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Satire bis der Arzt kommt

 Eine Patrouille ist dem Spähtrupp von früher ähnlich
 Laufbahnlehrgänge haben sich grundlegend verändert
Appen (uz) [15.10.08]. Das 20jährige Bestehen feiert die Unteroffizierschule der Luftwaffe (USLw) in diesem Jahr. Gemessen an den meisten anderen Dienststellen der Bundeswehr, die in diesen Wochen und Monaten auf ein halbes Jahrhundert zurückblicken können, eine erfrischend junge Einrichtung der Bundeswehr. Eine Einrichtung, in der auch stets ein frischer und junger Wind weht. In den Standorten Appen und Heide wird der Unteroffiziersnachwuchs der Luftwaffe ausgebildet. Alle allgemeinmilitärischen Ausbildungsinhalte werden an der Schule vermittelt. Die fachlichen Lehrgänge für die Anwärter finden dagegen unter anderem an den Technischen Schulen in Faßberg und Kaufbeuren statt.. Noch vor 25 Jahren gab es deutschlandweit rund 40 Einheiten, die für militärische Ausbildung des Führungsnachwuchses gesorgt haben. Danach wurde die Ausbildung zentralisiert, wenn das auch nicht räumlich zu verstehen ist. Für viele Lehrgangsteilnehmer, weit mehr als 6000 aus der ganzen Republik sind es pro Jahr, liegt die USLw irgendwo im Norden, bei Hamburg durch den Elbtunnel und dann links...
Die aktuellen Ausbildungsgänge haben sich von der Lehre von vor 20 Jahren stark abgewandelt. Seit Anfang des Jahres wird das Ziel der Luftwaffe, , alle Laufbahnlehrgänge möglichst an einem Stück vom Nachwuchs absolvieren zu lassen, an der Schule umgesetzt. Grundlegend wurden die Ausbildungsabschnitte verändert und neugeordnet. Drei Schwerpunkte sind in die Ausbildung aufgenommen oder zum Teil entscheidend erweitert worden: Einsatzausbildung, körperliche Leistungsfähigkeit und Sprachen. „Alle früheren Ausbildungsinhalte sind aber erhalten geblieben“, betont Oberst Rolf Kirleis, der Schulkommandeur. Die Veränderungen mit Blick auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind zum Teil gar nicht so entscheidend. Vieles sei durchaus ähnlich zieht der Kommandeur Parallelen: Früher war ein Spähtrupp gedeckt im Wald unterwegs, heute nennt man ihn Patrouille und führt den Weg offen durch das Gelände. Die Befehlsgebung und Führung ist aber durchaus ähnlich.
Das Prinzip ist einfach: Die Ausbildung wird umfangreicher, darf aber keinen Tag länger dauern. Eine lehrgangsfreie Zeit gibt es an der Schule schon lange nicht mehr. Die optimale Aufnahme von Soldaten, insbesondere auch solcher, die nicht von Anfang an in den Ausbildungsablauf integriert werden konnten, zum Beispiel weil sie sich erst später für eine Weiterverpflichtung entschieden hatten, stellt die Verantwortlichen durchaus vor Herausforderungen. Nahtlos geben sich Lehrgangsteilnehmer quasi die Stubenklinke in die Hand.
Während die Ausbildungsphase noch vor wenigen Jahren aus in sich abgeschlossenen Lehrgängen bestand, wird heute immer mehr auf die Inhalte der vorherigen Ausbildung aufgebaut. „So konnten wir eine Menge Zeit gewinnen“, erläutert der Kommandeur das Prinzip, wie die höheren Anforderungen im engen Zeitplan verwirklicht werden können.
Einheitlich für Feldwebel und Unteroffiziere ist ein zweimonatiger Unteroffiziergrundlehrgang im Standort Heide. Diese Ausbildung ist mit der Allgemeinen Grundausbildung vergleichbar.
Erste Schritte bei der Bundeswehr: Bei der USLw wird die militärische Ausbildung gebündelt.
