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 Erfolg sieht man erst, wenn das Engagement aufhört
 Auslandseinsatz mit außergewöhnlichem „Meeting“
Wilhelmshaven (uz) [12.02.06]. Weitere sechs Monate Engagement in der Bekämpfung des internationalen Terrorismus liegen hinter den rund 200 Männer und Frauen an Bord der Fregatte „Lübeck“. Längst ist der Einsatz der Deutschen Marine am Horn von Afrika Routine geworden und auch aus der aktuellen Presse verschwunden. Der zurückliegende Einsatz der Fregatte Lübeck verlief in dieser Hinsicht ungewöhnlich: Im November des vergangenen Jahres sorgte eine außergewöhnliche Begleitmaßnahme für Schlagzeilen: Die „MS Deutschland“ erhielt für ein Stück ihres Kurses Geleitschutz durch die Fregatte der Marine.
Kreuzfahrer und Fregatte im Abendrot des Golf von Aden.
„Traumschiff“ und Fregatte Seite an Seite. Die „MS Deutschland“ traf im November 2005 auf die Fregatte „Lübeck“.
Foto: PIZ Marine
Der Grund: Knapp drei Wochen zuvor hatten Piraten versucht, das Kreuzfahrtschiff „Seabourn Spirit“ vor der Küste von Somalia zu entern. Der bewaffnete Angriff scheiterte. Bekannt ist der Luxusliner „MS Deutschland“ aus der TV-Serie „Traumschiff“. Der Eigner, die Reederei Peter Deilmann aus Neustadt/Holstein, sieht die Begegnung als Einzelfall an. „Das Treffen des Marineschiffes und des Kreuzfahrtschiffes Deutschland wurde von unseren Passagieren sehr positiv aufgenommen, man sprach von einem Gefühl großer Sicherheit“, teilte das Unternehmen auf Anfrage von truppen.info mit.
Fregattenkapitän Rüdiger Solf, Kommandant der Fregatte Lübeck, zählt nach der Rückkehr das Treffen nicht einmal zu den Highlights: „Als Höhepunkt würde ich es nicht bezeichnen. Das ist eine Sache gewesen, die hat gerade gepasst. Nach dem Vorfall mit der „Seabourn Spirit“ stiegen die Sorgen in der Heimat und die besorgten Angehörigen haben auf der MS Deutschland angerufen. Ich habe mit dem Kapitän der Deutschland telefoniert und abgesprochen, ‘wir zeigen uns mal‘, damit man uns das auch glaubt. Da etwas besonderes daraus zu machen wäre aber übertrieben. Es war wichtig, dass man uns mal gesehen hat, aber ob man im Zweifelsfall wirklich was machen kann...?“
Die Fregatte Lübeck bei der Rückkehr nach Wilhelmshaven.
Sehnsüchtig erwartet:
Die Fregatte Lübeck
Zwei Soldatinnen begrüßen die Kamerad(inn)en auf der Fregatte mit einem Transparent.
Im Klartext: Die MS Deutschland passierte die Region rund 800 Kilometer nördlich. „Man muss bedenken, dass das Seegebiet, das im Einsatz abgedeckt wird, etwa acht mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland ist“, erklärt Fregattenkapitän Solf. Die Wahrnehmung aus den Nachrichten gibt diese Dimension nicht wieder. Die Lübeck hatte auch den Notruf der „Seabourn Spirit“ aufgefangen, konnte aber wegen der Entfernung, rund 1100 Kilometer, nicht helfen. Der Kommandant gibt eine Vorstellungshilfe zu den Geschwindigkeits- und Größenverhältnissen: „Wenn man sich überlegt, da hin zufahren, dann ist das ist wie wenn Sie in Flensburg sitzen, in München hat jemand ein Problem und Sie setzen sich auf ein Mofa um dort hin zu kommen!“ Auf die Nachfrage von truppen.info, ob es denn zumindest eine besondere Abwechslung war, huscht ein Strahlen über das Gesicht des Fregattenkapitäns: „Oh ja“, stimmt er zu. Das sieht auch der Kapitän der MS Deutschland, Hubert Flohr, so. Im Magazin der Reederei berichtet er: „Die Gäste waren auf dieses Zusammentreffen eingestimmt und beobachteten die Manöver gespannt - auf der Fregatte war zur Begrüßung die wachfreie Besatzung angetreten, während der bordgestützte Hubschrauber uns in geringer Höhe umkreiste.“ Einen weiteren Besuch an Bord gab es einige Tage später, als beide Schiffe im Hafen von Dubai festmachten.
