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 Er kam, sah – und aß
 Ministerantritt bei der Marine – Wehrpflichtigenzahl bleibt unverändert
Eckernförde (lb) [13.01.06]. Symbolisch wollte er Zeit und Ort seines Antrittsbesuches sicherlich nicht verstanden wissen: ausgerechnet am Freitag den 13. und ausgerechnet bei der "Unterwasser-Flotte" absolvierte der neue Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung seinen Antrittsbesuch bei der Marine. Nach einem Schnelldurchgang durch das Ausbildungszentrum U-Boote war er voll des Lobes über Einsatzbereitschaft, Ausrüstung und Ausbildung – bevor er an Bord von U31 zum Mittagessen geladen war. Jung nutzte beim eingeschobenen Pressegespräch die Gelegenheit, weitere Entscheidungen bekannt zu geben: die Zahl der Wehrpflichtigen soll doch nicht erhört werden, aber „stabil“ bleiben, der humanitäre Einsatz in Pakistan werde fortgeführt.
Die Entscheidung für den Antrittsbesuch in Eckernförde sei bereits bei seinem Truppenbesuch in Djibuti gefallen, so der Minister. Er wolle mit seiner Stippvisite bei den U-Boot-Fahrern durchaus auch seine besondere „Verbundenheit und Unterstützung“ dokumentieren, da deren Dienst noch höhere Anstrengungen mit sich bringe als auf einem „normalen“ Schiff und deshalb „hohen Respekt“ verdiene. Die gute Nachricht lautete denn auch, dass wahrscheinlich noch in diesem Jahr über den Bau von zwei weiteren U-Booten der neuen Klasse 212 A entschieden werden könne. Zwei sind bereits in Dienst gestellt (U31 und U32), zwei weitere bereits beschlossene Sache, wovon U33 kurz vor der Indienststellung steht.
Beruhigende Worte auch in Sachen Standorte: der Minister wiederholte sein Versprechen, an dem unter seinem Vorgänger Struck beschlossenen Stationierungskonzept nicht rütteln zu wollen. Die Bundeswehr brauche Planungssicherheit, so Jung, und „keinen zusätzlichen Veränderungsstress“.
Kontinuität, und damit eine persönliche Kehrtwende, auch bei der Wehrpflicht: entgegen vorhergehenden Äußerungen soll die Zahl der Grundwehrdienstleistenden nun noch nicht mehr – wie zuletzt zu hören war – von 30.000 auf 35.000 aufgestockt werden. Ziel sei vielmehr trotz der geplanten Sparmaßnahmen zu einer „Stabilisierung“ zu kommen. Allerdings sehe er durchaus „Perspektiven“, bis zum Jahr 2010 doch noch mehr junge Männer einziehen lassen zu können. Kurzfristig müsse aber erst einmal eine weitere Reduzierung verhindert werden, so Jung.
Für Dr. Rolf Koschorrek, CDU-Mitglied im Verteidigungsausschuss, bleibt jedoch der „sachliche Bedarf unstrittig“. Allerdings weist auch er im truppen.info-Interview auf die recht enge Haushaltslage hin. Für den Bundestagsabgeordneten und Bundeswehrexperten Jörn Thießen (SPD) entscheidet sich die Wehrgerechtigkeit nicht „an 5.000 Mann mehr oder weniger“. „Der Minister hat viele Ideen, das ist gut“, so Thießen gegenüber truppen.info, „dass dabei einige hinten runter fallen ist Berufsrisiko.“ Ziel der großen Koalition müsse es allerdings künftig sein, diese Ideen nach einer Phase der „Einfindung“ im Vorfeld genauer und differenzierter zu betrachten. Das gelte auch etwa für die vom Verteidigungsminister angekündigte „Modernisierung“ der Wehrpflicht. „Ich bin gespannt, aber skeptisch, dass einem da tatsächlich neue Modelle einfallen werden.“
Mit Blick auf den humanitären Einsatz der Bundeswehr-Hubschrauber im pakistanischen Erdbebengebiet erklärte der Minister an der Ostsee, er gehe davon aus, „dass wir unserer Verantwortung gerecht werden und auch weiterhin in Pakistan helfen“. Ursprünglich sollte der Einsatz bereits Ende Dezember beziehungsweise Ende Januar beendet werden. Im Gegensatz zur NATO wird die Bundeswehr ihre Flüge nun aber offenbar noch bis auf weiteres fortsetzen. Nach Aussage des Einsatzführungskommandos in Potsdam sind nach Abzug von zwei Helikoptern nach wie vor zwei Maschinen vor Ort.
Auf die Frage, was er zu den Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes während des Irak-Krieges in Bagdad zu sagen hat, erklärte Jung abschließend, diese Ereignisse berührten Zeiträume vor seiner Zeit als Bundesminister, weshalb ihm die Sachverhalte im Einzelnen nicht bekannt seien. Ob er aber ausschließen könne, dass deutsche Soldaten zur selben Zeit dort waren? Ebenfalls keine Stellungnahme.
(Lars Bessel)
Dr. Franz Josef Jung
Der Minister "am Steuer"
Abtauchen in U 31 und ...
... Auftauchen auf U 31.
Der Minister im Gespräch mit truppen.info.
Fotos: Zeitter
Zwischen Joystick und Champignonrahm
Minister Jung über die Marine
"Ich wünsche dem Standort besseres Wetter"
Minister Jung über die Wehrpflicht
 
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