für Schiffssicherheit in Neustadt in Holstein. Dazu kommen Ausbildungsphasen, die mit den gesamten Einheiten absolviert werden, um die Schutzmaßnahmen vor Ort auf dem eigenen Boot oder Schiff zu trainieren. Egal ob Schnellboot, Einsatzgruppenversorger oder Fregatte, alle Einheiten der Marine kommen regelmäßig in Neustädter Bucht. Es liegt in der Maßgabe der Kommandanten, in welchen Abständen zusätzliche Trainingsabschnitte folgen. „Mittlerweile gehört die Schadensabwehr auch schon zur Allgemeinen Grundausbildung, 60 Unterrichtseinheiten gehören der Schiffssicherheitsgrundausbildung“, berichtet Oberleutnant zur See Herrmann Larink, einer der Ausbilder für Brandschutz in Neustadt.
Unter den aufmerksamen Blicken der Ausbilder geht der Angriffstrupp vor.
Fotos: Uwe Zeitter
Die Ausbilder in Neustadt haben für ihren Auftrag moderne aber zum Teil auch eher rustikale Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Alle haben jedoch eines gemeinsam: Sie sind extrem fordernd. Neben einer Brandschutzhalle, die verschiedene Möglichkeiten bietet, den Umgang mit unterschiedlichen Löschmitteln zu trainieren, bietet die „Ex-Köln“, die ehemalige Fregatte „Köln“, realistische Trainingsmöglichkeiten. Sie wurde speziell für die Ausbildungsbelange in der Schadensabwehr verändert und auch mit einer modernen Filteranlage versehen, um den Umweltschutzauflagen gerecht zu werden. Seit dem bricht auf der „Köln“ regelmäßig Feuer aus oder Wasser ein.
Auch mit "kalter" Brandstelle wirkt der Maschinenraum der Köln bedrohlich.
Die engen Gänge, die dunklen Maschinenräume flößen den Besuchern Respekt ein und treiben den Lehrgangsteilnehmern den Angstschweiß auf die Stirn. „Die Brände, die wir hier simulieren, sind realtiv klein – es geht mehr um die psychologische Wirkung“, erläutert Kapitänleutnant Michael Bergemann, der Leiter des Fachbereiches Brandschutz, die Intension. In den schmalen Gängen, den steilen Zugängen und der schnellen Hitze- und Rauchentwicklung in der ehemaligen Fregatte erleben die Soldaten ein realitätsnahes Szenario. Die Lagen auf dem Schiff lassen sich je nach Bedarf und Ausbildungsstand beliebig eskalieren. „Wir bringen die Verantwortlichen gelegentlich schon an den Rand ihrer Leistungsgrenze“, gibt Herrmann Larink zu. Am Ende sind die Lagen aber alle zu bewältigen, wie er betont. Die großen Szenarien werden immer von zwei Lehrgängen zeitgleich geübt. „So 40 Mann sollte man schon vor Ort haben, wenn man ernsthaft etwas ausrichten möchte“, erläutert der Oberleutnant zur See.
Zivile Feuerwehrkräfte in der Brandhalle "West".
Rund 45 Wochen pro Jahr sind die Ausbilder selbst gefordert. Neben dem Brandschutz steht für die Lehrgangsteilnehmer auch ABC-Ausbildung, Leckabwehr, Sanitätsausbildung sowie Retten und Bergen auf dem Dienstplan. Langweilig wird den Teilnehmern nicht in Neustadt. Sie werden schnell, aber bestimmt auf ihre Aufgaben vorbereitet. Doch nicht nur die Besatzungen von Schiffen und Booten kommen ins Ausbildungszentrum, auch das Feuerwehrpersonal der Bundeswehr macht auf seiner so genannten Rundreise durch die Dienststellen und Verwendungsmöglichkeiten für eine Woche Station in Neustadt. Auch viele ausländische Offiziere gehören zu den Lehrgängen und nehmen oft für sie recht neue Eindrücke mit in ihre Heimatländer. Die Deutsche Marine hat in Sachen Schadensabwehr sicherlich eine Vorreiterrolle, wie die Ausbilder gerne bestätigen.
Neben den militärischen Lehrgangsteilnehmern gibt es zahlreiche freiwillige und Berufsfeuerwehren, die in Neustadt regelmäßig üben. Das Einzugsgebiet reicht weit nach Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hinein.
