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 Alles neu macht die Marine
 Umfangreiche Umstrukturierungen prägen das Jubiläumsjahr
Mit Tüchern winkende Angehörige stehen an der Mole und verabschieden den Tender Rhein.
Verabschiedungen zu Einsätzen oder NATO-Missionen, wie hier für die Besetzung des Tenders "Rhein" in Olpenitz, gehören bei der Marine längst zum Tagesgeschäft.
Itzehoe/Olpenitz (uz) [21.03.06]. Das Marinemusikkorps Ostsee ist auf der Mole in Olpenitz angetreten. An einem kühlen aber sonnigen Nachmittag wird der Tender "Rhein" verabschiedet. In kommenden Monaten dient das Schiff als Flaggschiff für den Stab des ständigen Minenabwehrverbandes der NATO Response Force (NRF). "Muss i denn zum Städtele hinaus", stimmen die Musiker an. Längst sind auslaufende Einheiten zu Einsätzen am Horn von Afrika oder im Rahmen der NRF-Kräfte an den Tagesordnung. Und doch ist es an diesem Tage anders: Der Tender "Rhein" wird nicht mehr nach Olpenitz zurückkehren. Wenn er in einigen Monaten für eine kurze Urlaubsphase nach Deutschland zurückkehrt, wird es den Standort Olpenitz nicht mehr geben. Und auch die Flottille der Minenstreitkräfte, zu der der Tender gehört, wird dann Vergangenheit sein. Die Minensuchgeschwader werden der neuaufgestellten Einsatzflottille 1 in Kiel unterstellt.
Die zunehmenden Einsatzanforderungen an die Streitkräfte sorgen in allen Teilstreitkräften für Anpassungen. Besonders im maritimen Bereich sind höhere Flexibilität und neue Fähigkeiten gefordert. In der bisherigen Struktur wurde die Organisation der zunehmenden Aufgaben auf internationalem Parkett zunehmend problematisch. Es galt also für diese Neuausrichtung die Konzeption der Marine zu überdenken und eine neue Führungsstruktur zu entwickeln. Ebenso gilt es sich mit einer Erweiterung der Fertig- und Fähigkeiten auf zusätzliche Begebenheiten vorzubereiten.
Dies schlägt sich insbesondere auch in der Verschlankung der Führungsstränge nieder. Bisher wurden durch das Flottenkommando in Glücksburg fünf spezielle Typflottillen geführt:
  •  Zerstörerflottille in Wilhelmshaven
  •  Flottille der Minenstreitkräfte
     in Olpenitz
  •  U-Bootflottille in Eckernförde
  •  Schnellbootflottille in Warnemünde
  •  Flottille der Marineflieger in Kiel
Soldat hält im Bug des auslaufenden Schiffes die Flagge fest.
In vielen Region zeigt die Deutsche Marine inzwischen Flagge.
Nach Einnahme der neuen Struktur wird es nur noch zwei Flottillen in Kiel und Wilhelmshaven und die beiden Marinefliegergeschwader in Kiel-Holtenau und Nordholz unter der Führung des Flottenkommandos geben. Diese werden sich nicht mehr durch eine spezielle Typisierung auszeichnen, sondern durch eine schnellere Verfügbarkeit von Kräften, da sie zum Großteil aus einer Flottille gestellt werden können:
Einheiten, die der Einsatzflottille 1 in Kiel zugeordnet wurden und werden:
  •  1. Minensuchgeschwader
  •  3. Minensuchgeschwader
  •  1. Korvettengeschwader
  •  7. Schnellbootgeschwader
  •  Ubootgeschwader
  •  Spezialisierte Einsatzkräfte Marine
  •  Ausbildungszentrum Uboote
Einheiten, die der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven zugeordnet wurden und werden:
  •  1. Fregattengeschwader
  •  2. Fregattengeschwader
  •  4. Fregattengeschwader
  •  6. Fregattengeschwader
  •  Troßgeschwader
Die notwendigen Umstrukturierungen wurden bereits in den vergangenen Monaten begonnen. Mit vielen Wechseln, die seit dem vergangenen Sommer auf Dienstposten im Bereich der Disziplinarvorgesetzten vollzogen wurden, war auch eine Umbenennung oder Auflösung verbunden.
