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„...statt in der Uni am Schreibtisch zu sitzen...“ |
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Deutscher Offizieranwärter an Bord des Schulschiffs „Brasil“ |
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Hamburg (uz) [28.09.06]. Frauen in grün-gelben T-Shirts schwenken
brasilianische Fähnchen, als ein beindruckendes Schiff
mit der Silhouette einer Fregatte an den Hamburger Landungsbrücken
festmacht. „Es ist für uns ein Hauch von Heimat“,
erzählt eine der Frauen und wischt sich eine Träne
aus dem Auge. Der Hauch von Heimat für die gebürtigen
Brasilianerinnen heißt „Brasil“ und ist das
Schulschiff der brasilianischen Marine.
Nur einer der Soldaten an Bord wird von seiner Familie
erwartet: Der 24jährige Leutnant zur See Christian Ickert
fuhr im Rahmen eines Austauschprogramms für drei Monate
auf der Brasil mit. Er ist der einzige Deutsche an Bord
und macht ein wenig den Eindruck, als ob er beim Medieninteresse
zur Ankunft lieber einer von vielen wäre. |
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Christian Ickert, der nicht ganz freiwillige „Star“ des Tages. Fotos: Zeitter |
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Eingeschifft
wurde er noch als Oberfähnrich zur See. „Die Beförderung
zum Leutnant ist ohnehin schon eine Besondere, und auf meiner Urkunde
steht unten „Buenos Aires, den 1. Juli 2006“, das ist noch
schöner“, erzählt der Offizier von einem besonderen
Tag in einer besonderen Seefahrt. Er wurde für diese Fahrt ausgewählt,
zusammen mit 17 weiteren Soldatinnen und Soldaten aus anderen Nationen
und natürlich den 160 brasilianischen Offizieranwärtern
an Bord, trat er am Juni die Reise an. „Ich hatte die Möglichkeit
zu einer sehr schönen Seefahrt, mit sehr schönen Häfen,
statt in der Uni am Schreibtisch zu sitzen“, erzählt Ickert.
Wie die meisten seiner Kameraden geht er im Heimatland von Bord. Bereits
in 10 Tagen steht an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg
die nächste Klausur und der Start ins neue Trimester auf seinem
Dienstplan. |
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| Eher unauffällig läuft die „Brasil“ in den Hamburger Hafen ein. Die „Fans“
warten bereits sehnsüchtig. |
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Die
brasilianischen Oberfähnriche erreichen den Heimathafen
Rio de Janeiro
am 2. Dezember wieder. Die „Brasil“ führt jährlich eine Ausbildungsreise
durch, die 19. ist es in diesem Jahr. Viele der Reisen haben das Schulschiff
bereits nach Hamburg geführt. Die Fahrt auf dem Schulschiff ist der Abschluss
der Ausbildung der brasilianischen Kadetten. Sie ist Voraussetzung für die
weitere Verwendung in der Marine. Ergänzend zur Ausbildung in den Hörsälen
der Akademien liegt der Ausbildungsschwerpunkt an Bord vor allem in praxisbezogenen
Aufgaben. Die 248 Mann starke Crew (Auszubildende nicht eingerechnet) von Kapitän
zur See Alipio Jorge Rodrigues da Silva, dem Kommandanten der „Brasil“ ist
es, das Können der Männer, wie er sagt, zu vervollständigen. Auch
für ihn ist es die erste Seefahrt als Kommandant der „Brasil“.
Er trägt erst seit dem 13. Januar 2006 die Verantwortung für das Schiff
und die Ausbildung an Bord.
