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 Eindrücke von Kadetten
 Die Gefreiten Jens und Heckeroth nahmen an der 146. Ausbildungsreise teil
Kiel/Plön (uz) [21.12.06]. Bei strahlendem Sonnenschein verließ die „Gorch Fock“ das Segelschulschiff der Deutschen Marine am 31. August ihren Heimathafen Kiel. Für die nächsten Wochen sollte sie Arbeits- und Ausbildungsplatz für rund 130 Offiziersanwärter der Marine werden. Unter ihnen waren die Gefreiten OA (Offiziersanwärter) Katharina Jens und Marcel Heckeroth. Seit dem 1. Juli 2006 sind sie bei der Bundeswehr und durchlaufen ein straffes, militärisches Ausbildungsprogramm, inklusive der Wochen auf der „Gorch Fock“, bevor am 1. Juli 2007 das Studium für sie beginnt. Nach ihrer Rückkehr haben sie an der Marineschule mit truppen.info über Ihre Erlebnisse und Erfahrungen, die unterschiedlicher kaum sein können, gesprochen:

truppen.info Was hat sie dazu bewogen zur Bundeswehr oder zur Marine zu gehen?
Katharina Jens: Ich habe darüber nie so groß nachgedacht. Ich habe mich Informiert und ein wenig im Internet gestöbert, weil ich im Studium einfach was anderes machen wollte, als die Anderen. Und da bin ich auf die Bundeswehr gestoßen und fand das sehr ansprechend. Ich bin mehr der Anpacker-Typ, der nicht so einfach nur ein Studium absitzen will. Eigentlich schon vom ersten Tag an stand für mich fest, das ist mein Ding! Ich möchte den fliegerischen Dienst und mich fasziniert die Verbindung zwischen den beiden Elementen Luft und Wasser.
Marcel Heckeroth: Ich habe mir lange überlegt, ob ich zur Bundeswehr gehen und was ich dort machen sollte. Dann habe ich gehört, dass ich da Nautik studieren kann, was ich gerne wollte und so kam der Entschluß.

Marcel Heckeroth (Bildmitte) beim Auslaufen der "Gorch Fock" in Kiel. Fotos: Uwe Zeitter
truppen.info Wie verliefen ihre ersten Dienstwochen?
Katharina Jens: Wir hatten eine siebenwöchige verkürzte Grundausbildung. Das war schon sehr anstrengend, aber ich hatte auch das Gefühl: Das war so, wie ich es mir vorgestellt habe.

truppen.info Was heißt es auf die „Gorch Fock“ zu gehen für sie?
Katharina Jens: Für mich war das kein Problem. Ich war vorher auch schon mal ein Jahr in Amerika. Ich wußte, wie es ist weg von zu Hause zu sein. Ich fand das total toll, das zu machen. Wenn man sich überlegt: „Gorch Fock“ das kennt eigentlich jeder, das ist eine Institution für die deutsche Seefahrt. Wenn man dann sagen kann ich bin da sechs Wochen mitgefahren, das kommt schon gut! Ich glaube das ist ganz wichtig, dass man sich Herausforderungen stellt. Dann kann man sagen „Alles klar, das hab ich gemacht! – Jetzt kommt das Nächste!“
Marcel Heckeroth: Bei mir war das eigentlich das genaue Gegenteil. Ich habe vorher schon viel schlechtes über die „Gorch Fock“ gehört und habe eigentlich auch keine Lust darauf gehabt. Ich wollte das eigentlich auch nicht. Ich hätte am liebsten nen Törn im Mittelmeer gehabt, wo das Wetter gut ist. Ich Hängematten schlafen, das ist halt nicht so mein Ding, aber naja es ging schon. Es war aber nicht so schlimm als es vorher gesagt wurde. Am Schlimmsten fand ich eigentlich, dass ich von zu Hause weg war.

truppen.info Wie muss man sich das Leben auf der „Gorch Fock“ vorstellen?
Marcel Heckeroth: Schlaf ist eigentlich mehr als man denkt, weil man zwei Stunden Mittagspause hat, wenn man keine Wache hat. Abends kann man nicht schlafen, weil die Maschine direkt unter einem ist, man Seegang, es schaukelt. Dann bin ich auch ein, zwei Tage ein wenig Seekrank gewesen, das war nicht so toll.
Katharina Jens: Ich fand das alles so toll. Vermutlich ist das auch von Persönlichkeit zu Persönlichkeit anders. Ich habe sofort einfach jeden angesprochen und habe mir alles erklären und zeigen lassen. Diese Enge hat mich gar nicht so gestört. Ich war eingeteilt für „Rein-Schiff“ in der Maschine, das hat mich alles gar nicht gestört. Die sechs Wochen gehören zur schönsten Zeit, die ich überhaupt hatte bisher.
Katharina Jens

