truppen.info: Schadensabwehrausbildung auf Schiffen und Booten
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 Eine Art "Lebensversicherung"
 Schadensabwehrausbildung auf Schiffen und Booten
Neustadt/Holstein [01.01.06]. Brände oder Explosionen auf Schiffen und Booten, Kollisionen, Grundberührungen oder Sturm haben in der Vergangenheit zu Seeunfällen und Katastrophen geführt. Diese Gefahr ist von Anfang bis Ende der Lebenszeit eines Bootes oder Schiffes existent und könnte sowohl im Hafen als auch auf hoher See auftreten. Die Hauptursachen der Unfälle und Katastrophen ohne gegnerische Einwirkung sind entweder konstruktiv- technische Mängel oder Fehler und Nachlässigkeiten der Besatzungen. Deshalb muss auch die Ausbildung der Besatzungen unserer Schiffe und Boote eine hohe Priorität eingeräumt werden. Die Marine betreibt dafür das Ausbildungszentrum Schiffsicherung der Marine in Neustadt/Holstein, direkt an der Ostsee.
In der Ausbildung werden jedem Besatzungsangehörigen theoretische und praktische Fähigkeiten vermittelt, die sie unter kompliziertesten Bedingungen und bei allen See- und Wetterlagen befähigen sollen, Unfälle und Katastrophen zu verhindern. Dort, wo die Besatzung ihre Techniken ausgezeichnet beherrscht und zur Abwehr von Schäden automatisch handelt, ist das Risiko für Unfälle und Katastrophen kalkulierbar. Am Ausbildungszentrum Schiffsicherung der Marine wird ein wesentlicher Teil dazu beigetragen, dass Boote und Schiffe der Marine sicher zur See fahren aber auch anderen in Seenot geratenen Schiffen geholfen werden kann.
Die „Inspektion lehrgangsgebundene Ausbildung“ führt für alle zukünftigen Seefahrer, egal welchen Dienstgrades, im Rahmen der Schadensabwehr die Basisausbildung durch. Das beinhaltet das Löschen von Feuern, das Abdichten von Lecks in der Außenhaut, das Analysieren von ABC-Kampfstoffen und deren Beseitigung, das Abbergen und die sanitätsdienstliche Erstversorgung von Verletzten aber auch die richtige Handhabung der persönlichen Rettungsmittel beim kontrollierten oder überraschenden Verlassen des Bootes oder Schiffes.

Schadensabwehr fordert die gesamte Besatzung und ist damit Aufgabe aller
Dazu stehen spezielle Übungsanlagen, wie eine Atemschutzgeräteträger-Übungsstrecke, Rettungsdienst- und Taucherübungshalle und eine außer Dienst gestellte und für die Ausbildung umgebaute ehemalige Fregatte ("Köln") zur Verfügung. Hier werden unter strenger Aufsicht machbare, realistische Szenarien simuliert. Alle Soldaten löschen wirkliche Feuer, dichten Wassereinbrüche, im Winter bei Wassertemperaturen nahe dem Gefrierpunkt, ab oder werden bei der Rettungsmittelausbildung beim Sprung ins Wasser und dem Besteigen der Rettungsinsel mit Wellengang konfrontiert. Hier wird der zukünftige Seefahrer auf seine vielfältigen Aufgaben innerhalb der Schadensabwehrgefechtsdienst- Organisation vorbereitet. Im Brandfall müssen Teams aus drei Soldaten in teilweise stark verqualmten Räumen sich zum Feuer vor-„kämpfen“ und dieses löschen. Im Fall eines Wassereinbruchs baut das Team am Schadensort Leckabstützungen auf. Erste Aufgabe ist und bleibt es dabei, verletzte Kameraden aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu transportieren. Frühzeitig verankert sich im Bewusstsein eines jeden Besatzungsangehörigen der wichtigste Grundsatz: Schadensabwehr fordert die gesamte Besatzung und ist damit Aufgabe aller. Der Gruppenführer (in der Regel ein Bootsmann) zum Beispiel leitet, organisiert und überwacht in einem klar definierten Teilbereich des Schiffes oder Bootes im Schadensfall die Arbeit seiner Schiffssicherungsgruppe, die aus mehreren Trupps besteht. Das Treffen von richtigen Entscheidungen innerhalb kürzester Zeit unter hohem Stress ist ein wichtiger Faktor, der während der Ausbildung und dann später an Bord gefordert wird.
Wichtiger Bestandteil der Ausbildung, ist die Ausbildung am und mit dem persönlichen Rettungsmittel, der Rettungsschwimmweste mit integrierten Kälteschutzanzug. In der Schwimmhalle muss der Soldat von einem ca. fünf Meter hohen Podest mit angelegter Schwimmweste ins Wasser springen, seinen Kälteschutz anlegen und im Anschluss eine aktivierte Rettungsinsel besteigen. Nicht selten werden Soldaten zum ersten Mal seekrank, da in der Schwimmhalle Seegang „eingespielt“ wird.
Im Anschluss an die Individualausbildung findet für die Portepeeunteroffiziere und Offiziere auf dem Übungsschiff - der ehemaligen Fregatte "Köln" - eine Hafenfeuerlöschübung in Zusammenarbeit mit der freiwilligen Feuerwehr statt. Bei dieser Übung bricht ein Feuer während der Liegezeit des Schiffes im Hafen aus - eine Situation, mit der jederzeit zu rechnen ist. Die Lehrgangsteilnehmer müssen diese in der Realität sehr kritische Situation, bei reduzierter Anwesenheit von Besatzungsangehörigen, aber in Zusammenarbeit mit einer Feuerwehr unter Kontrolle bekommen.
Im Abschluss"gefecht" erhält das Schiff verschiedene schwere Treffer. Das angehende Führungspersonal lernt in "realer" Situation, zwischen schreienden Verwundeten, arbeitenden Trupps und in verqualmter Umgebung, den Überblick zu bewahren, die unterstellten Soldaten konzentriert, effektiv und zielgerichtet zur Schadensabwehr einzusetzen.