Das Ausbildungsprogramm wird an der Brasil durch hervorragende Einrichtungen
erleichtert. Erst 1987 hat das Schiff seine Jungfernfahrt absolviert. Es verfügt
beispielsweise über einen Ausbildungsraum, der allen 160 Kadetten Platz
bietet und mit modernsten Ausbildungseinrichtungen bestückt ist. „In
diesem Jahr haben wir auf der Fahrt auch Marinegeschichte gelehrt“, erzählt
der Kommandant stolz. Simulations- und Trainingssysteme ergänzen die Ausbildungsmöglichkeiten. |
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Viele
dieser Ausbildungshilfen wurden speziell für dieses Schiff in Brasilien
entwickelt, darunter befindet sich auch Schaden-Kontroll-und Abwehr-System
(SISCAV)
und verschiedene taktische Terminals.
Doch nicht nur taktisch werden die Oberfähnriche an Bord ausgebildet. Auch
das seemännische Handwerkszeug spielt eine wichtige Rolle. So verfügt
die „Brasil“ zum Beispiel auch über einen großen Navigationsraum. „Hier
stehen große Navigationstische, mit guten Karten, hier kann man hervorragend
lernen“, kommt der sonst eher norddeutsch-kühle deutsche Offizier ins
Schwärmen.
Die Ausbildungsthemen auf der „Brasil“ sind ebenso vielfältig,
wie die Einsatzbereiche, in den die Offiziere später ihren Dienst versehen
werden. Es stehen Navigation, Meteorologie, Seemannschaft, Marineoperationen
und Schadensabwehr ebenso auf dem Dienstplan, wie Marineadministration und Führungslehre.
Dazu kommen praktische Aufgaben, wie Schichten als Wachgänger im Dienstbetrieb
des Schiffes. |
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Optimale Ausbildungsmöglichkeiten
werden an Bord geboten. Zum Beispiel der großzügige Navigationsraum. |
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„Ausgebildet
wird an Bord täglich von 8 bis 11.30 und von 13.30 bis
17.30 Uhr“, erzählt Leutnant Ickert. Die Soldaten sind für die
Ausbildung in Klassen eingeteilt. So können alle optimal auf die Ausbildungseinrichtungen
verteilt werden. Das Klima an Bord lässt keinen Zweifel daran: Hier kann
man sich gut einfügen. Das bestätigt auch der deutsche Student: „Ich
spreche kein Portugisisch und viele der Besatzungsmitglieder sprechen kein Englisch
oder Deutsch, ich habe es lieber etwas ruhiger, die Brasilianer lieber etwas
lauter, aber das war eigentlich keine so große Umstellung sonst.“ Ebenso
elegant, wie der große Unterrichtsraum, ist eine Messe, ein großer
Aufenthaltsraum, der den Auszubildenden bereit steht - sei es zum Fernsehen oder
für Gespräche zum Beispiel an der kleinen Bar. |
Die
letzte Fahrt an Bord der „Brasil“ begann für
Christian Ickert
in Koppenhagen und führte durch den Nord-Ostsee-Kanal nach Hamburg. Vor
allem die nächtliche Kanalpassage sei, so verrät der Presseoffizier
des Schiffes, auch für die Stammbesatzung ungewohnt und ermüdend gewesen.
Für den jungen Leutnant heißt es in Hamburg Abschied nehmen. Der Kommandant
antwortet auf die Frage, ob Christian Ickert das Zeug zum Marineoffizier habe,
ohne zu zögern: „Ja!“ und fügt lächelnd und ein bisschen
leiser hinzu: „Ich glaube schon!“ |
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Kapitän zur See Alipio Jorge Rodrigues da Silva (links) und Leutnant Christian Ickert auf der Brücke. |
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Schwer zu Glauben: Dieser Unterrichtsraum für alle Teilnehmer der Fahrt befindet sich tatsächlich
an Bord. |
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Das Schulschiff"Brasil":
| Einsatzverdrängung: |
3729 t |
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| Länge: |
130,25 m |
| Breite: |
13,52 m |
Durchschnittlicher Tiefgang: |
4,44 m |
| Maximaler Tiefgang: |
6 m |
| Reisegeschwindigkeit: |
14 Knoten |
| Höchstgeschwindigkeit: |
18 Knoten |
| Reichweite: |
7000 SM |
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