Fotos: Uwe Zeitter
Zahlreiche Ausbildungsinhalte sind aber in spätere Lehrgänge ausgegliedert. Vor allem die Grundfertigkeiten sind in diesen Wochen zu vermitteln. „Die Soldaten müssen die Pistole P8 und das Gewehr G36 beherrschen, wie Wilhelm Tell seine Armbrust“, der anschauliche Scherz von Oberst Kirleis klingt lustiger, als er gemeint ist: Er bringt auf den Punkt worum es geht und wie knapp bemessen die Zeit ist, bis zum Lehrgangsende und dem Erreichen des angestrebten Dienstgrades.
Im Optimalfall folgt unmittelbar nach dem Unteroffiziergrundlehrgang, eventuell aber auch erst nach einem Praktikum in der Truppe, je nach Laufbahn der zweimonatige Unteroffizier- oder der fünfmonatige Feldwebellehrgang. Danach schließen sich dann die fachlichen Lehrgänge und die zivilberufliche Aus- und Weiterbildung (ZAW) an, bevor die Soldaten nochmals für weitere Ausbildungsabschnitte zurück nach Appen oder Heide kommen. Dann steht für die Fachunteroffiziere das Vorgesetztentraining und für die Feldwebel der Teileinheitsführer-Lehrgang und das Führungstraining an.
Erfahrene Experten für die Ausbildung der Unteroffiziere: Oberst Rolf Kirleis und Oberstleutnant Frank Rohde (v.r.).
Durch diese kompakte Lehrgangsabwicklung konnten Ausbildungsinhalte zusammengefasst werden. „Warum sollen wir dem Soldat drei mal den §3 der Vorgesetztenverordnung vermitteln?“ Viele Themen hätten so zusammengefasst oder in andere Ausbildungsabschnitte gelegt werden können, um eine effizientere Zeitausnutzung zu erreichen. Durch den kürzeren Unteroffiziergrundlehrgang im Vergleich zur längeren Allgemeinen Grundausbildung, die heute nur noch von Wehrpflichtigen und Soldaten, die in der Mannschaftslaufbahn verbleiben, absolviert wird, wurde ein ganzer Monat eingespart. Dieser Monat wird im wesentlichen genutzt, um den Soldaten eine Sprachausbildung zu ermöglichen. Englisch soll dann in der Prüfstufe SLP 111x (SLP= Standardisiertes Leistungsprofil) absolviert werden, die unterste Stufe der Sprachprüfungen. Der Kommandeur betont, dass es trotz der kompakten Englischschulung weiteren Handlungsbedarf gebe. Ein Blick über den Tellerrand zum Heer zeige, dass dort die Absolventen des Feldwebellehrganges für einen längeren Sprachkurs zurück zur Unteroffizierschule des Heeres kehren, um dann eine Prüfung in der höheren Prüfstufe SLP 2121 abzulegen. Oberst Kirleis gibt zu bedenken: „Wir haben hier auch Teilnehmer, die bislang keine Sprachkenntnisse haben, es ist eine gute Leistung unserer Lehrer, diese zur geforderten Prüfung fit zu machen. Für den praktischen Umgang ist das aber normalerweise kaum ausreichend und das Erlernte ist oft nach der ZAW sehr reduziert.“
Einen weitaus höheren Stellenwert hat das Training der körperlichen Leistungsfähigkeit. Auch in diesem Bereich sind mittlerweile Prüfungen abzulegen. Viele Elemente, die früher im Zusammenhang mit „Gefechtsdienst aller Truppen“ auf dem Ausbildungsplan standen, gehören heute zum Fach „physische und psychische Robustheit“.
Die Rahmenbedingungen für die militärische Ausbildung haben sich gewandelt.