Besonders aus Hamburg wird die Anlage gerne frequentiert. Die Risiken, die ein brennendes Kriegsschiff durch Munition und Treibstoff birgt, unterscheiden sich kaum von den Gefahren, die ein normales Containerschiff darstellen würde. „Durch die Container kann die Ladung heute ebenso vielfältig wie gefährlich sein“, betonen die Ausbilder.
Aufmerksame Zuhörer finden die Ausbilder an Bord der "Ex-Köln".
Egal ob in der Brandschutzhalle oder auf der „Ex-Köln“, ein Grundsatz gilt in der Ausbildung, wie auch bei den späteren Einsätzen: „Sicherheit geht vor“. Auch beim Torso in der Brandhalle Ost, der je nach Nutzer als Schiffssektion oder als Wohnung verwendet werden kann, stehen überall erfahrene Feuerwehrleute in greifbarer Nähe. Sie können im Notfall noch eingreifen. Bis zu 800 Grad können sich die „Räume“ innerhalb kürzester Zeit aufheizen. „Allerdings brennt es bei uns richtig, wir können die Flammen nicht auf Knopfdruck ersticken, wie bei einer Gasanlage“, betont Larink und fügt hinzu: „Der Notschalter sind so zu sagen wir als Ausbilder und Feuerwehrleute.“ Fast alle Brandbekämpfer, die im Ausbildungszentrum tätig sind, engagieren sich auch in einer freiwilligen Feuerwehr.
Bald ausgedient: Die Schutzausrüstung der Marine.
Für die Lehrgangsteilnehmer geht es bald in den rußigen Bauch der Köln. Jeder Lehrgangsteilnehmer wird auf jeder Position üben, begonnen wird dabei mit vermeintlich einfachen Aufgaben. Das Öffnen und Überprüfen der Schotten und der Angriff an die Brandstelle werden geübt. Kapitänleutnant Torsten Nitsch teilt die Soldaten ein und erinnert sie an das Erlernte. Ihm stehen bei der Brandstelle ein Feuerwehrmann und ein weiterer Ausbilder zur Seite, die aus einem Nebenraum das Geschehen verfolgen können. „Beim ersten Mal ist das Adrenalin so hoch, dass die Soldaten kaum mitbekommen, was um sie herum geschieht“, weiß Herrmann Larink auch aus seiner eigenen Erfahrung. Es dauert schon ein paar Wochen, bis man sich auch als Ausbilder sicher um die Brandstellen bewegt, gesteht er.
Die silbernen Schutzanzüge der Soldaten tragen durchaus auch ihren Teil dazu bei, dass das Adrenalin steigt. Das Sichtfenster in den Hauben der Anzüge verdient eigentlich kaum seinen Namen. Wirklichen Durchblick erlaubt die Ausstattung nicht. Sie gehört allerdings auch schon bald der Vergangenheit an. Das Personal im Ausbildungszentrum trägt bereits die derzeit übliche Feuerwehr-Bekleidung, an Bord soll die Ausrüstung auch bald eingeführt werden.
In jeder Lage haben die Ausbilder ihre Schützlinge im Blick.
Die Neuerungen fordern natürlich auch die Ausbilder. Zur Zeit ist es die Einführung neuer Atemschutzausrüstungen, die den Fachbereich Brandschutz fordert. Einige Phasen der Erprobung wurden in Neustadt durchgeführt und nun, wo es an die wirkliche Einführung geht, durchlaufen die Soldaten die Ausbildung bei Industrie, um sicherzustellen, dass am Ausbildungszentrum auch zertifiziertes Fachpersonal verfügbar ist.
Selbst Ausbildungen in Neustadt unterscheiden sich zunehmend. Durch die geänderten Laufbahnverordnungen kommen Soldaten mit unterschiedlichstem Ausbildungsstand nach Neustadt: „Es ist mühsam, wenn im Unterricht ein junger Feldwebelanwärter, der noch nicht einmal einen Bordplan lesen kann, neben einem Soldaten mit fünf oder mehr Jahren Borderfahrung sitzt“, erzählen die Ausbilder. Dennoch sorgen sie bei all ihren Lehrgangsteilnehmern dafür, dass der Eindruck des Ausbildungszentrum Schiffssicherung ein Leben lang anhält.
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 Archiv: Schadensabwehrausbildung auf Schiffen und Booten
 
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