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 „Das ist klasse! Das ist echt super!“
 Korvettenkapitän Michael Bornholt im Gespräch über Uboote der Klasse 212 A
Eckernförde (uz) [13.10.2006]. Seit gut einem Jahr schauen die Marine-Spezialisten aus aller Welt nach Deutschland. Damals, am 19. Oktober 2005, wurden die beiden ersten Unterseeboote vom Typ 212 A in Dienst gestellt. Nach rund 30 Jahren, die die Boote vom Typ 206 und später 206 A im Dienst der Deutschen Marine standen, stellen die neuen Boote selbstverständlich eine deutliche Modernisierung dar. Doch nicht nur eine technisches Aktualisierung brachte das Boot in die Schlagzeilen der Fachpublikationen: Mit einem neu- und einzigartigen Brennzellen-Antriebssystem, viel mehr Platz und zeitgemäßer Technik wecken die Boote, die bei HDW in Kiel und der Nordseewerft in Emden gebaut werden, auch das Interesse anderer Nationen.
Insgesamt sechs Boote der Klasse 212 A soll die Bundeswehr erhalten, die Hälfte versieht bereits erfolgreich ihren Dienst.
Erstmals wurde schon für die Erprobungsphase eine komplette, militärische Besatzung eingeschifft. Korvettenkapitän Michael Bornholt führte diese Besatzung auf U 32 und war bis vor wenigen Wochen der erste Kommandant des Bootes. Im truppen.info-Interview stand er zu seinen Erfahrungen Rede und Antwort:
Herr Kapitän, war es Absicht, dass sie Ubootfahrer geworden sind, oder mehr ein Zufall?
Nein, das ist gewollt! Ich wollte eigentlich schon viel früher. Ich bin als Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eingetreten und habe mich dann aus der Wehrpflicht heraus weiterverpflichtet, erst als Soldat auf Zeit und wollte da schon als Unteroffizier auf Uboote. Damals waren die Dienstposten alle voll. Dann hab ich noch mal einen zweiten Versuch gestartet, nachdem ich in die Offizierslaufbahn gewechselt habe, da hat's dann endlich geklappt. Das war ganz bewusst und gewollt so.
Was machen Uboote für sie aus?
Ganz zu Anfang habe ich immer gedacht der besondere Flair, den man kannte aus Filmen. Aber das ist nicht ganz richtig. Das ist so das erste woran man immer denkt. Aber was das Ubootfahren für mich immer ausgemacht hat, war das besonders enge, familiäre Zusammenarbeiten mit den Soldaten. Das ist eine kleine Besatzung, auch auf den neuen Booten ist sie nur unwesentlich größer. Dieses enge Zusammensein mit seinen Männer, das ist das wirklich Besondere. Und: Dass man alleine Fahren kann, alle anderen fahren immer in großen Verbänden und müssen sich irgendeinem unterordnen. Uboote bekommen einen Auftrag und führen ihn aus. Das selbstständige Arbeiten, Entscheidungen treffen zu können ist auch ein besonderer Reiz.

Korvettenkapitän Michael Bornholt in der Operationszentrale von U 32.
Fotos: Zeitter
War die Übernahme eine Bootes der neuen Klasse 212 A noch in der Erprobungszeit ein besonderes Highlight?
Ja, auf jeden Fall. Das ist meine dritte Kommandantenzeit gewesen auf U32 - normal sind zwei Kommandantenzeiten - obwohl, selbst die bekommen wir heute kaum noch hin. Aufgrund meines Lebensalters habe ich nie damit gerechnet, dass ich noch mal einen „212er“ kriege. Es war immer mein Wunsch, das habe ich auch immer lauthals gesagt aber die Wahrscheinlichkeit, dass das klappen könnte, war verschwindend gering. Als dann mein damaliger Kommandeur mir eröffnete, dass ich geplant bin als Erstkommandant auf'm „32er“, da wurde ein Traum wahr.
Hat man als Kommandant in der Testphase auch noch Möglichkeiten Einfluss auf das Boot zu nehmen?
Das war für Marine ja auch ganz neu: Wir haben zum ersten Mal eine richtige Fahrbesatzung in Verantwortung auf so einem Boot gehabt. Früher wurden die von der Werft eingefahren und wir haben sie irgendwann übernommen. Die ersten Monate war es für uns auch sehr neu und dann haben wir gemerkt, dass man mit der Industrie, dem Marineamt und auch mit BWB (Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung) zusammenarbeiten kann und, dass die auch Wert auf unser Urteil legen. Das sind Kleinigkeiten, wir werden den Diesel nicht neu erfinden, aber Einbauorte von gewissen Geräten zum Beispiel, wenn sie nicht riesig groß waren, konnte man beeinflussen. Oder sicherheitstechnisch, sei es nur, dass man irgendwo zusätzliche Handläufe angebracht hat, wo man in der Konstruktion nicht daran denkt, weil das Boot gibt es da noch nicht. Das konnte man schon sehr gut beeinflussen. Da haben wir mit vielen Kleinigkeiten, aber die summieren sich auch, eine Menge geschafft.
Was macht den Typ 212A für sie aus?
Also per se ist er ein Uboot wie alle anderen auch. Aber er ist größer, er ist schöner, er kann mehr und bei diesem Ubootstyp spürt man sofort, dass da ein richtiges Konzept dahinter steht. Man kommt in das Boot rein und sieht überall „ja das muss so sein, dieser Schrank muss da stehen“. Wenn man von vorne bis hinten durch das Boot läuft, folgt das einem stringenten Plan. Das ist ganz besonders. Bei vielen anderen Booten, sei es Export oder auch unsere älteren Boote, da wurde hier mal n bisschen Nachgebessert und da - die sind natürlich auch schon sehr alt unsere Alten. Das ist bei den Neuen nicht so: Das folgt von vorne bis hinten einem klaren Konzept und das ist gut das Konzept, das ist super. Naja, und dann macht's einfach auch viel mehr Spaß, auf 'nem großen Boot zu fahren, als auf einem kleinen Boot.
Sie haben die Rekordfahrt, zwei Wochen außenluftunabhängiges Tauchen, absolviert. Stehen sie im Guinness Buch der Rekorde?
Wir versuchen es. Das ist gar nicht mal so einfach. Wir haben uns im Internet mal auf der Guinness-Seite eingeloggt und haben uns das mal angeguckt. Da muss man unendlich viele Formulare ausfüllen und dahin schicken. Die wollen viele Daten haben und da müssen wir erst mal sehen, ob wir wirklich alles sagen dürfen. Aber wir sind noch dabei.