Um mehr als 80 auf über 200 Ausbildungsstunden ist der Bereich „Military Fitness“ im Vergleich zum bisherigen Feldwebellehrgang angewachsen. Standard ist neben dem regelmäßigen Lauftraining, Hindernisparcours und dem Physical Fitness Test auch Geländelauf mit Gepäck, Helm und Waffe. „Hier in der Kaserne, vor allem entlang des Zaunes, treffen sie eigentlich jederzeit auf trainierende Soldaten“, weiß der Kommandeur zu berichten und lobt die Motivation seiner Lehrgangsteilnehmer. Die Anforderung, dass der Soldat ein lebenslanges Lernen vor sich habe, verbunden mit dem Schulmotto „Bereit für die Zukunft“ haben die angehenden Unteroffiziere verinnerlicht.
„Ich erinnere mich an einen Abend, an dem ich keinen Menschen in der Kaserne gesehen habe, damals habe ich mich erst einmal auf dem Parkplatz vergewissert, dass noch Soldaten da sind“, beschreibt Rolf Kirleis die hohe Lernbereitschaft auch nach der Unterrichtszeit. Die meisten Soldaten beschäftigen sich in der Tat abends auf den Stuben, oft in Lerngruppen, mit den Ausbildungsinhalten.
Wirklich neu in den Lehrgang integriert wurden Themen und Übungen zur so genannten einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenreaktion (EAKK) als neue Ausbildungsinhalte. So werden bereits in den Laufbahnlehrgängen Kenntnisse vermittelt, die mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr in direktem Zusammenhang stehen. In der heutigen Zeit sind diese Kenntnisse für die Feldwebel elementar wichtig. Da alle Einheiten für ihre Soldaten selbst die EAKK durchzuführen haben, stehen die Soldaten meist unmittelbar nach ihren Lehrgängen selbst als Ausbilder für diesen Themenbereich in der Verantwortung. In der Ausbildung zu den Einsatzaufgaben geht es vor allem darum, Grundlagen zu legen. „Ich bin dafür lieber weniger auszubilden und das richtig“, gibt Oberst Kirleis als seine Marschrichtung aus. In diesem Fall auch in dem Bewusstsein, dass Soldaten aus dem Bereich des Objektschutzregiments der Luftwaffe vor ihren Einsätzen nochmals eine intensive und zusammenschweißende Ausbildung absolvieren. Die meisten Soldaten, die die Ausbildung an der USLw durchlaufen werden im Anschluss als Techniker oder im Innendienst ihrer Heimatverbände eingesetzt. Die würden, so betont der Oberst, im Auslandseinsatz auch im Wachdienst für ein Feldlager eingesetzt, oder müssten in der Lage sein, eine Alarmstellung zu beziehen, wären sonst aber für ihre speziellen Tätigkeiten im Auslandseinsatz. Ähnliches gelte übrigens auch für das Lehrpersonal der Schule, das aber eher in Ausnahmefällen an Auslandseinsätzen teilnehme. Zu dicht sind die Lehrgänge gesteckt, die von der Schule durchgeführt werden, um den Personalbedarf zu decken.
Beide Standorte der Schule bieten für diese Ausbildungen gute Möglichkeiten in der Infrastruktur. Etwas Besonderes aber sei die Einrichtung in Heide, wo ein „richtiges kleines Feldlager mit Wachtürmen und allem drum und dran“ bestehe. Insbesondere der Bereich Mineawareness, also der Umgang mit Minen und Explosivstoffen beziehungsweise die Vermeidung von Unfällen mit diesen, in den Einsatzregionen allgegenwärtigen Kampfmitteln, kann hier eindrucksvoll abgedeckt werden. „Die Einrichtung solcher Ausbildungsstätten in Appen wäre nur sehr schwierig zu bewältigen gewesen“, freut sich der Kommandeur über den Zuschlag des Standortes Heide zur USLw, entgegen der ursprünglichen Forderung, dass die Ausbildung möglichst nur an einem Ort absolviert werden solle. Heide wäre sozusagen erst der „Kindergarten“ und später dann die „Volkshochschule“ der USLw, schmunzelt Kirleis: „Die Soldaten beginnen hier mit dem Unteroffiziergrundlehrgang und kommen dann zum Führungstraining wieder zurück nach Heide“.