 Teamgeist und Teamwork
Ob Truppführer oder Offizier: Ausbildung im Rahmen der Schadensabwehr ist mehr als das reine Vermitteln von Wissen und Fertigkeiten.
In der Lübecker Bucht befindet sich das "Trainingsfeld der Marine". Seit Gründung der Schule findet hier die praktische Schadensabwehrgefechtsdienstausbildung (SAGA) in See statt. In der SAGA werden neben der traditionellen Schiffssicherung auch die Schiffführung, die Navigation, der taktische Einsatz und die gesamte technische Komponente des Schiffes oder Bootes erfasst. Verstärkt trainiert wird hier das Verständnis für die Situation und das Zusammenspiel der einzelnen Funktionsbereiche an Bord untereinander. Teamgeist und Teamwork sind auf allen Ebenen und bereichen gefordert.

 Eine Art "Lebensversicherung."
Die SAGA wird für alle Schiffe und Boote der Marine, mit Ausnahme der U-Boote, durchgeführt. Die Grundform dieser Ausbildung nimmt nahezu zwei Wochen in Anspruch. Das Verhalten der Besatzung bei "Mann über Bord", "Feuer in einem großen Betriebsraum", "Versagen der Manövrierfähigkeit", "Feuer an Bord im Hafen bei verminderter Besatzungsstärke" bis hin zum geordneten Verlassen des Schiffes sind Ausbildungs- und Prüfschwerpunkte. Höhepunkt der Ausbildung ist ein dreigeteiltes sechsstündiges Gefechtsbild am Abschlusstag. Bewusst wird jeder Besatzungsangehörige an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit geführt. Fachliches Können und Durchstehvermögen des Einzelnen, auch unter Stress, sind Grundvoraussetzungen für das erfolgreiche Bestehen des Abschlusstages.
Am Ende der Ausbildung soll die Besatzung befähigt sein, jede denkbare Situation, im Hafen oder auf See, auf dem Transit oder im Gefecht, so zu meistern, dass Katastrophen, Beschädigungen oder Unfälle mit Verlust von Besatzungsangehörigen vermieden werden. Der Kommandant des Schiffes oder Bootes soll in die Lage versetzt werden, mit seiner Besatzung jedem ihm befohlenen Auftrag sicher erfüllen zu können.
Je nach Einheit, Schiff oder Boot, groß oder klein, militärisch oder zivil besetzt, wird ausgehend von der Grundform eine spezielle SAGA, ausgerichtet an der Hauptaufgabe der einzelnen Einheiten, durchgeführt. Für erfolgreiche Absolventen der Schadensabwehrgefechtsdienstausbildung Basis bietet das Ausbildungszentrum Schiffssicherung der Marine eine weiterführende Ausbildung auf einem noch höheren Niveau an. In zeitlichem Abstand bauen fünf Tage Seeausbildung auf die Basisausbildung auf und sollen das bereits Erlernte weiter ausbauen, festigen und zur Professionalität des Handelns auf See beitragen.
Die Ausbildung am Ausbildungszentrum Schiffsicherung der Marine ist für Schiff, Boot und Besatzung eine Art „Lebensversicherung“. Deshalb räumt die Marine dieser Ausbildung eine große Bedeutung ein.
(Andreas Krege)
 
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