truppen.info Mit welchem Zeitdruck wird die Einweisung und Ausbildung auf der "Gorch Fock" begonnen?
Marcel Heckeroth: Gerade für die praktischen Dinge war eigentlich sehr viel Zeit und es wurde langsam angegangen.
Es wurde zum Beispiel gesagt: „Geht hoch in die Masten und macht mal so weit ihr könnt!“ Man muss das langsam aufbauen, weil es auch anstrengend ist. Schwieriger fand ich die Theorie, weil das war relativ viel zu lernen.
Katharina Jens: Es wurde nicht erwartet, dass man Vorkenntnisse hat. Es ist ja auch ein Schulschiff. Es wurde einem alles erklärt. Am Anfang hat gedacht ich mache das jetzt einfach mal – wenn man dann nachgefragt hat, hat man auch sofort eine nette Antwort bekommen. Aber ich denke nach der ersten Woche auf See hatte das auch jeder kapiert, was passiert, wenn man was macht.
Marcel Heckeroth: Man war auch so weit, dass man dann irgendwie in der Gruppe durch kommt und zurecht kommt.

truppen.info Welche theoretischen Themen stehen auf dem Dienstplan?
Katharina Jens: Also wir hatten zum Beispiel Meteorologie, genauso wie Schiffspflege. Aber man kann sich das wirklich wie normalen Unterricht vorstellen. Es gab Unterrichtszeiten, die man in einem Unterrichtsraum hatte. Da hat man zugehört, mitgeschrieben. Wir haben auch Tests geschrieben. Zum einen war es dann die körperliche Belastung zum anderen musste man dann eben auch mit denken.

truppen.info Wieviel Platz bietet diese Reise für Seefahrer-Romantik?
Katharina Jens: Sehr viel! Wenn ich denke, wenn wir morgens an der Reling zum Frühstück anstanden, das war schon toll. Oder wir hatten abends oft den Luxus von Kino an Oberdeck, wo dann eine Leinwand gespannt wurde und wir konnten so auf Deck liegen. Da kann man dann mal einfach nach oben gucken und sieht nur den Mast und das Sternenbild. Das ist eben weil eben nicht immer nur in Hektik ist. Wenn einem nicht gerade schlecht war hatte das sehr viel von Seefahrerromantik.

truppen.info Kannten sie sich unter einander schon vor Beginn der Reise?
Marcel Heckeroth: Nein die meisten nicht. Dadurch, dass man auch in der Grundausbildung so viel zu tun hatte, hatte man kaum Möglichkeit Leute kennen zu lernen.
Marcel Heckeroth
Katharina Jens: Man wird ja ordentlich durchgemischt. Aber man lernt sich dann dadurch natürlich kennen.
Marcel Heckeroth: Man kennt eben jeden so ein bißchen. Aber bei 200 Leuten an Bord kann man ja nicht mit jedem was zu tun haben.

truppen.info Was nehmen sie mit?
Katharina Jens: Ich weiß noch nicht. Ich fand das einfach nur toll. Zum Beispiel morgens aufzustehen und einfach kein Land zu sehen. Es hört sich vielleicht blöd an, aber es war schön nichts von außen zu hören. Wir konnten mal sechs Wochen unbelastet von all dem "Mist", den man sonst so hört losgehen.
Marcel Heckeroth: Mir fehlten die Informationen von Fußball und Formel 1. Das war sehr spärlich. Und man merkt eben schnell, dass die Gorch Fock ein Segelschulschiff ist und kein Containerschiff, das von A nach B fährt. Wofür andere ein Tag unterwegs sind, braucht man dann eben auch mal eine Woche.

truppen.info Was würden Sie den nächsten Kadetten als Tipp mitgeben?
Katharina Jens: Sie sollen mit dem nötigen Respekt und der nötigen Neugier an die Sache heran gehen, dann kann da nichts schiefgehen. Man muss offen auf einander zugehen und Fragen, Fragen, Fragen!
Marcel Heckeroth: Ich würde sagen, man soll ich vorher keinen zu großen Kopf machen. Einfach alles auf sich zukommen lassen und wird’s schon irgendwie werden.

Fällt der Abschied schwer, wenn die Reise vorbei ist?
Marcel Heckeroth: Mir überhaupt nicht. Ich fand das schön, wieder was neues zu sehen. Am Flughafen ins Flugzeug rein hat mich dann eigentlich mehr interessiert.
Katharina Jens: Ich hab geheult, wie ein Schloßhund. Das hat mir fast schon weh getan, weil das war, wie ich schon gesagt habe, richtig, richtig toll!

Die Gorch Fock nimmt Kurs auf die 146. Auslandsausbildungsreise.
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