Soldaten bei der Schießausbildung.
Im Themenplan für die Lehrgänge sind aber auch Inhalte zu finden, die nicht nach Stundenplan vermittelt werden. „Ein angehender militärischer Vorgesetzter lernt am besten von seinen Ausbildern und deren Erfahrung“, erläutert Rolf Kirleis. Den kooperativen Führungsstil im „Team Luftwaffe“, wie der Inspekteur der Luftwaffe die Soldatinnen und Soldaten in seinem Organisationsbereich gerne bezeichnet, müssen die angehenden Unteroffiziere und Feldwebel schon von ihren Ausbildern erleben.
Ä hnlich verhält es sich mit dem Bereich „soziale und interkulturelle Kompetenz“. Ein Ausbildungsbereich, der aus Sicht von Oberst Kirleis nicht zu unterschätzen ist: „Wenn man einmal vom Einsatzgebiet Afghanistan ausgeht, ist für den dort lebenden Muslimen klar, dass er Soldaten aus einem christlichen Kulturkreis vor sich habe“, erläutert der Kommandeur und ergänzt den Knackpunkt: „Einige der jungen Soldaten haben die letzten 18 Jahre ohne eine Religion erlebt, da kann es problematisch werden, wenn man mit dem hohen Einfluss einer Religion auf den Alltag arbeiten muss.“ Das sind Themen, die stetig in die Ausbildung mit einfließen. „Wir können ja nicht sagen ‚empfangen sie in der Waffenkammer interkulturelle Kompetenz‘, da kann mit Frontalunterricht nicht geholfen werden“, betont der Oberst.
Es sind aber nicht nur die Laufbahnlehrgänge für die aktiven Soldaten, die sich verändert haben, es sind auch die für die Reservisten, die derzeit ein besonderes Augenmerk der Schulleitung auf sich lenken. Erstmals in der Geschichte der Schule wurde über die Sommermonate die Vorausbildung für Reservefeldwebelanwärter in Form einer Fernausbildung angeboten. In der Verantwortung steht hier Oberstleutnant Frank Rohde. Er sieht die Notwendigkeit für eine solche Maßnahme besonders in der Arbeitswelt der ehemaligen Soldaten. „Ein mehrwöchiger Laufbahnlehrgang ist mit den meisten Arbeitgebern nicht zu vereinbaren“, beschreibt Rohde die Nöte, die die Bundeswehr in den vergangenen Jahren in diesem Bereich hatte. Der neue Lehrgang basiert auf einem Lehrkonzept, das die Kursteilnehmer über das Internet absolvieren können. „Die tatsächlichen Stunden, die die Reservisten wöchentlich in unserem Portal zur Abarbeitung der Aufgaben online waren, hat unsere Erwartungen mehr als übertroffen“, berichtet Oberstleutnant Rohde von den ersten Erfahrungen. Die Präsenzphasen in Appen wurden auf zwei Wochenenden und damit auf ein Minimum von Ausfalltagen für die Arbeitgeber reduziert. Am Ende folgt eine weitere Wehrübung für die Teilnehmer, um bei ihren Stammtruppenteilen die entsprechende Abschlussprüfung abzulegen. Die beiden Phasen in Appen dienen am Lehrgangsbeginn der Einweisung in die Ausbildung und in das System sowie dem persönlichen Kennen lernen der Lehrgangsteilnehmer untereinander. In der zweiten Präsenzphase geht es dann wesentlich militärischer zu, dann stehen praktische Elemente wie das Schießen mit Handwaffen und auch hier „Military Fitness“ auf dem Programm.
Für die Schule gelte grundsätzlich dasselbe wie für die Lehrgangsteilnehmer zieht Oberstleutnant Rohde ein abschließendes Resümee: „Eine Armee, die sich ständig anpassen muss, braucht die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen!“
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