Olpenitz
(uz) [16.09.05]. Mit Baltic Sweep 1996 hat alles einmal begonnen. Einheiten
der Bundesmarine sorgten bei diesem ersten gezielten Räumeinsatz
für sichere Gewässer vor den baltischen Staaten. Damals
wurden im bilateralen Einsatz Kampfmittel geräumt. Wieviele Seeminen
und andere Kampfmittel in den Gewässern vor der Küster der
Staaten im Baltikum unentdeckt sind, ist nicht feststellbar.
Allein zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden auf deutscher
und finnischer Seite mehr als 60.000 Minen eingesetzt. Hinzu
kommt eine Vielzahl von früher verlegten Kampfmitteln.
In diesem Jahr waren 20 Marineeinheiten aus 13 Nationen, insgesamt mit
rund 850 Mann an der Operation beteiligt. 31 Minen und zwei Torpedos
aus dem zweiten Weltkrieg wurden dabei durch den Verband entdeckt und
zerstört. Kommandiert wurde Verband von Fregattenkapitän Andreas
Stricker, Kommandeur des 3. Minensuchgeschwader aus Olpenitz. Unter seiner
Zuständigkeit wurden die einzelnen Verbände im festgelegten
Abschnitt eingesetzt. Ein Abschnitt, der vor allem für seine Männer
eine besondere Herausforderung war.
Der Grund war mit zahlreichen Findlingen, zum Teil mehrere Meter in
der Abmessung, übersäht. Viele Kontakte konnte dabei nicht
zweifelsfrei identifiziert werden. "Oft wurde, was das Signal auf
dem Sonar-Bildschirm betrifft, der Eindruck erweckt, als könnte
es sich dabei um einen Minenkontakt handeln. Nur mittels zeitaufwändiger
Zusatzuntersuchungen, bei denen unter anderem unbemannte Unterwasser-Aufklärungs-Drohnen
eingesetzt wurden, konnten die Kontakte überprüft und in den
meisten Fällen als "nur Stein" abgehakt werden",
berichtet der Presseoffizier, Fregattenkapitän Eckhard-Herbert Arndt.
Wichtig sei aber, so betont Fregattenkapitän Stricker gegenüber
truppen.info, dass die Gebiete als sicher eingestuft werden können
und dort wirklich keine Seekampfmittel mehr gefährlich werden: "Wir
haben einen weiteren Beitrag dafür geleistet, dass Schifffahrt und
Fischerei vor der lettischen Küste wieder ein Stück sicherer
geworden sind." Ein Gebiet, dass sich übrigens sehen lassen
kann: Etwa 40 Quadrat-Seemeilen (ca. 70 Quadratkilometer) wurden von
den Einheiten für Minen frei erklärt. Zum Vergleiche: Diese
Fläche entspricht knapp 15.000 Fußballfeldern. Auch die Arbeitszeit
der Männer beeindruckt. Würde man die Arbeitszeit auf ein Boot übertragen
ergäbe sich eine Einsatzzeit von rund 9 Wochen.
Als Kommando- und Operationsplattform für Open Spirit 2005 diente
der Tender Rhein. Aus Sicht der Bundesmarine waren drei Einheiten, die
Minenjagdboote Passau, Fulda und Weiden, an der Operation beteiligt.
Allen Beteiligten viel der Abschied Ende der Operation schwer. Und das
Abschiedszermoniell entsprechend typisch und herzlich, wie der Presseoffizier
erzählt: "Mit einem zünftigen und in Teilen auch sehr
nassen Steampass zogen die einzelnen Einheiten des internationalen Marineverbandes
am Flaggschiff Tender Rhein vorbei, um sich beim Verbandsführer
zum Rückmarsch in die Heimathäfen abzumelden. Weil Seeleute
gerne zu Späßen aufgelegt sind, galt auch dieses Mal das ungeschriebene
Gesetz: "Mach den anderen nass, ohne selbst nass zu werden." Hier
war der Tender Rhein im klaren Vorteil, denn er hat die höheren
Aufbauten und weiter reichenden Feuerlösch-Kanonen. Ergebnis: Die
Tender-Besatzung kam trockenen Fußes und Hemdes davon."
Was auf keinen Fall zu kurz kommen durfte war der Austausch mit den
Soldaten aller Nationen, der herzlich aber auch in einem kameradschaftlichen
Wettbewerb. Auch entsprechende Landgänge gehörten zu dieser
Operation und die Soldaten konnten so ein Brücke zur Bevölkerung
schlagen.
Das wichtigste Ziel aber, so betonte der Kommandeur, war es, dass alle
Beteiligten heil nach Hause kommen. Und auch dieses Ziel wurde erreicht.
Und eines steth auch schon fest: Die Operation wird kommenden Jahr ihre
Fortsetzung finden, dann werden die Verbände vor der Küste
Estlands zeigen, was sie können. |