Als einziger Standort von schwimmenden Einheiten wird Olpenitz aufgegeben werden. Die dort stationierten Minenstreitkräfte finden in Kiel ein neue Heimat. Für den idyllisch gelegenen Hafen gibt es noch keine weiteren Pläne. Ein geplanter Freizeitpark scheint wegen des nahen Naturschutzgebietes vom Tisch zu sein.
Die neuen fachlichen Ansprüche sind geprägt von drei Facetten der Anforderungen, denen die Bundeswehr künftig gerecht werden muss. Allen voran steht dabei die längere Abwesenheit in Auslandseinsätzen. Ähnlich wie beim Heer zehren diese zunehmenden Belastungen an den Soldaten. Neben den länger werdenden Einsatzzeiträumen spielt hier auch die Reduzierung der Personalstärke eine große Rolle. Die möglichen Szenarien vor dem Hintergrund von „asymmetrischen Bedrohungen“ oder „Joint und Combined Operations“ erfordern das Überdenken neuer Fertigkeiten. Gerade in den neuen Einsatzaufgaben geht es hauptsächlich um den Schutz und die Überwachung von Seeräumen, zusätzlich selbstverständlich um den Schutz des Personals und der Einheiten auf dem Weg in die Einsatzgebiete. Aber auch künftige Rüstungsprojekte sind auf diese Forderungen abzustimmen. Vor dem Hintergrund knapper Haushaltsmittel werden die notwendigen Veränderungen nach und nach umgesetzt.
Uboot an Land aufgedockt.
"U 31", ein Vertreter der neuen Ubootklasse 212A, die die innovatives Entwicklungsarbeit der Deutschen Werften repräsentiert. Mit den Korvetten der Braunschweig-Klasse und einer neuen Fregatte erhält die Deutsche Marine weiteres High-Tech-Material.
Um leistungsstarke Einsatzverbände aufstellen zu können wurde die Marine, ähnlich wie es vor geraumer Zeit schon bei Verbänden des Heeres geschehen ist, in Streitkräftekategorien eingeteilt. Die Stabilisierungskräfte sollen dabei besonders im Focus der Investitionen liegen. Nicht vermeidbar scheinen dabei Differenzen zwischen den verschiedenen Typen der Boote und Schiffe zu sein. Es könnte also durchaus sein, dass ein Boot aufgrund der Zugehörigkeit zu den Stabilisierungskräften technisch weiterentwickelt wird. Ein Boot gleicher Klasse könnte aber aufgrund der Zugehörigkeit zu einer anderen Kategorie auch auf einem anderen Stand der Rüstung sein. Ein Umstand der wohl im Auge gehalten werden muss, damit die Differenz nicht zu groß wird. Neben den Rüstungsprojekten, die sich bereits in der Umsetzungen befinden
  •  Unterseeboote Klasse 212A
  •  Einsatzgruppenversorger
     Berlin-Klasse
  •  Marinehubschrauber des
      Typs MH 90
  •  Seefernaufklärer von Typ P3C Orion
  •  Korvetten der Braunschweig-Klasse
     (bereits in Bau und Erprobung)
Minensuchboot in der Kieler Förde
Gefragte Unterstützung: Minensuchverbände.
Fotos: Uwe Zeitter
soll im Jahr 2006, dem Jubiläumsjahr "50 Jahre Marine", vertraglich der Bau von vier Fregatten einer neuen Klasse, F-125, vereinbart werden. Hier sollen auch Erfahrungen aus den Einsatzgebieten in die Planung mit aufgenommen werden. Außerdem soll in der Klasse F-125 die Gelegenheit für einen Wechsel der Besatzung vor Ort geschaffen werden.
Um die Möglichkeiten eines Personalwechsels in den Einsatzregionen zu schaffen, sollen spezielle Einsatzstäbe aufgestellt werden. Damit entfällt ein Teil der zeitlichen Belastung, der derzeit für die Überführung der Einheiten in die Einsatzgebiete und zur Rückkehr für die Soldaten entsteht.
 Archiv: Alles neu macht der Sanitätsdienst
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 Archiv: Alles neu macht die Streitkräftebasis
 
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