Die Hauptaufgaben der „Lübeck“ lagen in den vergangenen Monaten natürlich nicht im Geleitschutz für Kreuzfahrer, sondern in der Überwachung der Seewege und auch in der Informationsgewinnung. Die Soldaten kontrollieren Schiffe, die die Region anlaufen und sprechen mit den Besatzungen über die Situation in den Häfen oder informieren zur die Sicherheitslage.
Das Seegebiet wird aber, allein der Größe wegen, nicht ständig kontrolliert: „Die Einheiten werden dann schwerpunktmäßig für mehrere Tage zum Beispiel vor der Oman Küste, der pakistanischen Küste oder der Küste vor Somalia eingesetzt“, erklärt der Kommandant.
Seine persönlichen Einsatzhöhepunkte waren für den Fregattenkapitän vor allem der Besuch des Verteidigungsministers Dr. Franz-Josef Jung und: „Alle Boardings sind was besonderes, weil das auch mit einer potentiellen Gefährdung für die Leute an Bord hier verbunden ist.“
Die Fregatte passiert mit angetretener Besatzung die Angehörigen.
"Herzlich Willkommen!"
Die Besatzungsmitglieder haben nach ihrer Rückkehr also einiges zu erzählen. Für die Angehörigen ein ersehnter Augenblick: Bereits eine Stunde vor der geplanten Ankunft der Fregatte im Heimathafen fixierten hunderte Augenpaare die seeseitige Zufahrt des Marinestützpunkts Wilhelmshaven. Blumensträußchen, Transparente und eine Imbissbude bestimmen das Bild an der Mole. Eltern und Freunde, Geschwister und Lebenspartner der Besatzung haben sich inzwischen auf die Situation eingestellt. Mehr als 200 Tage war die Fregatte „Lübeck“ im vergangenen Jahr unterwegs. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten kehrt sie nun vom Einsatz am Horn von Afrika zurück. Mit militärischer Pünktlichkeit kündigen zwei Helikopter vom Typ Sea Lynx und das entsprechende Lautsignal das Einlaufen an. Stolz aber auch erleichtert wirken die angetretenen Soldaten an Bord ebenso wie die Angehörigen. Zwei Wochen haben seine Soldaten nun Zeit, so erzählt der Kommandant der Lübeck, um sich zu erholen und an die Temperatur in Deutschland zu gewöhnen. Was das heißt verraten die sonnengebräunten Gesichter der bibbernden Soldaten an Bord der „Lübeck“.
Umarmung zur Begrüßung.
Die Wiedersehnsfreude auf dem Hubschrauberdeck war groß.
Welches Resümee zieht der Kommandant kurz nach dem Festmachen aus den vergangenen Monaten? „Ganz schwere Frage“, bemerkt Solf und antwortet nach einer kurzen Pause: „Wir haben dazu beigetragen, dass es dort am Horn von Afrika sicherer wird. Wobei man das natürlich schlecht messen kann. Ich vergleiche das immer mit einem Polizisten, der Streife geht. Wenn man den am Ende des Tages fragt, wie viele Verbrechen hast du verhindert? Dann wird er es nicht sagen können. Man merkt es erst, wenn man weggehen würde. Insgesamt würde ich aber schon sagen, dass der Beitrag den Deutschland leistet, sehr wertvoll ist.“ Und abschließend fügt er noch hinzu: „Es bestehen deutliche Auswirkungen auf uns - wenn dort der Transport nicht mehr stattfindet, wird in Deutschland der 'Sprit‘ teurer, das will natürlich auch keiner...“

Nur noch ein paar Minuten bis zum Wiedersehen.
Fotos: Zeitter
 
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