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 „Fast schon technologischer Wahnsinn“
 Für die Korvette Braunschweig beginnt die Erprobungsphase
Hamburg/Warnemünde (uz) [16.12.06]. Die wenigen Schaulustigen, die am vergangenen Montag an der Elbe auf die erste Passage des Korvette Braunschweig warteten, brauchten eine Menge Geduld: Im strömenden Regen ließ der künftige High-Tech-Stolz der Bundeswehr lange auf sich warten. Erstmals hat die Korvette Braunschweig, die zugleich Typschiff und Prototyp ist, die Werft Blohm&Voss und den Bereich des Hamburger Hafens verlassen. Nach ersten Tests und Fahrmanövern durch die Werftbesatzung hat die Braunschweig am 13. Dezember, auf den Tag fünf Jahre nach der Unterzeichnung der Aufträge an das Werftkonsortium, ihren künftigen Heimathafen in Warnemünde angesteuert. Hier wird sie in den nächsten Monaten öfter zu erspähen sein.

„Leinen los!“ Die Braunschweig verläßt erstmals den Marinestützpunkt Warnemünde.
Fotos: Uwe Zeitter
„Das sind technisch gleich zwei Quantensprünge zu dem, was ich gewohnt war“, schwärmt der künftige Kommandant des Bootes, Fregattenkapitän Axel Herbst gegenüber truppen.info über das Konzept und ergänzt: „Das ist fast schon technologischer Wahnsinn!“ In der Tat unterscheidet sich die Brücke der Korvette deutlich von den anderen militärischen Schiffen und Booten und ähnelt in der Ausstattung eher zivilen Handelsschiffen. Die Brücke kann damit mit deutlich weniger Personal beherrscht werden, als bei den bisherigen Klassen. Insgesamt ist die Personalstärke auf den fünf neuen Korvetten deutlich geringer als bei Schnellbooten oder Fregatten.
Schon seit Juli gehört Fregattenkapitän Herbst zur Besatzung der „Braunschweig“ und führt sie - auch wenn er auf ihr selbst bislang kaum Dienst tun konnte. „Natürlich haben wir uns einen Einblick an Bord verschafft, um zu sehen, ob das, was wir am Reisbrett geplant hatten auch umsetzbar ist.“ Ansonsten ist das Boot zwar inzwischen keine Baustelle mehr, aber dennoch fest in der Hand des Ausstatters Blohm & Voss.

Fregattenkapitän Axel Herbst (links) und Teile seiner Fahrbeseatzung auf der Brücke der „Braunschweig“.
Drei Werften aus Bereich der Thyssen-Krupp-Gruppe teilen sich die wesentlichen Elemente des Korvettenbaus. Bei Blohm & Voss entstehen die Aufbauten, bei der Bremer Lürssen-Werft die Heck- und bei den Nordseewerken in Emden die Bugsegmente. Alle drei Werften fügen nacheinander jeweils ein Boot und zusammen und statten es aus. Alle fünf Boote der Klasse K 130 wurden bereits auf Kiel gelegt. Neben der „Braunschweig“ wurde auch bereits die Korvette Magdeburg getauft. Folgen werden dann noch die „Erfurt“, die „Oldenburg“ und die „Ludwigshafen am Rhein“.
Die erste Fahrt der „Braunschweig“ führte sie gleich in schwere See. „Ein Schnellboot hätte da sicherlich schon Probleme bekommen, aber die Korvette lag sehr ruhig im Wasser“, berichtet Axel Herbst von seinen ersten Eindrücken. Der militärische Schiffsführer, wie er bis zur Indienststellung seiner Einheit korrekt genannt wird, schaut im Moment aber nur zu: „Ich stehe immer so drei Schritte hinter dem Werftkapitän von Blohm & Voss – der steuert das Schiff allerdings auch erst seit drei Tagen“, scherzte Herbst beim ersten Aufenthalt der Korvette in Warnemünde.

Stolz präsentierte der designierte Kommandant seine neue Einheit.
In den nächsten Monaten hat das junge Boot noch einige Zertifizierungen und Proben über sich ergehen zu lassen. Auch kleinere Änderungen sind für die Folgeboote, die nun mit immer kürzeren Zeitabständen der „Braunschweig“ ausgeliefert werden, sind, wo nötig, noch möglich.
Trotz ihres modernen Elektronik soll die Korvette Braunschweig auch bei schweren Beschädigungen voll einsatzbereit bleiben. Die wesentlichen Bedienungselemente sind mehrfach und an unterschiedlichen Plätzen auf dem Boot eingerichtet. Die Silhouette der Braunschweig, die von vorn einem „X“ gleicht, soll die Aufklärung mit Radar erschweren. Außerdem verfügt die Korvette über eine Abgaskühlung, die auch die Infratrotaufklärung und die Verfolgung durch infrarotgelenkte Waffen erschwert. Bereits in den ersten Stunden auf See wurde auch diese Einrichtung durch Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe zur Zufriedenheit der Verantwortlichen getestet.
Die „Braunschweig“-Klasse wird im Leistungsprofil die Lücke zwischen den Fregatten und den Schnellbooten schließen. Vor allem im Verbund mit den Schnellbooten wird sie eine optimale Seepräsenz, wie sie zum Beispiel in den aktuellen Einsatzregionen der Marine gefordert wird, sichern können. Mit moderner Sensortechnik haben die Boote auch im Aufklärungsbereich stets ein komplettes Bild der Überwasserlage verfügbar. Zu dem bieten sich dabei auch alle notwendigen Führungsmittel bis hin zur Möglichkeit auch Heeresverbänden an Land Feuerunterstützung bieten zu können.
Die Braunschweig wird in den nächsten Monaten regelmäßig auf der Warnow zu sehen sein und den alten Warnemünder Leuchtturm passieren.
Bis zu einem Einsatz der Braunschweig wird aber es aber noch dauern. „Wir werden keine Besatzung in den Einsatz schicken, die nicht optimal ausgebildet ist“, betont Fregattenkapitän Johannes Schmidt-Thomée, der Kommandeur des 1. Korvettengeschwaders vor allem auch mit Blick auf die Technik des Typs. Nach der offiziellen Indienststellung, die für Mitte Mai geplant ist, wird sich die Crew in die praktische Vollausbildung begeben, bis sich alle Abläufe perfekt eingespielt haben. Im Herbst des kommenden Jahres soll die Braunschweig dann nochmals in schwerer See erprobt werden. Seegebiete vor Schottland haben die Soldaten dafür ins Auge gefaßt. „Wir sind technisch gut ausgerüstet, wir werden schon Gebiete mit entsprechender Wetterlage finden, um zu testen, was die Korvette verträgt“, ist sich Herbst sicher.
 
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