Blick in die Operationszentrale von U 32.
Wenn man so lange „abgetaucht“ ist, wird das für die Besatzung schwierig?
Das ist klasse! Das ist echt super! Das ständige an der Wasseroberfläche rumfahren müssen ist viel anstrengender und viel stressiger, als wenn man sich wirklich 10 oder 14 Tage komplett abmelden kann. Das Uboot ist dafür gebaut, sich im Wasser, im lautlosen und sich selbst auch möglichst lautlos zu bewegen. Das funktioniert bei diesem Typ jetzt wirklich genial. Zu Anfang, die ersten Tage sind sehr ungewohnt, weil der deutsche U-Bootfahrer ist es gewohnt, alle paar Stunden mal aus dem Fenster zu gucken, das müssen wir jetzt nicht mehr. Wenn man sich an dieses bisschen Andere mal gewöhnt hat, das geht sehr, sehr schnell, dann kehrt EIne unheimliche Ruhe ins Boot ein. Das war besonders, aber nicht stressig oder so, ganz im Gegenteil: Das war wesentlich ruhiger und wesentlich angenehmer.
Die Rekordfahrt führte sie in den Einsatz „Active Endevour“. Haben sie da Aufträge durchgeführt, die mit einem anderen Boot nicht möglich gewesen wären, war es etwas Neues?
Nein! - Also für das Boot schon! Alles was wir mit dem Boot gemacht haben, war neu. Wir sind ja auch zu Anfang des Jahres sieben Wochen um England herum gefahren und haben dort an einem Manöver teilgenommen. Und das war jetzt die zweite Stufe. Im Grunde genommen war es eine Testfahrt. Wir haben getestet, ob dieses Boot wirklich das kann, was es können soll, nämlich an einem NATO-Einsatz teilnehmen. Das haben wir nachgewiesen, das wußten wir vorher auch nicht. Insofern war das schon recht spannend für uns alle, wie jeder Schritt, den wir gemacht haben. Aber es hat funktioniert.
Dazu kommt, die Mittelmeertour war natürlich auch das Zeigen einer neuen deutschen Einheit im Ausland. Die haben schon alle mit großen Augen auf uns geguckt und für uns war es eben der Versuch des Nachweises „kann er das auch“. Das haben wir hingekriegt.
In ihrer neuen Verwendung im Ausbildungszentrum kümmern sie sich um künftige Ubootfahrer. Gibt es etwas, was sie angehenden Kommandanten mitgeben, was nicht in der Vorschrift steht?
Ja, flexibel sein. Vorschriften sind gut und schön, da steht auch jede Menge drinne. Aber gerade U-Bootkommandanten müssen sich ein hohes Maß an Flexibilität erhalten, geistig rege bleiben und unkonventionell denken. Wenn wir so'n Strichlisten-Abfahrer als Uboot-Kommandanten haben, dann ist er für den Job nicht geeignet. Er muss auch mal neben der Spur was machen. Das macht uns auch insbesondere aus unkonventionell zu handeln. Die Freiheit hat ein U-Boot-Kommandant und die soll er sich auch gefälligst nehmen. Die Tendenz heut zu Tage ist oftmals, dass sie sehr ängstlich sind - hängt ja ne Karriere dran, kann auch was schief gehen. Aber das würde ich von 'nem Uboot-Kommandanten immer noch fordern: Auch risikobereit zu sein auch mal was auszutesten. Alles in einem Rahmen natürlich und man darf es nie übertreiben, weil es hängen Menschenleben daran. Aber Flexibilität, Offenheit das ist das was ich ihnen mitgeben würde.

U 32 wartete vor einem Jahr in Eckernförde auf die Indienststellung.
(Das Gespräch führte Uwe Zeitter)
 
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